Hilli, Sebastian
Teddy
für Akkordeon
In Finnland ist das Akkordeon schon lange ein sehr beliebtes und vor allem in der zeitgenössischen klassischen Musik ernstgenommenes Instrument. Jukka Tiensuu, Erkki Jokinen, Magnus Lindberg und viele andere haben ein seriöses Bild des Instruments zusammen mit virtuosen InstrumentalistInnen geprägt.
Der junge finnische Komponist Sebastian Hilli schuf 2023 mit Teddy ein mit 17 Minuten Spieldauer ausführliches Werk. Das Akkordeon ist mit seinen enormen dynamischen Möglichkeiten und seiner orgelähnlichen Klangfülle ein geeignetes Instrument für Gefühle entlockende Gesten. Zusammen mit seinem dem Atmen gleichenden Phrasieren bietet es den richtigen Apparat zur Vermittlung von Zärtlichkeit, Nähe und Wärme. Gleichzeitig gemahnt eine entsprechende Harmonik leicht an etwas Unschuldiges oder sagen wir ruhig: Naives.
Ebensolches intendiert Teddy, weil tatsächlich ein Teddybär gemeint ist. Das Stück beginnt piano, aber doch in der Höhe volltönend. Melodik findet nicht statt, vielmehr gefüllte und füllende Akkordik eigenwilliger Art, ein wenig impressionistisch anmutend mit ihren durch Nonen, Sexten und Sekunden angereicherten, sich verschiebenden Dur- und Moll-Schichtungen. So ruhig und besinnlich das Werk beginnt, so sehr agieren und agitieren die Akkorde zunehmend. Sie kulminieren und fortan wird die Sache auch virtuos, weil vollste Akkorde in Sechzehnteln hin und her wandern in beiden Händen. Die Situation spitzt sich zu, weil alles in eine beidhändige Zweiunddreißigstel-Bewegung übergeht, die Akkorde arpeggiert werden. Es entsteht ein eindringlicher Schwebezustand, der sich mehr und mehr beruhigt und in ein aufplusterndes Schichten – ähnlich zum Anfang, nur voller Tiefe – zurückkehrt.
Das gesamte Werk würde man trotz zunehmender Bewegung im Zentrum letztlich als langsamen Satz werten und erfühlen. Die Wiedergabe erfordert einen professionellen Könner. Teddy ist kein Kinderstück, kein Spielzeug, dafür ist dieser Teddy zu groß und zu schwer. Es kann, so viel darf eingewandt werden, mit den herausragenden und ikonischen finnischen Werken wie etwa Jeux d’anches von Magnus Lindberg nicht ganz mithalten. Es ist aber dennoch als Bereicherung des Repertoires anzusehen.
Nur eine Kleinigkeit: Als irreführend ist das auf der Titelseite abgebildete Piano-Standardbass-Akkordeon zu kritisieren. Darauf könnte man Teddy keinesfalls spielen. Ein großes Knopfgriffinstrument ist zwingend nötig, anders wären die breiten Akkorde in der rechten Hand, die hin und wieder über eine Undezime reichen, nicht greifbar. Zusätzlich benötigt man das moderne Einzeltonmanual in der linken Hand.
Gerhard Scherer


