Ziegler, Alexandra

Crash­kurs Sin­gen

Atmung – Tonbildung – Stimmklang – Artikulation, mit DVD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 5/2018 , Seite 50

Sing­un­ter­richt als Crash­kurs? – Das mutet zunächst unor­tho­dox, ja frag­wür­dig an! Ist doch gera­de die Didak­tik und Metho­dik des Fachs Gesang eine hoch kom­ple­xe Ange­le­gen­heit, die lupen­rei­ne Beob­ach­tungs­ga­be, gestei­ger­te Empa­thie und äußerst sensib­len Umgang mit den Schü­le­rIn­nen erfor­dert. Die Ver­fas­se­rin traut sich aus fun­dier­ten prak­ti­schen Erfah­run­gen her­aus an die heik­le Auf­ga­be her­an, Basis­in­for­ma­tio­nen, Erläu­te­run­gen stimmphysio­logischer Ein­zel­hei­ten und Übe­sequenzen mit­ein­an­der zu ver­bin­den, sodass mit die­sen Lern­hil­fen qua­si eine auto­di­dak­tisch ange­leg­te Ent­wick­lung und Ver­bes­se­rung der Sing­stim­me erfol­gen kann. Hier­bei ist eine DVD mit sicht- und hör­ba­ren Bei­spie­len unver­zicht­bar.
Buch und DVD zusam­men erge­ben so trotz aller Kür­ze der ver­ba­len Dar­stel­lung und der Erläu­te­run­gen einen über­zeu­gen­den Ein­blick in all das, was Gesangs­un­ter­richt aus­macht: Atmung, Ton­bil­dung, Stimm­klang und Arti­ku­la­ti­on. Aus­drück­lich wen­det sich die Ver­fas­se­rin in ihrem offe­nen Kon­zept an alle, „die gern sin­gen und die Grund­la­gen dafür näher ken­nen­ler­nen möch­ten“, wie sie im Vor­wort aus­führt; also eher an Lai­en und jene, die Sin­gen als schö­nes Hob­by begrei­fen, sei es daheim oder in einer Chor­for­ma­ti­on belie­bi­ger sti­lis­ti­scher Aus­rich­tung.
Bedenkt man den güns­ti­gen Preis die­ses schma­len Büch­leins, wäre es durch­aus jedem Lai­en­chor­lei­ter zu emp­feh­len, sei­ne Chor­mit­glie­der auf die­se Mög­lich­keit hin­zu­wei­sen, auch indi­vi­du­ell die Stim­me für den Chor­ge­sang zu ver­bes­sern. Wür­de er bei sei­ner cho­ri­schen Stimm­bil­dung auf die eine oder ande­re Übung und auf die sehr gelun­ge­nen bild­li­chen Ver­glei­che und Aktionsvorstellun­gen zurück­grei­fen und auch die Warm-ups mit die­sem Buch in Ver­bin­dung brin­gen, lie­ße sich wohl jeder Chor­klang merk­lich und rela­tiv schnell ver­bes­sern.
Da die Ver­fas­se­rin offen­sicht­lich von der Com­ple­te Vocal Tech­ni­que nach Cathe­ri­ne Sado­lin beein­flusst ist, darf auch ein inter­sti­lis­ti­scher Ansatz der Stim­mun­ter­wei­sung ange­nom­men wer­den, der eben­falls einer Sicher­heit, in ver­schie­de­nen Gen­res und „stim­mig“ zu sin­gen, deut­lich ent­ge­gen­kom­men dürf­te.
Das Buch hält, was es ver­spricht, und ist auch in den gesun­ge­nen Bei­spie­len auf der CD moti­vie­rend für Unge­üb­te: Hier wird kei­ne fal­sche Pro­fes­sio­na­li­tät vor­ge­gau­kelt, son­dern die natür­li­che Her­an­ge­hens­wei­se bei­be­hal­ten.
Ein Pro­blem ist die Kon­trol­le hin­sicht­lich der Fra­ge: „Mache ich wirk­lich alles rich­tig?“, eine Fra­ge, die gera­de Neu­lin­ge nur sehr unvoll­kom­men wer­den beant­wor­ten kön­nen. So ist das gele­gent­li­che Vor­sin­gen bei einer Gesangs­lehr­kraft unver­zicht­bar. Auch dies merkt Alex­an­dra Zieg­ler an, eben­so wie sie die Beson­der­hei­ten der Stim­me im Alter und die Anfor­de­run­gen des Sin­gens in der Gemein­schaft nicht uner­wähnt lässt. Ihrem Fazit, dass es in ihrem Buch im Wesent­li­chen um das Mut-Machen zum „Sin­gen in allen Lebens­la­gen“ gehe, kann man sich nach der Lek­tü­re nur begeis­tert anschlie­ßen.
Tho­mas Hol­land-Moritz