Mahlert, Ulrich (Hg.)

Breit­kopf & Här­tel ­Spiel­buch für Kla­vier

Eine Repertoiresammlung zwei- und vierhändiger Stücke von sehr leicht bis mittelschwer

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2017
erschienen in: üben & musizieren 4/2017 , Seite 52

Spiel­bü­cher als Beglei­tung zu Kla­vier­schu­len gibt es genü­gend und man könn­te die Fra­ge nach dem Sinn einer wei­te­ren neu­en Edi­ti­on stel­len, wäre die­se von Ulrich Mah­lert her­aus­ge­ge­be­ne nicht so qua­li­ta­tiv aus­ge­wo­gen und wert­voll. Unter­schied­li­che Sti­lis­ti­ken mit ihren typi­schen musi­ka­li­schen Idio­men sind mit jeweils reprä­sen­ta­ti­ven Kom­po­nis­ten ver­tre­ten. So gibt es neben den ers­ten Kla­vier­stü­cken von Mozart (KV 1,3 und 5) vier Cha­rak­ter­stü­cke aus Bar­tóks Samm­lung Für Kin­der und Wei­te­res von Czer­ny, Türk, Gur­litt und die leich­tes­ten Charakterminia­turen aus Schu­manns Album für die Jugend. Sechs zumeist ein­stim­mig gehal­te­ne kur­ze Stü­cke von Man­fred Schmitz aus sei­ner  Mini-Jazz-Rei­he füh­ren mit ihren rhyth­misch geschick­ten Ton­lei­ter­um­spie­lun­gen an ers­te Jazz­erfahrungen her­an.
Das Noten­heft ist in einem gut les­ba­ren Noten­satz gestal­tet. Es gibt beson­ders für Schü­le­rIn­nen sehr hilf­rei­che Fin­ger­sät­ze, aber lei­der kaum Pedal­hin­wei­se. Ledig­lich bei Nr. 33 – Wol­ken aus den Sieb­zig Tas­ten­aben­teu­ern – gibt es Pedal­klam­mern, die aller­dings in der letz­ten Akko­la­de ver­gessen wur­den. Der Was­ser­hahn tropft aus der sel­ben Samm­lung ist eine gute Stac­ca­to-Übung bei gleich­zei­tig gehal­te­nen Lie­ge­tö­nen.
Klang­lich sehr reiz­voll sind die fünf vier­hän­di­gen Kom­po­si­tio­nen von Kers­tin Stre­cke aus Tio für Zwei. Da gibt es das freund­liche Guten­mor­gen­lied, den genie­ße­risch zu spie­len­den Früh­lings­wind in mixo­ly­di­scher Ton­art und einen rhyth­misch anspre­chen­den, fröh­li­chen Spaß. Beim Pri­mo-Part wäre die lin­ke Hand bes­ser im Vio­lin­schlüs­sel notiert, wie es beim Vier­hän­dig­spiel üblich ist. Der nach oben okta­vie­ren­de Bass­schlüs­sel ist unge­wöhn­lich und könn­te für Irri­ta­ti­on sor­gen.
Stü­cke, wel­che in Ton­spra­che und Klang­tech­ni­ken der zeit­ge­nös­si­schen Musik ein­füh­ren, ent­hält die­ser Band nicht. Ledig­lich eine har­mo­ni­sche Erwei­te­rung zu Vier­klän­gen mit Sechs­te oder gro­ßer Sep­ti­me gibt es bei­spiels­wei­se in Kers­tin Stre­ckes Ein klei­ner Träu­mer und im Cha­mä­le­on, hier auch mit Mollsept­akkord.
Sämt­li­che in die­ser Neu­aus­ga­be ent­hal­te­nen Wer­ke ent­stam­men den bewähr­ten Breit­kopf Päd­ago­gik-Edi­tio­nen der ver­gan­ge­nen bei­den Jahr­zehn­te, dar­un­ter Pfer­de!, Leich­te Kla­vier­stü­cke mit dem Tas­ten­kro­ko­dil, Vier­hän­dig durch Euro­pa, Tio, das Tas­ten­männ­chen und Sig­rid Nau­manns aus­ge­zeich­ne­ter Lite­ra­tur­zu­sam­men­stel­lung Spiel­räu­me – Spiel­re­geln.
Die­ses Spiel­buch ist eine idea­le und pas­sen­de Ergän­zung zur Kla­vier­schu­le für die ers­ten Unter­richts­jah­re. Es bie­tet eine ­reprä­sen­ta­ti­ve Lite­ra­tur­aus­wahl der ver­schie­de­nen Stil­epo­chen, wel­che den Klang­sinn durch gute und fan­ta­sie­vol­le Stü­cke anregt und dabei gleich­zei­tig grund­le­gen­de Spiel­tech­ni­ken trai­niert.
Chris­toph J. Kel­ler