Johow, Joachim

Cof­fee & Vio­lin

18 Coffee Time Pieces in Popular Style für Violine und Klavier, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 4/2017 , Seite 58

Kaf­fee­haus – das klingt nach K.u.k.-Nostalgie, nach dem Wien, Buda­pest, Lem­berg der „guten alten Zeit“ vor dem Ers­ten Welt­krieg. Es ist schwer, sich heu­te vor­zu­stel­len, wel­che kul­tu­rel­le Bedeu­tung der Insti­tu­ti­on Kaffee­haus – denn es war gera­de­zu eine gesell­schaft­li­che Insti­tu­ti­on – damals zukam. Es war ein Treff­punkt von Beam­ten, Hono­ra­tio­ren, Geheim­rä­ten, der „bes­se­ren Gesell­schaft“, von Künst­lern aller Art (man den­ke an die berühm­ten „Kaf­fee­h­aus­li­te­ra­ten“ wie Ste­fan Zweig, Arthur Schnitz­ler, Franz Wer­fel, Joseph Roth), aber auch von Revo­lu­tio­nä­ren (Trotz­ki!), Exzen­tri­kern und Loka­lo­ri­gi­na­len. Die Besu­cher waren in der Regel männ­lich, für „anstän­di­ge Frau­ens­per­so­nen“ schick­te sich „so etwas“ nicht. Man las Zei­tung, debat­tier­te, spiel­te Schach, Dame oder Tarock.
Vie­le Kaf­fee­häu­ser hat­ten einen Tanz­be­reich, oft auch einen sepa­ra­ten Ball­saal. Musik gehör­te zum Kaf­fee­haus eben­so urstän­dig dazu wie der Kaf­fee. Hier ser­vier­ten Musi­ker den Gäs­ten in den ver­schie­dens­ten Beset­zun­gen vom Duo Vio­li­ne-Kla­vier bis zum Salon­or­ches­ter popu­lä­re Schman­kerl. In Hiet­zing im 13. Wie­ner Bezirk spiel­ten in „Dommayer’s Kaf­feh- und Trai­teur­haus“ Josef Lan­ner, Johann Strauß Vater und Sohn mit ihren Orches­tern zum Tanz auf.  Manch popu­lä­rer Wal­zer­klas­si­ker erleb­te hier sei­ne Urauf­füh­rung.
Nicht jedem behag­te der unter­hal­ten­de Gebrauchs­cha­rak­ter die­ser „leich­ten Musik“, und so haf­tet der Salon- oder Kaf­fee­haus­mu­sik bis heu­te etwas Abwer­ten­des, Seich­tes an. Ich erin­ne­re mich eines sehr renom­mier­ten Diri­gen­ten, der einem Solis­ten vor­hielt, er habe aus dem gera­de gespiel­ten Werk „Kaf­fee­haus­mu­sik“ gemacht, und sich dabei schüt­tel­te wie ein durch­näss­ter Bern­har­di­ner.
An die Musik­tra­di­ti­on des Kaf­fee­hau­ses knüpft Joa­chim Johow an mit Cof­fee & Vio­lin für Vio­li­ne und Kla­vier. Es ist nach My Blue Vio­lin (Swing und Jazz) und The Mer­ry Fidd­ler (Irish style) sei­ne drit­te Samm­lung the­ma­tisch lose zuge­ord­ne­ter Stück­chen.
Johows Kaf­fee­haus­mu­sik greift laut Vor­wort „respekt­los auf ver­schie­de­ne Sti­le und Epo­chen zurück […] So fin­den wir hier neben baro­cken Anklän­gen Stü­cke im fran­zö­si­schen, latein­ame­ri­ka­ni­schen und iri­schen Stil. Ein­zi­ger Maß­stab ist – wie beim Kaf­fee in sei­ner Viel­falt der Kaf­fee­sor­ten und Zube­rei­tun­gen – auch hier der eige­ne Geschmack.“
Die Stück­chen sind pfif­fig und haben Schwung, sind dabei für bei­de Instru­men­te recht ein­fach zu spie­len, sodass sie sich gut für eine Ver­wen­dung im Unter­richt mit Kin­dern (oder auch für Erwach­se­ne als Bei­trag für Geburts­tags- oder ande­re Par­tys!) eig­nen. Dem Noten­heft bei­gege­ben ist eine CD, auf der ein­mal Lau­ren­ti­us Din­ca alle 18 Pie­cen char­mant-bril­lant in bes­ter Kaf­fee­haus­ma­nier ser­viert, zum ande­ren die Kla­vier­be­glei­tung allein und zum Mit­spie­len ent­hal­ten ist. Zu emp­feh­len!
Her­wig Zack