Pfeiffer, Elisabeth
Klein war gestern
Die Ukulele und ihre ungeahnten Möglichkeiten
Warum fasziniert die Ukulele Menschen jeden Alters? Und was gibt es abseits des Comedy-Bereichs rund um die Ukulele zu entdecken?
Die Ukulele ist seit Jahrzehnten als Spielzeug Teil vieler Kinderzimmer, fristet dort jedoch oft ein Schicksal abseits ihrer eigentlichen musikalischen Bestimmung. Mittlerweile hat sie jedoch ihr Profil von der Ulknudel zum vielfältigen musikalischen Instrument erweitert und tritt in jüngster Zeit vermehrt in verschiedenen künstlerischen Kontexten, unterschiedlichen Formationen und Stilrichtungen in Erscheinung.
Geschichte der Ukulele
Die kurze, aber bewegte Geschichte der Ukulele ist ebenso vielfältig wie ihr heutiges Profil. Aus den portugiesischen Vorgängerinstrumenten Machete de Braga und Rajão1 Mitte der 1880er Jahre auf Hawaii entstanden,2 avanciert das kleine viersaitige Instrument bald zum Liebling am Hawaiianischen Hof. Königin Liliuokalani3 fördert das Instrument als subtiles politisches Kommunikationsmittel während der amerikanischen Besatzung Hawaiis im ausgehenden 19. Jahrhundert.4 Auf das amerikanische Festland gelangt die Ukulele zunächst 1915 über die Pan-Pacific-Ausstellung in San Francisco und bricht von dort aus in Richtung Entertainment auf.
Roy Smeck gilt bis heute als stilbildender Vertreter des amerikanischen Vaudevilles.5 Er setzt die Ukulele neben anderen Saiteninstrumenten in seiner Rolle als „Wizard of the Strings“6 effektvoll in Szene. Ganz allgemein herrscht in den 1920er Jahre das Ukulelefieber nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland. Diese Zeit gilt heute als die erste von bisher drei Popularitätswellen. Schon damals erscheinen unzählige Booklets7 und Lehrwerke, die schnellen Erfolg für wenig Geld auf der Ukulele greifbar scheinen lassen. May Singhi Breen, „the Ukulele Lady“,8 arbeitet mit Verlagshäusern zusammen und setzt standardmäßig Griffbilder für Ukulele in den Klaviertranskriptionen populärer Swing-Lieder der Zeit durch.9 In Deutschland stuft das Naziregime indessen Swingmusik als „entartete Musik“10 ein und bringt damit den „Ukulele Craze“11 in den 1930er Jahren abrupt zum Erliegen.12 Weltweit flaut diese erste Popularitätswelle mit dem Angriff auf Pearl Harbour ab.
Erst Elvis Presley bringt mit der Ukulele verbundene Hawaii-Romantik wieder auf die Leinwand und entfacht damit eine zweite Popularitätswelle, die einige Jahre andauern wird. Doch mit dem Aufkommen von Rockmusik wird es ruhig um die Ukulele und das Image der sogenannten altbackenen Jungfer legt sich wie ein Dornröschenschlaf über sie. Die 1970er und 1980er Jahre überdauert sie als bereits erwähntes Kinderspielzeug und tritt auf internationalen Bühnen nur sehr vereinzelt in Erscheinung.13 So verankert der Amerikaner Tiny Tim die Ukulele mit seiner Version von Tiptoe through the tulips fest im Comedy-Bereich im englischsprachigen Ausland. Und obwohl die Ukulele auf Hawaii ihren Status als weitverbreitetes Volksinstrument behält, erlebt sie auch dort zunächst einen Niedergang, bevor die Revival-Bewegung der 1990er Jahre um die Kaau Crater Boys und Israel Kamakawiwo‘ole die Ukulele neu ins Bewusstsein einer breiten Bevölkerung katapultiert und damit die dritte Welle einleitet, die bis heute nicht abgeebbt ist.14
1 Die Machete ähnelt in Form und Größe der heutigen Sopranukulele. Die Rajão ist etwas größer, wird aber ähnlich der heutigen Ukulele gestimmt. Auf Sopran-, Konzert- und Tenorukulelen hat sich die C-Stimmung (a’, e’, c’, g’) etabliert. Bei kleinmensurigen Instrumenten wie der Sopranukulele oder der Banjolele (ein Hybrid aus einem kleinen Banjokorpus mit Ukulelenhals) findet sich zusätzlich die D-Stimmung (h’, fis’, d’, a’). Beliebt sind außerdem die Baritonukulele (d, g, h, e’) und der Ukulelebass (E, A, d, g).
2 King, John/Tranquada, Jim: „The Nunes and the Singular Case of Manuel: Invention of the Ukulele“, in: The Galpin Society Journal, 60. Jg., 2014, S. 85-95.
3 Sie komponierte das recht bekannte Lied Aloha Oe.
4 vgl. Tranquada, Jim/King, John: The Ukulele: A History, Honolulu 2012, S. 52.
5 Ukulele Hall of Fame Museum: „Roy Smeck“, https://www.ukulele.org/ ?Inductees:1997-1998:Roy_Smeck (Stand: 2.7.2026).
6 Friedman, Peter: „Roy Smeck: The Wizard of the Strings“, https://youtu.be/JoQa4RfIg3g (Stand: 2.7.2026).
7 Sogenannte Booklets lagen Ukulelen oft bei und rüsteten SpielerInnen mit Grundinformationen über Akkorde und eventuell einigen Liedern aus.
8 Ukulele Hall of Fame Museum: „May Singhi Breen“, https://www.ukulele.org/?Inductees:2000-2001:May_Singhi_Breen (Stand: 2.7.2026).
9 Coleman, Audrey: „Goddess of Uke: May Singhi Breen, the Ukulele Lady“, in: Ukulele Magazine, 2022, https://ukulelemagazine.com/stories/the-ukulele-lady (Stand: 2.7.2026).
10 vgl. Dümling, Albrecht (Hg.): Entartete Musik. Eine kommentierte Rekonstruktion der Düsseldorfer Ausstellung von 1938, Düsseldorf 1988.
11 vgl. Tranquada/King, S. 102.
12 Ueberall, Jörg: Swing Kids, Berlin 2015, S. 11.
13 Die Firma Brüko hat über all diese Jahre dennoch unermüdlich Ukulelen gefertigt; die Inhaber haben den Betrieb allerdings Anfang 2025 altersbedingt eingestellt.
14 Tranquada/King, S. 157.
Lesen Sie weiter in Ausgabe 4/2026.


