Fahrner, Dieter

Begeis­ternd und ­kom­pe­tent unter­rich­ten

Menschliche und fachliche Professionalität für Instrumental- und Musiklehrer

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2013
erschienen in: üben & musizieren 1/2014 , Seite 49

Wie so vie­le päd­ago­gi­sche Kon­zep­te der ver­gan­ge­nen zehn Jah­re ist auch das Buch von Die­ter Fahr­ner als Fol­ge der PISA-Stu­die erschie­nen. Im wei­ten Umfeld einer Neu­aus­rich­tung des Unter­richts ent­stan­den Initia­ti­ven, die allen Kin­dern die Teil­habe an musisch-kul­tu­rel­ler Bil­dung ermög­li­chen wol­len. Für Die­ter Fahr­ner und sei­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an der Musik­schu­le Weil am Rhein wur­den die Her­aus­for­de­run­gen, die sich mit der ver­än­der­ten Unter­richts­si­tua­ti­on durch das Pro­jekt „Jedem Kind ein Instru­ment“ (JeKi) ver­ban­den, zur Chan­ce für eine inhalt­li­che und kon­zep­tio­nel­le Neu­aus­rich­tung. Die Anlie­gen, Musik­schul­un­ter­richt auch in gro­ßen Grup­pen bil­dungs­wirk­sam zu gestal­ten und an Stan­dards der inter­na­tio­na­len Unter­richts­for­schung aus­zu­rich­ten, ver­ban­den sie mit dem Ansatz einer kol­le­gia­len Unter­richts­ent­wick­lung.
Den Weg sei­ner Musik­schu­le doku­men­tiert Die­ter Fahr­ner im vor­lie­gen­den Buch. Beglei­tet wur­de der Pro­zess von Anselm Ernst im Rah­men eines mehr­jäh­ri­gen Modell­ver­suchs „Instru­men­ta­ler Grund­schul­un­ter­richt“. Ernsts „12 Merk­ma­le guten Unter­richts“ bil­den auch die Refe­renz­punk­te zur Ver­stän­di­gung über die Unter­richts­qua­li­tät. Dar­über hin­aus bezieht sich Fahr­ner auf päd­ago­gi­sche und psycho­logische Grund­la­gen­for­schung, um lern­för­der­li­ches und kom­pe­tenz­ori­en­tier­tes Unter­rich­ten zu fun­die­ren.
Zen­tra­le Ele­men­te des Modells der Musik­schu­le Weil am Rhein sind die Pro­fes­sio­na­li­sie­rung von Kom­mu­ni­ka­ti­on und Inter­aktion. Das Kapi­tel „Die Ent­wick­lung per­so­na­ler Kom­pe­tenz“ nimmt dann auch den bei Wei­tem brei­tes­ten Raum der Schrift ein. Die­ter Fahr­ner ori­en­tiert sich unter ande­rem am Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­dell von Frie­de­mann Schulz von Thun, das er auf die Situa­ti­on der Musik­schu­le über­trägt und durch Anbin­dung an kon­kre­te Situa­tio­nen aus dem Unter­richts­all­tag plas­tisch wer­den lässt.
Die Ver­an­schau­li­chung durch prak­ti­sche Bei­spie­le zieht sich durch alle Kapi­tel des Buchs. Ergän­zen­de Arbeits­ma­te­ria­li­en und Videobei­spie­le aus dem Unter­richt ste­hen zusätz­lich als Down­load zur Ver­fü­gung. Fahr­ner zeigt so zum ­einen modell­haft den Pro­zess der Unter­richts­ent­wick­lung einer Musik­schu­le, zum ande­ren aber sind ein­zel­ne Ele­men­te für alle Instru­ment­al­leh­ren­de zur Ent­wick­lung des eige­nen Unter­richts oder des­sen kri­ti­scher Refle­xi­on ein­setz­bar. Dafür sor­gen neben den als kon­kre­te Unter­richts­hand­lung for­mu­lier­ten Indi­ka­to­ren von Anselm Ernst, die das Kol­le­gi­um der Musik­schu­le dem eige­nen Ver­ständ­nis ent­spre­chend modi­fi­ziert hat, unter­richts­me­tho­di­sche und ‑didak­ti­sche Ablei­tun­gen und Tipps für eine Unter­richts­pra­xis, deren Kenn­zei­chen ist, dass der Unter­richt in Grup­pen und die damit ver­bun­de­ne Hete­ro­ge­ni­tät der Schü­le­rin­nen und Schü­ler als beson­de­re Chan­ce des Ler­nens im Instru­men­tal­un­ter­richt gese­hen wer­den.
Katha­ri­na Schil­ling-Sand­voß