Eiring, Ulrike

Akti­vie­ren und Erin­nern

Hochbetagte und demenzkranke Menschen begleiten. Sprichwörter, Lieder und Musik für alle Wochen-, Fest- und Feiertage, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2019
erschienen in: üben & musizieren 2/2020 , Seite 58

Heut­zu­ta­ge errei­chen vie­le Men­schen in Deutsch­land ein hohes Alter. Um die Lebens­qua­li­tät lan­ge hoch zu hal­ten, ist kör­per­li­che und geis­ti­ge Akti­vie­rung von gro­ßer Bedeu­tung. Dabei kann beson­ders das Wecken von Erin­ne­run­gen ein guter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg sein. Die Fest-, Fei­er- und Gedenk­ta­ge im Jah­res­kreis, die regel­mä­ßig wie­der­keh­rend erlebt wur­den, sind oft tief im Gedächt­nis ver­an­kert und bie­ten des­halb einen geeig­ne­ten Anlass, um mit hoch­be­tag­ten Men­schen ins Gespräch zu kom­men, sie zum Nach­den­ken bzw. Erin­nern anzu­re­gen und gemein­sam zu sin­gen.
Vor die­sem Hin­ter­grund bie­tet die neue Publi­ka­ti­on von Ulri­ke Eiring zahl­rei­che Ide­en für Gesprä­che und Aktio­nen mit Senio­ren zu 20 Fest­ta­gen, denen jeweils ein Kapi­tel gewid­met ist. Alle Infor­ma­tio­nen und Ide­en rund um einen Fest­tag zie­len dar­auf ab, das Erin­nern anzu­re­gen, mit den Senio­ren ins Gespräch zu kom­men oder sie aus ihrem Leben erzäh­len zu las­sen. Um das The­ma unab­hän­gig von reli­giö­sen Anschau­un­gen auf­zu­be­rei­ten, geht die Autorin bezüg­lich der oft christ­lich-kirch­lich gepräg­ten Fest­ta­ge bewusst auch auf das damit ver­bun­de­ne welt­li­che Brauch­tum ein.
Die Struk­tur der Kapi­tel bleibt stets gleich, sodass die Ori­en­tie­rung im Buch leicht­fällt. Zu den inner­halb eines Kapi­tels gesam­mel­ten Anre­gun­gen zählt bei­spiels­wei­se eine Auf­lis­tung von All­tags­ge­gen­stän­den, die durch Anschau­en, Anfas­sen und Rie­chen einen ers­ten Zugang zum The­ma schaf­fen. Auch die notier­ten bio­gra­fi­schen Fra­gen rund um den Fest­tag kön­nen Erin­ne­run­gen wecken und so zu Gesprä­chen füh­ren. Viel­fäl­tig sind die zu jedem The­ma gesam­mel­ten Sprich­wör­ter und Rede­wen­dun­gen. Da solch fest­ste­hen­de Aus­drü­cke bei Demenz­er­krank­ten oft noch abruf­bar sind, kön­nen sie gut in Ange­bo­te und Gesprä­che auf­ge­nom­men wer­den. Auf der letz­ten Sei­te jedes Kapi­tels fin­det sich eine Lis­te von Musik­ti­teln zum The­ma, geord­net in die Grup­pen Kin­der­lie­der, Volks­lie­der, Schlager/Pop, Kir­chen­lie­der und Klas­sik.
Aus musik­be­zo­ge­ner Sicht ist zu ergän­zen, dass sich in man­chen Kapi­teln zusätz­li­che Vor­schlä­ge fin­den wie der Text eines the­ma­tisch pas­sen­den Volks­lie­des bzw. Ide­en für einen Sitz­tanz, der die Freu­de an Bewe­gung – zusätz­lich moti­viert durch die Musik – leben­dig hal­ten kann. Die bei­lie­gen­de CD ent­hält Ein­spie­lun­gen der genann­ten Volks­lie­der sowie „klas­si­sche“ Musik­stü­cke für Sitz­tän­ze und zum Hören.
Die Publi­ka­ti­on wen­det sich an alle, die hoch­be­tag­te und demen­zi­ell erkrank­te Men­schen akti­vie­ren und zum Erin­nern anre­gen möch­ten – sei es im beruf­li­chen, ehren­amt­li­chen oder fami­liä­ren Kon­text. Die klar struk­tu­rier­te Anla­ge der Publi­ka­ti­on bie­tet einen schnel­len Über­blick und ermög­licht, gezielt auf bestimm­te Inhal­te zuzu­grei­fen. So stellt das Buch eine hilf­rei­che Mate­ri­al­samm­lung für die Pra­xis dar.
Sil­via Mül­ler