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Schulte im Walde, Christoph

Generationsoffener Freiwilligendienst

Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung vermittelt Freiwilligendienste auch für Ältere

Rubrik: Bericht
erschienen in: üben & musizieren 3/2026 , Seite 52

„Mensch Marianne, was machst du jetzt eigentlich mit deiner ganzen freien Zeit?“ „Willi, dir fällt doch bestimmt die Decke auf den Kopf, jetzt, wo die Kinder längst aus dem Haus sind…“ Solche und ähnliche Fragen bekommen nicht wenige Menschen, die gerade in Ruhestand getreten sind oder für die ein prägender Lebensabschnitt zu Ende gegangen ist, immer wieder gestellt. Was tun also mit der neu gewonnenen Freizeit, wo man doch noch voller Tatendrang ist und seine Energie gern für die Allgemeinheit einsetzen möchte? Am liebsten noch in einem Bereich, der schon immer das eigene Leben geprägt hat: die Kultur oder noch spezieller die Musik.
Der musikbezogene Bundesfreiwilligendienst könnte da eine attraktive Lösung bieten. Hinter diesem etwas sperrigen Begriff steht ein Projekt, das strukturell vergleichbar ist mit dem bekannteren allgemeinen Bundesfreiwilligendienst (BFD) oder dem noch bekannteren Freiwilligen sozialen Jahr (FSJ), das explizit junge Menschen bis zum Alter von 27 Jahren anspricht: Jugendliche, die beispielsweise gerade ihre schulische oder berufliche Ausbildung abgeschlossen haben und aktuell noch nicht genau wissen, wohin die Reise zukünftig gehen soll. Ein ähnliches Angebot gibt es nun für die eingangs beschriebenen Menschen jenseits der Altersgrenze von 27 Jahren, die auf der Suche nach Möglichkeiten eines Engagements für die Gesellschaft sind. Bis Ende 2025 war es der vom Bundesmusikverband Chor & Orchester (BMCO) betreute „musikbezogene Bundesfreiwilligendienst Ü 27“, seit Beginn des Jahres 2026 ist das Projekt angesiedelt bei der in Berlin ansässigen Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) und ist seitdem der „generationsoffene Freiwilligendienst“. An den Inhalten und Zielen hat sich indes nichts geändert außer der Tatsache, dass der Freiwilligendienst nun bereits Interessierten ab 23 Jahren offensteht – ohne jede Altersbeschränkung nach oben, versteht sich!
Die Auswahl an unterschiedlichsten Institutionen ist groß und reicht von Bibliotheken über Schulen, Museen, Orten der bildenden oder darstellenden Kunst bis hin zu Einrichtungen, die schwerpunktmäßig dezidiert mit Musik zu tun haben: eine Musikschule etwa, ein Chor oder ein Orchester, ob professionell oder von Laien geprägt. Dabei steht jedem die Entscheidung frei, ob er oder sie bereits vorhandene Kenntnisse investieren oder aber auch ganz neue Erfahrungen sammeln möchte. Wer mal Veranstaltungen wie Konzerte oder Wettbewerbe organisiert hat, weiß, was zu tun ist. Wer vertraut ist mit dem Verfassen von Texten, im Umgang mit Medien oder im Recherchieren von Themen, kennt sich aus, stellt sein gesammeltes Wissen zur Verfügung und bringt vielleicht eigene Ideen ein. Und umgekehrt: Man lernt, sich in solche bislang fremde Themenfelder einzuarbeiten.
AnsprechpartnerInnen für den Freiwilligendienst finden sich in den Bundesländern, in denen unterschiedliche Träger zuständig sind. Eine tolle Orientierung und Hilfe bietet die vorbildlich gestaltete Online-Plattform der Freiwilligendienste Kultur und Bildung: https://freiwilligendienste-kultur-bildung.de. Sie unterstützt mit detaillierten Informationen, stellt potenziellen Freiwilligen gezielte Fragen zu ihrer gewünschten Tätigkeit, die die individuelle Suche nach einem konkreten Einsatzort eingrenzen und erleichtern. Und sie liefert Eckdaten zur genauen Ausgestaltung der Dienste, die sechs bis achtzehn Monate dauern können, eine maximale Wochenarbeitszeit von 35 Stunden umfassen und für die eine Aufwandsentschädigung („Taschengeld“) in Höhe von 400 bis 450 Euro monatlich gezahlt wird, je nach Einsatzstelle und Arbeitsumfang. Auch in dieser Hinsicht ist der Freiwilligendienst eine durchaus attraktive Sache.
Die Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung ist anerkannte Fachpartnerin des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und wird aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes gefördert. Einen so vorbildlichen Internet-Auftritt und einen derart umfassenden Service wünscht man sich von jeder professionellen Institution, bekommt ihn aber höchst selten in der Qualität wie hier.

Lesen Sie weitere Beiträge in Ausgabe 3/2026.

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