Menke, Markus

Bares Geld

Gesellschaft zur Verwertung ­von Leistungsschutzrechten – klingt trocken, macht KünstlerInnen aber ganz schön „flüssig“

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 2/2016 , musikschule )) DIREKT, Seite 04

Die Vielfalt in unserem Beruf gehört zu den tollen Seiten im Musiker-Leben! ­Unterrichten, konzertieren, komponieren, produzieren, aufführen, einspielen, solistisch, in der Band, im Ensemble oder Orchester. Ein umfassendes Leistungsprofil, das per Urheberrechtsgesetz seit 1965 geschützt ist.

Das Gesetzt defi­niert, wer aus­üben­der Künst­ler ist: „Aus­üben­der Künst­ler im Sin­ne die­ses Geset­zes ist, wer ein Werk oder eine Aus­drucks­form der Volks­kunst auf­führt, singt, spielt oder auf ande­re Wei­se dar­bie­tet oder an einer sol­chen Dar­bie­tung künst­le­risch mit­wirkt.“ (UrhG § 73) Und wei­ter: „(1) Der aus­üben­de Künst­ler hat das aus­schließ­li­che Recht, sei­ne Dar­bie­tung auf Bild- oder Ton­trä­ger auf­zu­neh­men. (2) Der aus­üben­de Künst­ler hat das aus­schließ­li­che Recht, den Bild- oder Ton­trä­ger, auf den sei­ne Dar­bie­tung auf­ge­nom­men wor­den ist, zu ver­viel­fäl­ti­gen und zu ver­brei­ten.“ (UrhG § 77)

Ver­gü­tung für Nutzungsrechte

Das Recht an der Nut­zung unse­rer Leis­tun­gen als aus­üben­de Künst­le­rin­nen und Künst­ler wird aus­schließ­lich uns zuge­spro­chen (vgl. §§ 73 und 77 UrhG). Natür­lich drängt sich die Fra­ge auf: Was bringt uns die­ses Recht? Die Ant­wort gibt § 27 UrhG: „Hat der Urhe­ber das Ver­miet­recht an einem Bild- oder Ton­trä­ger dem Ton­trä­ger- oder Film­her­stel­ler ein­ge­räumt, so hat der Ver­mie­ter gleich­wohl dem Urhe­ber eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Ver­mie­tung zu zah­len. Auf den Ver­gü­tungs­an­spruch kann nicht ver­zich­tet wer­den. Er kann im Vor­aus nur an eine Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft abge­tre­ten wer­den.“ Mit ande­ren Wor­ten: Auch wenn wir jeman­dem das Nut­zungs­recht für unse­re Dar­bie­tung ein­räu­men, müs­sen wir dafür eine Ver­gü­tung erhal­ten, dar­auf kann nicht ver­zich­tet wer­den! Die­se gesetz­li­che Rege­lung ist bares Geld wert!
Das Gesetz spricht auch von einer Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft, wohl vor­aus­ah­nend, dass es der ein­zel­nen Künst­le­rin schwer­fal­len wird, den Über­blick über die Ver­wer­tung ihrer Leis­tun­gen zu behal­ten und mit jedem Nut­zer indi­vi­du­ell einen Ver­wer­tungs­ver­trag abzuschließen.

Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft

Die GVL über­nimmt die not­wen­di­gen Leis­tungs­schutz­rech­te für Musi­ker, Sän­ger, Schau­spie­ler, Spre­cher, Regis­seu­re, Tän­zer, künst­le­ri­sche Pro­du­zen­ten, Ver­an­stal­ter oder Diri­gen­ten. Sie sorgt für die Abrech­nung mit den Leis­tungs­nut­zern. Dar­aus ergibt sich eine Ver­teil­sum­me, die jähr­lich aus­ge­schüt­tet wird. Die jeweils aktu­el­len Ver­tei­lungs­plä­ne sind auf www.gvl.de veröffentlicht.
Alles, was es dazu bedarf, ist der Abschluss eines Wahr­neh­mungs­ver­trags mit der GVL durch uns Künst­le­rin­nen und Künst­ler. Die­ser Ver­trag ist kos­ten­frei! Die GVL erhält kei­ne Betei­li­gung an unse­ren Leis­tun­gen wie bei­spiels­wei­se Agen­tu­ren. Die ein­ge­nom­me­nen Gel­der ver­wal­tet die GVL treu­hän­de­risch. Ledig­lich die Ver­wal­tungs­kos­ten wer­den von der Ver­teil­sum­me ein­be­hal­ten. Die Wahr­neh­mungs­ver­trä­ge für alle Spar­ten sind eben­falls auf www.gvl.de zu finden.
Wie geht es wei­ter, wenn der Wahr­neh­mungs­ver­trag geschlos­sen ist?
– Im Online-Por­tal artsys.gvl.de mel­den wir unse­re Mit­wir­kung an Produktionen.
– Die Mel­dun­gen wer­den geprüft.
– Die GVL gleicht die Mel­dun­gen mit Radio- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen ab.
– Dann schüt­tet die GVL jähr­lich ent­spre­chend ihrer Mit­wir­kung an Pro­duk­tio­nen die Ver­gü­tung an Musi­ke­rin­nen und Musi­ker aus.
Drei Pro­duk­ti­ons­ar­ten wer­den unterschieden:
1. Musik­pro­duk­tio­nen: Ton­trä­ger, Rund­funk­mit­schnit­te, Bühnenproduktionen
2. Wort­pro­duk­tio­nen: Hör­spie­le, Lesun­gen, Kindersendungen
3. Film- und Fern­seh­pro­duk­tio­nen: Fil­me, Seri­en, Bühnenproduktionen.
Immer dann, wenn eine Pro­duk­ti­on genutzt wird, erhal­ten wir eine neue Ver­gü­tung – über Jah­re hin­weg. Das alles gilt auch für die Nut­zung von Pro­duk­tio­nen im Aus­land, wenn der GVL die Rech­te dafür über­tra­gen wer­den. Die GVL hat ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­run­gen mit Schwes­ter­ge­sell­schaf­ten im Aus­land. Den Wahr­neh­mungs­ver­trag kön­nen Künst­le­rin­nen und Künst­ler aller Natio­nen mit der GVL abschließen!

