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Ostendorf, Michael

Aloha im Klassenzimmer

Die Ukulele in der Grundschulpraxis: Chancen, Hürden und Ideen für den Gruppenunterricht

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren 4/2026 , Seite 22

Vom exotischen Trendinstrument hat sich die Ukulele längst zum festen Bestand­teil der schulischen Musik­praxis entwickelt. Doch wie gelingt das gemeinsame Musizieren mit Kindern im Grundschulalter? Dieser Beitrag beleuchtet das päda­gogische Potenzial der Ukulele und liefert praxiserprobte Strategien aus dem JeKits-Unterricht – von der Anschaffung bis zur Notenlehre und Liedbegleitung.

Wenn es um ein passendes Instrument für Grundschulkinder geht, hat die Ukulele gegenüber der Gitarre einige Vorteile. Zwar gibt es auch Kindergitarren, aber selbst diese verlangen den sieben- bis achtjährigen AnfängerInnen einiges ab. Die kleine Sop­ran- oder Konzertukulele hingegen passt mit ihrer Größe perfekt in den Schoß der Kinder. Der schmale Hals sorgt dafür, dass auch kurze Finger alle Saiten gut erreichen können, ohne sich überstrecken zu müssen. Aber nicht nur für die Hände, auch für den Kopf ist die Ukulele ein echter Segen. Der Sprung von sechs auf vier Saiten klingt vielleicht nach einer kleinen Änderung, bedeutet für die Kinder aber eine riesige Erleichterung beim Spielen. Wer auf der Gitarre einen Akkord greifen will, muss oft mehrere Finger sortieren und gleichzeitig aufpassen, dass die rechte Hand beim Schlagen nicht aus Versehen die falschen Saiten trifft. Auf der Ukulele ist das viel unkomplizierter: Für den C-Dur-Akkord braucht es genau einen einzigen Finger. Auch a-Moll oder C7 sind wunderbare Ein-Finger-Akkorde. Und selbst für Griffe wie F-Dur oder G-Dur genügen zwei bis drei Finger, die auf engem Raum schnell ihren Platz finden und bei denen alle Saiten angeschlagen werden.

Das Rundum-sorglos-Paket

Sobald die Entscheidung für die Ukulele gefallen ist, stellt sich die Frage nach der richtigen Instrumentengröße. Für Grundschulkinder bewähren sich wie eingangs erwähnt Sopran- und Konzertukulelen. Die Sopran­ukulele ist der absolute Klassiker: klein, handlich und günstig in der Anschaffung. Sie bildet gleichzeitig die Urform der Ukulele. Für die Lehrkraft bietet sich hingegen eher eine Konzert- oder sogar Tenorukulele an. Das größere Griffbrett erleichtert das Spielen komplexerer Akkorde, und der voluminösere Klang hilft dabei, sich von einer große Kindergruppe klanglich prägnant abzuheben. Bariton- oder Bassukulelen haben aufgrund ihrer abweichenden Stimmung im regulären Anfangsunterricht kaum einen Platz, bieten sich aber als klangliche Ergänzung für ein fortgeschrittenes Ensemble an. Unabhängig von der Größe gilt beim Kauf für alle Modelle der eiserne Grundsatz: Wer billig kauft, stimmt doppelt. Nichts bremst den Lernfortschritt so effektiv wie eine mangelnde Bundreinheit oder Mechaniken, die bereits nach wenigen Anschlägen nachgeben.
Neben einem qualitativ angemessenen Ins­trument ist das richtige Zubehör für das Lehren und Lernen entscheidend. Um die Ukulelen sicher in der Schule und Zuhause zu lagern und zu transportieren, ist eine gut gepolsterte Tasche Pflicht. Dazu gehören elektronische Clip-Tuner für die Kopfplatte und geeignete Plektren. Meist liegen den Instrumenten bereits Standard-Plektren aus Kunststoff bei, mit denen die Kinder gut starten können. Wer den Nylonsaiten jedoch einen etwas weicheren, wärmeren Klang entlocken möchte, kann als Option auf Modelle aus dickem Filz zurückgreifen.
Ein im Anfangsunterricht völlig unterschätzter Punkt ist der Tragegurt. Aufgrund ihrer geringen Größe neigt die Ukulele dazu, im Schoß der Kinder förmlich zu verschwinden, wenn diese sitzen. Es ist motorisch für Kinder schwer, den runden Korpus mit dem rechten Arm festzuklemmen und gleichzeitig entspannt zu spielen. Ein Gurt löst dieses Haltungsproblem: Er unterstützt eine natürliche Haltung, bei der der Kopf des Instruments leicht nach oben zeigt. Übrigens ergibt ein Gurt auch für die Lehrkraft Sinn, um im trubeligen Unterrichtsalltag jederzeit beide Hände für Hilfestellungen frei zu haben. Wichtig hierbei: Vor der Anschaffung muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Ukulele über einen Gurtpin am unteren Korpusende verfügt. Von Gurten, die lediglich mit einem Haken ins Schallloch eingehängt und unten um den Korpus herumgeführt werden, ist dringend abzuraten. Sie bieten der Ukulele keinen richtigen Halt, sodass die Kinder das Instrument weiterhin mühsam mit dem Arm ausbalancieren müssen. Im besten Fall ist für einen Standardgurt ein zweiter Pin am Über­gang vom Hals zum Korpus angebracht. Fehlt dieser, kann der Gurt zwar behelfsmäßig mit einer Schnur an der Kopfplatte festgeknotet werden, doch gerade bei lebhaften Kindern im Gruppenunterricht ist das riskant, da der Gurt schnell wieder abrutschen kann.
Da die Einzelanschaffung all dieser Dinge für einen Klassensatz schnell teuer und unübersichtlich wird, ist es sinnvoll, direkt in Gesamtpakete zu investieren. Viele Musikfachhändler bieten mittlerweile fertige Sets an, in denen eine qualitativ geeignete Ukulele, eine robuste, gepolsterte Tasche, ein passender Gurt, ein Stimmgerät und Plektren vorhanden sind.1

1 Für den Unterrichtsalltag bieten sich beispielsweise die Komplett-Sets der Marke Cascha (z. B. das „Cascha Premium Sopran/Tenor-Ukulele Set“ inkl. Tasche und Stimmgerät) an, mit denen ich sehr gute Erfahrungen gemacht habe.

Lesen Sie weiter in Ausgabe 4/2026.

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