Prante, Martina

Bis wir uns wie­der­sehn“

Die Musikschule Hildesheim hat zu Beginn der Corona-Krise mit den Schüle­rInnen einen „Kommunikationskanon“ aufgenommen und online gestellt

Rubrik: Bericht
erschienen in: üben & musizieren 3/2020 , Seite 46

Wir müs­sen was machen!“ Gera­de hat Volk­mar Diet­rich rund ein­hun­dert hoch moti­vier­ten Musi­ke­rin­nen und Musi­kern mit­tei­len müs­sen, dass das lan­ge geplan­te Kon­zert des Sin­fo­ni­schen Blas­or­ches­ters aus­fal­len muss. Ein Virus schal­tet die Musik ab.
Wäh­rend Musik­schul­lei­ter Det­lef Hart­mann ums Über­le­ben der Musik­schu­le Hil­des­heim kämpft, alle Leh­rer in die Kurz­ar­beit schickt und hofft, dass die Eltern trotz Unter­richts­aus­fall wei­ter die Gebüh­ren zah­len, will Volk­mar Diet­rich aktiv in Sachen Kom­mu­ni­ka­ti­on wer­den. Was tun? Ein Kanon als Gemein­schafts­er­leb­nis böte sich an, sin­nier­te der Leh­rer für Blech­blas­in­stru­men­te an der ­Musik­schu­le und Diri­gent des Sin­fo­ni­schen Blas­or­ches­ters und der Jun­gen Phil­har­mo­nie der Musik­schu­le. Nach Rück­spra­che mit Musik­schul­lei­ter Hart­mann und dank der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung der Lees­ter-Musik­schul-Stif­tung konn­te er das Pro­jekt ange­hen.
Doch bis es so weit war, muss­ten etli­che Men­schen begeis­tert wer­den. Was nicht schwer war. Den Hil­des­hei­mer Ste­fan Wurz erwisch­te Diet­rich auf dem Flug­ha­fen in San Fran­cis­co. Der Kom­po­nist hat­te sich zwei Wochen auf den Spu­ren von Karl May in der Sier­ra Neva­da und der Hip­pies in der kali­for­ni­schen Metro­po­le getum­melt. Der 55-Jäh­ri­ge war sofort Feu­er und Flam­me, „etwas zu kom­po­nie­ren“. Was er zu dem Zeit­punkt schon ahn­te: Er wür­de sich in Deutsch­land zwei Wochen in Qua­ran­tä­ne bege­ben müs­sen. „Was gut war.“ Und dass etli­che sei­ner Auf­trit­te als Pia­nist und Band­mit­glied abge­sagt waren. Was weni­ger gut war.
Aber so blieb Zeit fürs Kom­po­nie­ren. Wurz frag­te die Autorin, Regis­seu­rin und Schau­spie­le­rin Lucia Rei­chard, mit der er die schwä­bi­sche Ver­si­on von Der Klei­ne Prinz für das Natur­thea­ter Hay­in­gen in Sze­ne gesetzt hat­te. Bei­de waren sich einig, dass im „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­non“ kei­ne tie­fe intel­lek­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Virus im Vor­der­grund ste­hen soll­te: „Die Bot­schaft soll­te Mut machen und posi­ti­ve Stim­mung ver­brei­ten.“

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 3/2020.