EMP-Mobil mit Janika Löttgen / © HfM Mainz

Wolff, Jan-Geert

Unterwegs zu den ­Menschen

Das EMP-Mobil der Hochschule für Musik Mainz transportiert das Equipment für gemeinsame Klangerlebnisse

Rubrik: Bericht
erschienen in: üben & musizieren 5/2026 , Seite 52

Mit lautem Geklingel kündigt sich das grüne Lastenfahrrad mit der Aufschrift „EMP-Mobil“ an und macht klar: Es kommt Bewegung in die Musikvermittlung. Im Inneren des Kastens befinden sich Cajons, E-Ukulelen, Djemben, Fußtamburine, kleine Perkussionsinstrumente, Verstärker, Sitzkissen und weiteres didaktisches Material. Und sobald Janika Löttgen und Ulrike Tiedemann von der Hochschule für Musik Mainz zusammen mit ihren Studierenden den Kasten öffnen, leuchten die Augen von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen. Beherzt wird zugegriffen und Musik gemacht.

Der Studiengang Elementare Musikpädagogik der Hochschule für Musik Mainz arbeitet vor allem praxisorientiert, wofür man stets auf der Suche nach neuen Ideen der Musikvermittlung ist. Schließlich lautet das klassische Prinzip der EMP, dass Musik nicht primär als Lerngegenstand vermittelt wird, sondern als etwas, das Menschen unmittelbar tun, erfahren und gestalten können. Das aktuelle Projekt geht direkt zu den Menschen – oder besser: Es fährt. Ermöglicht wurde es durch das Engagement von Elke Waldeck und der Elke und Franz Waldeck-Stiftung.
Sind Eltern-Kind-Gruppen sowie musikalische Bildung im Kita- und Grundschulalter traditionelle Einsatzfelder der EMP, ist das Berufsfeld jedoch deutlich breiter geworden: EMP-Absolvierende wirken unter anderem in Seniorenheimen, Jugendeinrichtungen, Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie im offenen Ganztag an Grundschulen. „Musik wird dabei als Mittel zur Teilhabe und gesellschaftlichen Integration verstanden“, betont Tiedemann.
Diese Teilhabe zu ermöglichen, ist Ziel des EMP-Mobils. Es will Musikpädagogik nicht vereinfachen, sondern Zugangsschwellen zur musikalischen Praxis abbauen. Deshalb fährt das EMP-Mobil bewusst nicht zu einer bereits definierten Lerngruppe wie Schulklassen oder einem Musikschulkurs, sondern sucht Orte auf, an denen verschiedene Menschen zusammenkommen. Das können der Campus oder der Botanische Garten sein, ein Kinderhaus oder Einrichtungen der sozialen Arbeit.
„Es geht ausdrücklich nicht um klassischen Musikunterricht“, heißt es seitens der Hochschule. Die Angebote sind voraussetzungsoffen: Man muss weder ein Instrument beherrschen noch Noten lesen können, etwas vorbereitet haben oder bestimmte Lieder kennen. Stattdessen geht es um gemeinsames und vor allem spontanes Musizieren in Gruppen. Das Motto auf dem Mobil lautet entsprechend: „Sei dabei!“
Überall, wo man bislang einen Stopp einlegte, wurde also zusammen musiziert, unabhängig davon, ob man aktiv mitmachen oder die Klänge einfach nur wahrnehmen wollte. Die Verantwortlichen berichten dabei von großem Interesse und einer Offenheit der angesprochenen Menschen. Im gemeinsamen Spiel werden musikalische Phänomene wie Rhythmus, Klang, Dynamik und Improvisation unmittelbar erfahrbar.
Das EMP-Mobil ist im Lehrveranstaltungsverzeichnis der Hochschule für Musik Mainz als eigene Unterrichtspraxis ausgewiesen. Damit wird das Projekt zugleich zu einem besonderen Lernfeld für die Studierenden: Sie müssen mit zufällig zusammengesetzten Gruppen umgehen, auf Menschen ohne musikalische Vorerfahrung reagieren und musikalische Situationen gestalten, deren Verlauf nicht vollständig planbar ist. Wie viel Vorbereitung braucht eine spontane Aktion? Und wie verändert sich dabei die Rolle der Musikpädagoginnen und -pädagogen?
„Ziel ist es, musikalische Angebote niedrigschwellig und ohne Anmeldung oder Zugangshürden zu ermöglichen. Statt darauf zu warten, dass Menschen in die Musikschule kommen, fährt das EMP-Mobil zu ihnen“, berichtet Tiedemann von ersten Einsätzen auf dem Mainzer Goetheplatz vor dem Kinderhaus „Blauer Elefant“, wo Kinder und spontan dazukommende Familien gemeinsam musizierten, sowie in der Einrichtung „PerLe“ für Menschen mit Beeinträchtigungen: „Genau das macht EMP aus: Musik entsteht dort, wo Menschen gemeinsam aktiv werden. Und jeder kann unabhängig von seinen Voraussetzungen eine eigene musikalische Sprache finden.“

Lesen Sie weitere Beiträge in Ausgabe 5/2026.

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