Schulenburg, Julia

Rhythmik im Fokus:

Perspektivwechsel durch inklusionsorientierte Praxiserfahrung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: zeitpunkt musik/Reichert, Wiesbaden 2025
erschienen in: üben & musizieren 4/2026 , Seite 61

Julia Schulenburg widmet sich in ihrer empirischen Studie der komplexen Fragestellung, inwieweit Entwicklungspotenziale bei Studierenden festzustellen sind, die an einem inklusiven Seminarangebot im Bereich der Musik- und Bewegungspädagogik/Rhythmik teilgenommen haben. Das Seminar „Theater mit Musik“ verortet sich im Spannungsfeld zwischen Kunst, Pädagogik und Inklusion und wird von der Forscherin aus der Sicht der Studierenden untersucht.
Schulenburg ist der Meinung, dass es einer „dringenden Klärung der Lernprozesse in einem Seminar mit inklusiver Ausrichtung aus Studierendenperspektive“ bedarf und möchte mit ihrer Forschung dazu beitragen, dass inklusive Seminare an Musikhochschulen selbstverständlicher verankert werden.
Die Lektüre der ersten sechs Kapitel mit der ausführlichen Bearbeitung von Begriffen (Inklusion, Entwicklungspotenzial, Behindertenbegriff, Rhythmik), den Überlegungen zum Einfluss eines Gegenübers auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit sowie die Darstellung des Forschungsstandes ist unbedingt für Studierende und Lehrende aus den Studien- und Praxisfeldern der Rhythmik, der Elementaren Musik-/Tanzpädagogik und der Musikpädagogik zu empfehlen. Schulenburg verzettelt sich nicht bei den Begriffsbestimmungen, sondern bezieht sich u. a. auf neueste Arbeiten von Alexander J. Cvetko (2020), der eine Rückbesinnung auf das Alltagsverständnis von Begrifflichkeiten fordert.
Im 7. Kapitel erfolgt eine ausführliche Darstellung des Designs der Studie. Dieses basiert auf leitfadengestützten qualitativen Interviews von sechs Studentinnen, den Verlaufsprotokollierungen der Reflexionsgespräche nach den Seminareinheiten sowie der Videografie der Seminarsitzungen. Daraus ergibt sich ein breit angelegtes Datenmaterial, das einerseits aus der Innensicht der beteiligten Studentinnen, der unmittelbar auf das Unterrichtserlebnis folgenden Reflexion sowie der Außensicht durch die Videografie besteht („between-method Triangulation“). Ein solches Vorgehen bietet sich vor allem bei komplexen Forschungsfragestellungen an, ermöglicht einerseits einen umfassenden Blick auf den Forschungsgegenstand und steigert andererseits die Validität (Gültigkeit), Reliabilität (Zuverlässigkeit) und Objektivität des Projekts.
Kapitel 8, 9 und 10 beschäftigen sich umfassend mit den Auswertungsprozessen, die ohne wissenschaftliche Ausbildung nur schwer in ihrer Gänze nachvollziehbar sind. Empfehlenswert ist es daher, im 11. Kapitel die Zusammenfassung der Studie zu lesen, mit der Schulenburg Perspektiven für die Musikpädagogik öffnet, die dazu beitragen können, dass dem gemeinsamen Erleben und Lernen in inklusiv angebotenen Lehrveranstaltungen im Spannungsfeld von Kunst und Pädagogik mehr Raum gegeben werden.
Manuela Widmer

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