Dehnhard, Tilmann

16 Minia­tures

for Flute & Piano/for Soprano Recorder & Piano, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2019
erschienen in: üben & musizieren 2/2020 , Seite 62

Ein­fach und schön, kurz und gut“: Til­man Dehn­hard stellt gleich im Vor­wort klar, was den Inhalt sei­nes neu­en Ban­des aus sei­ner Sicht aus­macht. Das ist natür­lich eine Ansa­ge. Zuge­ge­be­ner­ma­ßen die ziem­lich genaue Cha­rak­te­ri­sie­rung des­sen, was musi­ka­lisch dann auch folgt…
Dehn­hard weiß als abso­lu­ter Jazz-Pro­fi um die Mecha­nis­men maxi­ma­ler Wir­kung mit mini­ma­lem bzw. über­schau­ba­rem kom­po­si­to­ri­schen Auf­wand – so las­sen sich die 16 Minia­tu­ren tat­säch­lich auch schon rela­tiv früh in den Ensem­ble­un­ter­richt ein­bau­en. Idea­ler­wei­se fin­den sich hier zwei gleich­ge­sinn­te See­len an Kla­vier und Flöte/Blockflöte, die dann auch in ande­ren musi­ka­li­schen Gen­res als Duo zusam­men­blei­ben, aber das weiß die erfah­re­ne Päd­ago­gin zumeist sehr gut ein­zu­schät­zen.
In der Begren­zung also zeigt sich der Meis­ter? In der Tat sind die 16 Minia­tu­ren in jedem Aspekt in sich geschlos­sen, spiel­tech­nisch in etwa niveau­gleich, für die leicht bis mit­tel fort­ge­schrit­te­ne Schü­le­rin auf jeden Fall bereits gut zu bewäl­ti­gen. Hilf­reich sind hier für das Erar­bei­ten zu Hau­se die bei­gefüg­ten CDs, die die jazz­ty­pi­sche Sicht Dehn­hards spie­geln und nach sei­ner Emp­feh­lung genau zum Üben ein­ge­setzt wer­den soll­ten. Sie ent­hal­ten jeweils zwei Ver­sio­nen der Kom­po­si­tio­nen: Zunächst soll man zum kom­plett ein­ge­spiel­ten Stück, dann zur Kla­vier­be­glei­tung üben. So ent­steht Gewähr, dass die Stü­cke genau der Inten­ti­on des Kom­po­nis­ten gemäß musi­ziert wer­den. Die Flö­ten­leh­re­rin spart sich das mit­un­ter fin­ke­li­ge Zäh­len der jazz­ty­pi­schen Rhyth­mik. Aller­dings darf man ja auch ohne CD üben und sich ein eige­nes Klang­bild auf der Basis des Noten­ma­te­ri­als erschaf­fen. Natür­lich wäre ein deut­li­che­res ­Akzen­tu­ie­ren, eine ande­re Ton­ge­bung in bei­den Flö­ten­ty­pen denk­bar.
Alle Kom­po­si­tio­nen eig­nen sich gut als wir­kungs­vol­le, über­wie­gend ent­spann­te Vor­trags­stü­cke, die durch die ober­halb der Flö­ten­stim­me gesetz­ten Gitar­ren­grif­fe (inter­na­tio­na­le Bezeich­nun­gen) auch in ent­spre­chend ande­rer Beset­zung bzw. im pia­nis­tisch frei inter­pre­tier­ten Part sicher sehr hörens­wert wären. Frei­raum zum Impro­vi­sie­ren ist in den aus­kom­po­nier­ten Klang­bil­dern aller­dings nicht vor­ge­se­hen, aber als ers­ter Kon­takt zu einem eige­nen musi­ka­li­schen Gen­re wür­de dies auch über­for­dern. Über­haupt legt Dehn­hard in sei­nen Kom­po­si­tio­nen den Schwer­punkt auf Rhyth­mus und Timing (sie­he Vor­wort): Auch hier zeigt sich wie­der in der Reduk­ti­on das maxi­mal mög­li­che Wirk­spek­trum, von des­sen nur schein­ba­rer Bana­li­tät man immer wie­der fas­zi­niert und über­rascht sein wird.
Chris­ti­na Humen­ber­ger