Siedenburg, Ilka

Beruf: Pop-Päd­ago­gIn

Arbeitsfelder, Herausforderungen und Perspektiven

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren 6/2010 , Seite 52

Für Lehrkräfte, die in ihrem Instrumentalunterricht Rock- und Popmusik anbieten möchten, ist ein Berufsfeld von beträchtlicher Größe entstanden. Ilka Siedenburg erläutert, in welchen Bereichen und Institutionen Popmusik unterrichtet wird und welche didaktischen Konsequenzen und Herausforde­rungen sich dadurch ergeben.

Ursprüng­lich führ­te der Wunsch, in einer Band zu spie­len, eher in den Pro­ben­kel­ler als in die Musik­schu­le. Ein „typi­scher“ E‑Gitarrist der 60er Jah­re – nur sel­ten war es eine Gitar­ris­tin – kam über sei­nen Freun­des­kreis mit Pop­mu­sik in Kon­takt, besorg­te sich ein Instru­ment, ließ sich von den ande­ren die ers­ten Knif­fe zei­gen und ent­wi­ckel­te sei­ne Fähig­kei­ten beim „Jam­men“ im Pro­ben­raum wei­ter. Vie­le Pop­mu­si­ke­rIn­nen gehen heu­te noch ähn­li­che Wege. Die Mög­lich­kei­ten des infor­mel­len oder auto­di­dak­ti­schen Ler­nens haben sich sogar noch erwei­tert: Im Inter­net kann man sich Tabu­la­tu­ren und Song­tex­te beschaf­fen, Lehr­vi­de­os her­un­ter­la­den oder mit ande­ren Musi­ke­rIn­nen austauschen.
Inzwi­schen wird „Pop“1 jedoch auch im Inst­rumentalunterricht ver­mit­telt. Ein Blick in die Ange­bo­te von Musik­schu­len und ande­ren Bil­dungs­ein­rich­tun­gen zeigt, dass hier ein Berufs­feld von beträcht­li­cher Grö­ße ent­stan­den ist. Den­noch fand die­se Musik inner­halb der eta­blier­ten musik­päd­ago­gi­schen Insti­tu­tio­nen lan­ge Zeit kei­ne vol­le Akzep­tanz: Erst seit weni­gen Jah­ren ist es für ange­hen­de Inst­rumentalpädagogInnen mög­lich, sich in einem eigen­stän­di­gen Bache­lor-Stu­di­en­gang auf Pop zu spezialisieren.2 Mit den neu­en Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten wird sich das „Berufs­feld Pop-Päd­ago­gik“ vor­aus­sicht­lich noch erwei­tern und ver­än­dern. Will man die­se Umbruch­pha­se für eini­ge Kurs­kor­rek­tu­ren nut­zen, ist es Zeit, eine Bestands­auf­nah­me der bis­he­ri­gen Ent­wick­lun­gen vor­zu­neh­men und Grund­sät­ze für eine pop­spe­zi­fi­sche Instru­men­tal­päd­ago­gik zu erarbeiten.

Arbeits­feld Pop-Pädagogik

Lern­mög­lich­kei­ten im Bereich Pop sind zunächst auf dem frei­en Markt und in der Jugend­ar­beit ent­stan­den, spä­ter auch in Schu­len und Musik­schu­len. In die­sen Fel­dern ent­wi­ckel­ten sich unter­schied­li­che musikpäda­gogische Kon­zep­te mit jeweils eige­nen Ziel­set­zun­gen und Arbeits­for­men. Auch wenn es heu­te vie­le inhalt­li­che und per­so­nel­le Über­schnei­dun­gen gibt, las­sen sich die­se Unter­schie­de teil­wei­se noch ausmachen.

1 Unter „Pop“ ver­ste­he ich im Fol­gen­den Musik afro­ame­ri­ka­ni­scher Prä­gung vom Rock’n’Roll der 50er Jah­re bis zu aktu­el­len Sti­lis­ti­ken, die ihren Ursprung in Jugend­kul­tu­ren haben. Anders als bei der übli­chen Ver­wen­dung des Begriffs „Popu­lä­re Musik“ wird Jazz hier aus­ge­klam­mert. Vgl. auch Jür­gen Ter­hag: „Zwan­zig Jah­re ,Un-Unter­richt­bar­keit‘ Popu­lä­rer Musik. Ein didak­ti­sches Pro­blem hat Geburts­tag“, in: Wolf­gang Pfeif­fer (Hg.): Schü­ler­ori­en­tier­ter Musik­un­ter­richt. Wunsch und Wirk­lich­keit, Musik­un­ter­richt heu­te 6, Olders­hau­sen 2006, S. 39–51.
2 Der Bache­lor-Stu­di­en­gang „Instru­men­tal­päd­ago­gik“ mit dem Pro­fil „Popu­lar­mu­sik“ an der Fach­hoch­schu­le Osna­brück exis­tiert seit 2006. „Popu­lar­mu­sik“ wird im Sin­ne von „Pop“ ver­wen­det, beinhal­tet also nicht Jazz.

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