Ringhandt, Ute

Crash­kurs Gehör­bil­dung

Melodik – Harmonik – Rhythmus – Kadenz – Sequenz, mit MP3-CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2018
erschienen in: üben & musizieren 5/2018 , Seite 50

Das in der „Crashkurs“-Reihe bei Schott erschie­ne­ne Buch ist für das Selbst­stu­di­um und für Ein­zel- und Grup­pen­un­ter­richt kon­zi­piert und beginnt auf ele­men­ta­rem Niveau. Stets sind die Auf­ga­ben und Übun­gen in einen musik­theo­re­ti­schen Kon­text ein­ge­bun­den, sodass Üben­de auch ver­ste­hen und benen­nen ler­nen, was sie hörend erken­nen sol­len. So wer­den in den Kapi­teln mit Inter­val­len und inter­vall­ori­en­tier­ten Ton­fol­gen Infor­ma­tio­nen zu ele­men­ta­rer For­men­leh­re gege­ben; die Bei­spie­le sind nicht musik­fern kon­stru­iert, son­dern ent­stam­men bekann­tem Lied­gut oder kom­po­nier­ter Musik.
Der Band ver­weilt lan­ge bei der Ein­stim­mig­keit: Kir­chen­ton­ar­ten mit ihren cha­rak­te­ris­ti­schen Stu­fen sowie melo­di­sche Bass­mo­del­le wer­den behan­delt und erklärt. Auch Drei­klän­ge, Drei­klangsfol­gen und Sept­ak­kor­de wer­den zunächst als melo­di­sche Model­le anhand pas­sen­der Lied­me­lo­di­en ein­ge­führt. Auch das Rhyth­mus­ka­pi­tel beginnt elemen­tar: Es wer­den kei­ne abs­trak­ten Klopf­übun­gen anein­an­der­ge­reiht, son­dern alle Übun­gen lei­ten sich aus einer leben­di­gen Samm­lung von Lie­dern und Tän­zen her. Der Lehr­gang wech­selt auf jeweils glei­chem Niveau zwi­schen den Sach­ge­bie­ten, sodass auch sprin­gend gele­sen und geübt wer­den kann.
Lei­der liegt ein metho­di­sches Man­ko dar­in, dass nach dem behut­sa­men und metho­disch geschick­ten Vor­ge­hen der ers­ten Kapi­tel Lern­tem­po und Infor­ma­ti­ons­dich­te bei Drei­klän­gen und Sept­ak­kor­den dra­ma­tisch gestei­gert wer­den: Sehr knapp wer­den Drei­klangsfol­gen, Akkord­umkehrungen, Sept­ak­kord­ty­pen und Sept­ak­kord­fort­schrei­tun­gen, Kaden­zen und Schluss­for­men, Funk­tio­nen, har­mo­ni­scher Rah­men­satz, Drei­stim­mig­keit mit Imi­tation und vier­stim­mi­ger Cho­ral­satz behan­delt – Letz­te­rer auf einer ein­zi­gen Sei­te. Gene­ral­bass­zif­fern wer­den ohne aus­führ­li­che Erklä­rung kurz ange­ris­sen. Hier wird fort­ge­schrit­te­nes Wis­sen in Har­mo­nie­leh­re vor­aus­ge­setzt, und im Rück­blick auf die Anfangs­ka­pi­tel stellt sich die Fra­ge nach der Ziel­grup­pe.
Bestechend ist die schier uner­schöpf­li­che Men­ge von klin­gen­dem Übungs­ma­te­ri­al: Die bei­gelegte Daten-CD bie­tet zu allen 257 Noten­bei­spie­len ein Klang­bei­spiel, dazu gibt es einen Anhang, der zu allen Kapi­teln wei­te­re Noten­bei­spie­le zum Selbst­stu­di­um ent­hält sowie eine gro­ße Anzahl von Hör­auf­ga­ben für das Selbst­stu­di­um, als Simula­tion eines Unter­richts­dik­tats. Aller­dings sind sämt­li­che Klang­bei­spie­le vom ein­fa­chen moda­len Can­tus fir­mus bis zum roman­ti­schen Kunst­lied mit einem Kla­viersam­ple ohne jede Dyna­mik und Ago­gik ein­ge­spielt, was beim Selbst­stu­di­um ver­mut­lich schnell zu Ermü­dung führt.
Zum Titel ist zu sagen, dass Gehör­bil­dung eine musik­päd­ago­gi­sche Dis­zi­plin ist, die man nicht per „Crash“ erler­nen kann, son­dern nur durch lan­ges, gedul­di­ges und metho­disch sinn­vol­les Üben. Bleibt zu hof­fen, dass dies nie­man­den davon abhält, die­ses nütz­li­che und emp­feh­lens­wer­te Büch­lein ein­zu­set­zen.
Chris­toph Hem­pel