Grasse, Stefan

Bri­sas de Mar / Para um Sor­ri­so

Six compositions for guitar solo / Five compositions for guitar solo & Four compositions for two instruments

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Xolo, Nürnberg 2016
erschienen in: üben & musizieren 5/2017 , Seite 59

Der Nürn­ber­ger Gitar­rist Ste­fan Gras­se tritt seit sei­ner ers­ten Ein­spie­lung von 1993 immer wie­der mit CDs in Erschei­nung, die jeweils einen beson­de­ren Schwer­punkt haben, der fern­ab des gän­gi­gen Reper­toires ver­or­tet ist. Im Lauf der Jah­re haben sich dann auch eige­ne Kom­po­si­tio­nen dazu gesellt, von denen eini­ge erst­ma­lig in die­sen bei­den Hef­ten zugäng­lich gemacht wer­den. Dabei ist zu beach­ten, dass bei den Ein­spie­lun­gen der hier ver­öf­fent­lich­ten Stü­cke auf den jewei­li­gen Ton­trä­gern meis­tens noch ande­re Instru­men­te betei­ligt sind.
Im ers­ten Heft Bri­sas de Mar ­fin­den sich sechs Stü­cke der gleich­na­mi­gen CD, dort mit der Beset­zung Gitar­re, Akkor­de­on, Kla­ri­net­te, Vibra­fon, Kon­tra­bass und diver­sen Per­kus­si­ons­in­stru­men­ten. Die Stü­cke sind vor­wie­gend im latein­ame­ri­ka­ni­schen Stil gehal­ten, teils bra­si­lia­nisch, teils argen­ti­nisch inspi­riert. Sie erwei­sen sich als stim­mungs­vol­le Instru­men­tal­stü­cke mit cha­rak­te­ris­ti­schem Kolo­rit und eigen­stän­di­gem Cha­rak­ter – mit Remi­nis­zen­zen an die fran­zö­si­sche Muset­te oder musi­ka­li­schen Bezü­ge zu Erik Satie oder Mikis Theo­dora­kis.
In der Druck­fas­sung feh­len neben den unter­stüt­zen­den Instru­men­ten auch die Impro­vi­sa­ti­ons­tei­le, die aber zum Teil im Anhang aus­no­tiert bei­gefügt sind. Die Sub­stanz der Wer­ke bleibt je­doch erhal­ten und erschließt sich auch in den Solover­sio­nen.
Ähn­lich ver­hält es sich im zwei­ten Heft Para um Sor­ri­so. Dem bra­si­lia­ni­schen Titel fol­gen die fünf Solo­stü­cke und die vier Wer­ke für zwei Instru­men­te (Cel­lo und Gitar­re, Flö­te und Gitar­re, zwei Duos für Gitar­re) auch sti­lis­tisch. Wer sol­cher­art Gitar­ren­mu­sik favo­ri­siert, dem sei­en die­se Samm­lun­gen ans Herz gelegt. Man­che Stü­cke sind so geglückt, dass man ihnen eine posi­ti­ve Akzep­tanz mit ent­spre­chen­der Ver­brei­tung wünscht.
Ein Stück der Aus­ga­be stammt aus einer ande­ren Ein­spie­lung: Die Ver­nei­gung vor Astor Piaz­zol­la mit dem Titel Le Tan­go du chat noir fin­det sich auf der CD Adiós Noni­no, die Gras­se ganz dem Schaf­fen Piaz­zollas gewid­met hat.
Die Schreib­wei­se der Kom­po­si­tio­nen ist sehr idio­ma­tisch, dabei sind die Stü­cke jedoch kei­ne leich­te Kost. Die spiel­tech­ni­schen Anfor­de­run­gen sind anspruchs­voll, dafür erhält man aber auch Wer­ke, die unver­brauch­te Reper­toire­er­wei­te­run­gen in belieb­ten Gen­res dar­stel­len. Die Hef­te sind schön auf­ge­macht, ange­mes­se­ne, aus der Pra­xis stam­men­de Fin­ger­sät­ze erleich­tern den Zugang.
Wer über ein offe­nes Ohr ver­fügt, soll­te sich unbe­dingt näher mit Gras­ses Musik beschäf­ti­gen. Der Rezen­sent ist jeden­falls schon fün­dig gewor­den.
Andre­as Ste­vens-Geenen