Labels und Zweitverwertung

Die tech­ni­sche Ent­wick­lung hat die Ver­teil­we­ge für Musik­pro­duk­te in den ver­gan­ge­nen Jah­ren erheb­lich ver­än­dert. Die Her­stel­lung und die Pro­duk­ti­on von Auf­nahmen und der Auf­bau eines eige­nen ­Labels sind viel attrak­ti­ver und ein­fa­cher geworden.
Auch die Rech­te von Pro­du­zen­ten und Labels wer­den von der GVL ver­tre­ten. Und auch hier­zu bedarf es des Abschlus­ses eines Wahrnehmungsvertrags.
Die nächs­ten Schritte:
– Ver­öf­fent­li­chung der Musik­pro­duk­ti­on (digi­tal oder als CD, Plat­te, Kassette)
– Bean­tra­gung des Label­codes und des Zugangs zu www.trisys.gvl.de
– Für die Dis­tri­bu­ti­on an Nut­zer wie Sen­de­an­stal­ten ist der Her­stel­ler der Musik­pro­duk­ti­on selbst ver­ant­wort­lich. Die Sen­der mel­den genutz­te Pro­duk­tio­nen inklu­siv Label­code der GVL.
– Der Her­stel­ler ver­wal­tet sei­ne Rechte
an Musik­pro­duk­tio­nen im Online-Por­tal www.trisys.gvl.de.
– Die GVL schüt­tet für genutz­te Pro­duk­tio­nen auf der Basis der Sen­de­mi­nu­ten an die Her­stel­ler jähr­lich eine Ver­gü­tung aus.
Auch Her­stel­ler von Ton­trä­gern und Labels kön­nen die GVL mit der Wahr­neh­mung der Leis­tungs­schutz­rech­te im Aus­land beauftragen.

Wer ist zahlungspflichtig?

Hör­funk- und Fern­seh­sen­der, Web­ra­di­os, Kabel­be­trei­ber, Dis­ko­the­ken, Gast­stät­ten, Hotels, Her­stel­ler von Auf­nah­me­ge­rä­ten und Leer­me­di­en, Video­the­ken, öffent­li­che Biblio­the­ken und Schul­buch­ver­le­ger: Sie erhal­ten im Auf­trag der Musi­ke­rin­nen und Musi­ker, die mit der GVL den Wahr­neh­mungs­ver­trag abge­schlos­sen haben, eine Lizenz für die Nut­zung der Leis­tun­gen, die als Ver­gü­tungs­ab­ga­be zu zah­len ist.
Nut­zungs­ar­ten sind:
– das Sen­den von Ton­trä­gern und Videoclips,
– die öffent­li­che Wie­der­ga­be und die Vervielfältigung,
– die Ver­mie­tung und der Ver­leih von Ton­trä­gern und Filmen,
– die Kabel­wei­ter­sen­dung künst­le­ri­scher Darbietungen.

Rechts­form

Wie der Name schon sagt, ist die GVL eine Gesell­schaft und kei­ne Behör­de. Die­se Rechts­form ermög­licht, dass nicht der Staat, son­dern gesell­schaft­lich rele­van­te Ver­bän­de mit der ent­spre­chen­den Fach­kom­pe­tenz die Geschi­cke der GVL len­ken. Die Gesell­schaf­ter der GVL sind die Deut­sche Orches­ter­ver­ei­ni­gung und der Bun­des­ver­band Musikindustrie.
Die Ent­schei­dung sowohl über die Höhe der Ver­gü­tungs­ab­ga­be der Nut­zer als auch über die Ver­tei­lungs­plä­ne für die Leis­tungs­be­rech­tig­ten trifft ein Bei­rat. Der GVL-Bei­rat besteht aus 24 Mit­glie­dern. Alle drei Jah­re wäh­len die Berech­tig­ten ihre zwölf Ver­tre­ter für alle Künst­ler­grup­pen. Wei­te­re zwölf Bei­rats­mit­glie­der wer­den durch die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung beru­fen, jeweils für die Dau­er von drei Jah­ren. Die behörd­li­che Auf­sicht obliegt dem Deut­schen Patent- und Markenamt.

Schluss­be­trach­tung

Wie KSK und GEMA ver­birgt sich hin­ter dem Kür­zel GVL ein Sys­tem, das es zu nut­zen gilt. Mit der ein­gangs beschrie­be­nen Viel­falt unse­res Berufs soll es uns doch gelin­gen, ein aus­kömm­li­ches Ein­kom­men zu rea­li­sie­ren. Die GVL kann dabei eine gro­ße Stüt­ze sein und sichert zusätz­li­che Ein­künf­te aus der Wah­rung unse­rer Leis­tungs­rech­te an Auf­füh­run­gen, die durch elek­tro­ni­sche Medi­en genutzt werden.