von Weber, Carl Maria

Con­cer­ti­no op. 45

für Horn (in E und F) und Orchester, hg. von Dominik Rahmer, Urtext

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle, München 2018
erschienen in: üben & musizieren 3/2019 , Seite 60

Das Con­cer­ti­no für Horn und Orches­ter op. 45 von Carl Maria von Weber wur­de ursprüng­lich 1806 für Joseph Daut­re­veaux, Hor­nist der Hof­ka­pel­le in Carls­ru­he bei Bres­lau kom­po­niert. Die ers­te Fas­sung ist lei­der ver­schol­len. Wäh­rend eines Mün­che­ner Auf­ent­halts im August 1815 hat Weber eine völ­lig umge­ar­bei­te­te Neu­fas­sung für den Hor­nis­ten Sebas­ti­an Rauch (1783–1844) ange­fer­tigt. Rauch war vier­zehn Jah­re als Solo­hor­nist Mit­glied der König­li­chen Hof­kapelle in Mün­chen. Ob er das Stück jemals auf­ge­führt hat, ist nicht doku­men­tiert. Die ers­ten bekann­ten Auf­füh­run­gen waren 1817 (nur Aus­schnit­te) und 1822 im Leip­zi­ger Gewand­haus.
Bereits 1816 bot Weber das Con­cer­ti­no sei­nem Ver­le­ger Adolph Mar­tin Schle­sin­ger an. Schle­sin­ger bat um eine ver­ein­fach­te Ver­sion des tech­nisch anspruchs­vol­len Werks, um die Ver­kaufs­chan­cen zu ver­bes­sern. Weber lehn­te ab und bot 1818 das Con­cer­ti­no mit den von Schle­sin­ger vor­ge­schla­ge­nen Erleich­te­run­gen und für eine höhe­re Ver­kaufs­sum­me dem Leip­zi­ger Ver­le­ger Carl Fried­rich Peters an. Als Ent­schä­di­gung über­ließ Weber dem ver­är­ger­ten Schle­sin­ger das Ron­do bril­li­ant op. 62.
1820 erschien ein Kla­vier­aus­zug des Con­cer­ti­nos bei Breit­kopf & Här­tel. Mit etli­chen Frei­hei­ten bezüg­lich Arti­ku­la­ti­on und Dyna­mik wur­de es von Hen­ri Kling bear­bei­tet. 1884 ver­öf­fent­lich­te der Ver­lag Schlesinger/Robert Lienau einen neu­en Kla­vier­aus­zug sowie Orches­ter­stim­men, die sich über­wie­gend an dier Erst­aus­ga­be hiel­ten.
Als Haupt­quel­le der vor­lie­gen­den Urtext-Edi­ti­on benutz­te der Her­aus­ge­ber Domi­nik Rah­mer haupt­säch­lich die von Weber kor­ri­gier­te Erst­aus­ga­be von 1818. In Aus­nah­me­fäl­len, die auf ein Ver­se­hen des Ste­chers oder Kopis­ten zurück­zu­füh­ren schie­nen, wur­den die Neben­quel­len, die Auto­gra­fen-Par­ti­tur und eine Abschrift her­an­ge­zo­gen. Der Kla­vier­aus­zug wur­de von Johan­nes Umbreit ent­spre­chend der Orches­ter­stim­men von 1884 erstellt.
Das Weber-Con­cer­ti­no wur­de für das ven­til­lo­se Natur­horn kon­zi­piert und stellt enor­me tech­ni­sche Ansprü­che an den Hor­nis­ten. Der dama­li­ge Rezen­sent der ers­ten Bespre­chung des Werks kri­ti­sier­te, dass „dem Con­cer­tis­ten eher zu viel als zu wenig zuge­mu­thet“ wür­de und wünsch­te, der Kom­po­nist „hät­te noch mehr erleich­tern­de Vari­an­ten für weni­ger aus­ge­zeich­ne­te Vir­tuo­sen hin­zu­ge­setzt“, denn Weber ver­langt z. B. im Rezi­ta­tiv-Abschnitt Takt 168 ff. in der Solo­stim­me auch mehr­stim­mi­ge Akkor­de, so genann­te Mul­ti­pho­nics. Sie waren bereits vor sei­ner Zeit bekannt. Durch gleich­zei­ti­ges Bla­sen und Sin­gen ent­ste­hen Kom­bi­na­ti­ons­wir­kun­gen (Dif­fe­renz- und Sum­ma­ti­ons­tö­ne) der Ober­ton­rei­he. Obwohl Weber die­sen Effekt selbst als „sehr unsi­cher in der Aus­füh­rung und als Küns­te­ley­en betrach­tet“ hat, änder­te er die Stel­le mit die­ser erwei­ter­ten Spiel­tech­nik nicht.
Mit die­ser Urtext­aus­ga­be ist wie­der ein exzel­len­tes Exem­plar bei Hen­le erschie­nen. Eine Horn­stim­me in E und eine trans­po­nier­te in F sind bei­gelegt.
Tho­mas Swart­man