Duarte, John W.

A cele­bra­ti­on of his music for gui­tar

selected by Paul Coles

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Universal Edition, Wien 2019
erschienen in: üben & musizieren 3/2020 , Seite 61

100 Jah­re wäre John W. Duar­te 2019 gewor­den, eine der gro­ßen Per­sön­lich­kei­ten der klas­si­schen Gitar­re, deren Ent­wick­lung er präg­te und kom­men­tier­te. Schon wäh­rend sei­ner Berufs­jah­re als Che­mi­ker ver­öf­fent­lich­te Duar­te in Gitar­ren­zeit­schrif­ten, bis er sich im Alter von 40 Jah­ren end­gül­tig für die Musik ent­schied. In den nächs­ten gut drei Jahr­zehn­ten bis zu sei­nem Tod 2004 kom­po­nier­te und arran­gier­te er uner­müd­lich für sein Instru­ment, schrieb Tech­nik­bän­de, war als Juror auf Wett­be­wer­ben in der gan­zen Welt tätig, lei­te­te Gitar­ren­fes­ti­vals, unter­rich­te­te, ver­öf­fent­lich­te Rezen­sio­nen für Musik­zeit­schrif­ten. Nie­mand dürf­te so vie­le Ein­füh­rungs­tex­te für Gitar­ren-LPs und ‑CDs geschrie­ben haben wie er. Ein Tau­send­sas­sa der Gitar­re, der sei­nen Hori­zont stets erwei­ter­te und auch zu The­men außer­halb der sechs Sai­ten ver­öf­fent­lich­te.
Vie­le sei­ner Kom­po­si­tio­nen für Gitar­re, deren Opus­zahl die 100 über­schrei­tet, sind tonal mit folk­lo­ris­ti­schen Ein­flüs­sen oder ver­ar­bei­ten Jazz­har­mo­nien, sei­ne Bear­bei­tun­gen haben für die dama­li­ge Zeit mehr­fach Neu­land erschlos­sen. Sei­ne Noten­aus­ga­ben erschie­nen bei einem Dut­zend ver­schie­de­ner Ver­la­ge.
20 kur­ze Stü­cke, die in den 70er und 80er Jah­ren bei Uni­ver­sal Edi­ti­on erschie­nen waren, wur­den jetzt als Nach­druck in einem Sam­mel­band anläss­lich des Jubi­lä­ums ver­öf­fent­licht und spie­geln Duar­tes viel­fäl­ti­ge edi­to­ri­sche Akti­vi­tä­ten wider. Es han­delt sich zumeist um Bear­bei­tun­gen heu­te bekann­ter Wer­ke von John Dow­land, Gas­par Sanz, Dome­ni­co Scar­lat­ti oder Sil­vi­us Leo­pold Weiss. Duar­tes ein­fluss­rei­che Tran­skrip­tio­nen von Bachs Cel­lo­sui­ten sowie sei­ne bekann­tes­ten Kom­po­si­tio­nen wie Eng­lish Suite op. 31 oder Varia­ti­ons on a Cata­lan Folk Song op. 25 erschie­nen bei ande­ren Ver­la­gen und sind daher nicht in die­sem Sam­mel­band ent­hal­ten. Dafür wur­den Eigen­kom­po­si­tio­nen wie Spring­d­ance, Broad­way und Waltz II auf­ge­nom­men, ergänzt durch eini­ge von Duar­te für die Gitar­re ein­ge­rich­te­te Wer­ke sei­ner Zeit­ge­nos­sen Rodri­go Rie­ra, Regi­nald Smith Brind­le und Máxi­mo Die­go Pujol.
Die Pro­por­tio­nen inner­halb der Samm­lung zuguns­ten von Be­arbeitungen heu­te hin­läng­lich bekann­ter Wer­ke anstel­le von Kom­po­si­tio­nen von Duar­te oder unbe­kann­te­ren Tran­skrip­tio­nen schrän­ken die Anwen­dung die­ser Aus­ga­be deut­lich ein.
Irri­ta­tio­nen ent­ste­hen durch mehr­fach feh­len­de Hin­wei­se auf die fis-Stim­mung für Renais­sance­mu­sik. Bei den zuge­füg­ten Lebens­da­ten von Antho­ny Hol­bor­ne wird die­ser vom 16. ins 19. Jahr­hun­dert ver­setzt. Lücken­lose Fin­ger­sät­ze für Pas­sa­gen in der I. und II. Lage inner­halb einer Samm­lung, die die gesam­te Mit­tel­stu­fe umfasst, waren schon damals unnö­tig. Das vom Her­aus­ge­ber Paul Coles geschrie­be­ne Vor­wort ist dafür, dass der Titel der Samm­lung A celebra­tion of his music for gui­tar ver­spricht, viel zu kurz gera­ten und ver­passt die Chan­ce, vor allem der jün­ge­ren Genera­ti­on Duar­tes Bedeu­tung für die Gitar­re zu ver­mit­teln.
Jörg Jewan­ski