Arens, Barbara

21 Ama­zin­gly Easy Pieces

für Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2014
erschienen in: üben & musizieren 4/2015 , Seite 54

Was bie­tet man Anfän­ge­rIn­nen, wenn man leich­te Spiel­bar­keit, Kunst­an­spruch und mög­lichst auch einen gewis­sen zeit­ge­mäß-popu­lä­ren Ton­fall wünscht? Bar­ba­ra Arens fasst das unter dem etwas schwam­mi­gen Begriff „aus­drucks­vol­le Musik“ zusam­men und hat mit ihren „21 über­ra­schend leich­ten Stü­cken“ das geschaf­fen, was unse­ren oben genann­ten Wün­schen entgegenkommt.
Ihre im Vor­wort for­mu­lier­te Maxi­me: „Es soll­te alles getan wer­den, um dem Anfän­ger den Ein­stieg ins Kla­vier­spiel zu erleich­tern“, zeigt sich in der Pra­xis die­ses Ban­des dar­in, dass die Schü­lerInnen unge­niert nach Zah­len spie­len dür­fen. Wer kennt nicht die heu­te ver­brei­te­te „Noten­le­se­schwä­che“ und sei­ne eige­nen Skru­pel, frei­gie­big mit Fin­ger­sät­zen zu sein. Dies­be­züg­li­che Groß­zügigkeit – für jede ein­zel­ne Note wird hier der „rich­ti­ge“ Fin­ger genannt – schaf­fe jedoch, so Arens, die Mög­lich­keit, sich auf die Musik zu kon­zen­trie­ren, schaf­fe Erfolgs­er­leb­nis­se, die zum Wei­ter­ma­chen moti­vie­ren, und so bes­te Vor­aus­set­zun­gen, um schritt­wei­se vom Zif­fern- aufs Noten­le­sen überzugehen.
Die 21 Minia­tu­ren, die die Län­ge von einer Sei­te sel­ten über­schrei­ten, bewe­gen sich in einem modi­fi­zier­ten Fünf­ton­raum, der durch Lagen­wech­sel ohne Dau­men­un­ter­satz erwei­tert ist. Hat also der Dau­men sei­nen rich­ti­gen Ton nach dem Lagen­wech­sel gefun­den, hel­fen die Zif­fern wei­ter. Trotz die­ser schein­ba­ren Sim­pli­zi­tät über­zeu­gen die Stü­cke, die sti­lis­tisch ein­falls­reich etwa zwi­schen Bach und Kaba­lew­ski ange­sie­delt sind, durch ihren melo­di­schen Reich­tum. Der Blick auf die Zif­fern reicht aller­dings bei den wenigs­ten Stü­cken aus. Bar­ba­ra Arens’ „Easy Pie­ces“ ver­lan­gen näm­lich beträcht­li­che rhyth­mi­sche Fähig­kei­ten, die Noten müs­sen also als Rhyth­mus­bild gele­sen wer­den kön­nen. Zäh­len wäre ange­sagt. Oder der Leh­rer hilft mit Vor­spie­len der syn­ko­pi­schen Rhyth­men, der poly­me­tri­schen Par­tien, der Akzent­ver­schie­bun­gen. Zum hören­den Ler­nen gibt der Ver­lag auch die Mög­lich­keit des kos­ten­lo­sen Down­loads der Stücke.
Vier­zehn Stü­cke sind mit „Pre­lude“ über­schrie­ben, besit­zen den Ton impro­vi­sie­ren­den Prä­lu­die­rens. Dazwi­schen gibt es schön cha­rak­te­ri­sier­te Tanz­sät­ze zwi­schen Blues und Sara­ban­de. Ins­ge­samt sind die Stü­cke von einem Ton, der das ver­tritt, was in Eng­land „light music“ meint: lich­te Musik, unbe­schwer­te Musik, geist­reich, spie­le­risch. Pedal­ge­brauch für „aus­drucks­vol­les“ Spiel wird gefor­dert, es gibt dezi­dier­te Pedal­an­ga­ben oder das freie­re „con ped.“
Ob alle jun­gen oder erwach­se­nen Anfän­ge­rIn­nen die Stü­cke die­ser Samm­lung schon nach einem Jahr spie­len kön­nen, wie die Autorin es von ihren Schü­lern berich­tet, wird jede Lehr­kraft, die die­sen loh­nen­den Band anschaf­fen lässt, selbst in Erfah­rung bringen.
Gün­ter Matysiak