© Jochen Immesberger

Immesberger, Jochen

Das FILUM hörbar machen

Ein Audioguide der Musikschule Filderstadt

Rubrik: Musikschule
erschienen in: üben & musizieren 5/2026 , Seite 40

Audioguides sind aus Museen und Ausstellungen bekannt. Das Projekt in Filderstadt zeigt, dass sich dieses Format auch für Musikschulen mit eigenem Gebäude eignet. Der Beitrag stellt Entstehung, Herausforderungen und zentrale Erfahrungen vor und skizziert, welche Aspekte sich auf andere Einrichtungen übertragen lassen.

Im Jahr 2025 feierte die Musikschule Filderstadt ihr 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wurde ein lang gehegtes Projekt realisiert: ein eigener Rundgang mit Audioguide durch das Musikschulgebäude (FILUM). An 17 Stationen führt er Besucherinnen und Besucher durch das Haus und verbindet Informationen zur Architektur, zur Geschichte der Musikschule und zum musikalischen Leben in der Musikschule mit Hörbeispielen und interaktiven Impulsen.

Ein Rundgang mit Musik durch Architektur und Alltag

Das FILUM bietet mit seiner Architektur und seinem musikalischen Alltag zahlreiche ­Anknüpfungspunkte für einen Audioguide-Rundgang. Die Stationen greifen markante Orte wie den Konzertsaal, das inklusive Café oder das Foyer mit der Büste des Stifters Karl Schlecht auf. Ebenso werden weniger offensichtliche Perspektiven einbezogen, ­etwa der Blick auf den Stuttgarter Fernsehturm oder die Fahrt mit dem gläsernen Aufzug.
Ziel ist es, Informationen über das Haus nicht nur zu vermitteln, sondern erfahrbar zu machen. Deshalb verbindet der Audioguide kurze Hintergrundinformationen mit Hörbeispielen, Beobachtungsaufgaben und kleinen Mitmachimpulsen. Gerade an vermeintlich alltäglichen Orten lädt er dazu ein, genauer hinzuhören und Details bewusst wahrzunehmen – Ansätze, die auch im Musikunterricht eine zentrale Rolle spielen. Die Stationen können entlang eines vorgeschlagenen Rundwegs erkundet oder auch unabhängig voneinander besucht werden. Ergänzt wurden drei Spielstationen, die insbesondere Familien und jüngere Kinder ansprechen und zum eigenständigen Entdecken einladen. Der Rundgang dauert 20 bis 30 Minuten.

Von der Idee zur Umsetzung

Den Impuls für das Projekt gab ein Museumsbesuch von Musikschulleiterin Katrin Bleier. Die Idee passte hervorragend zur innovativen Entwicklungsstrategie des FILUM, die digitale Entwicklungen mit analogen Erlebnissen verbindet. Zwischen Februar und Oktober 2025 erfolgte die schrittweise Realisierung, überwiegend parallel zum regulären Musikschulbetrieb. Für das sechsköpfige Projektteam unter meiner Leitung als stellvertretender Musikschulleiter bedeutete dies, nach der Ausarbeitung des Gesamtkonzepts u. a. geeignete Stationen zu suchen, Wegeführungen zu prüfen, Texte zu verfassen, Musikbeispiele herauszusuchen und Aufnahmen von Sprecherinnen und Sprechern zu organisieren. Mehrfache Überarbeitungen sowie das Verwerfen zunächst vielversprechender Ideen gehörten dabei selbstverständlich zum Entwicklungsprozess.
Die einzelnen Stationen sind im Gebäude mit kleinen Tafeln gekennzeichnet und können über das eigene Smartphone aufgerufen werden. Start ist im Foyer des Musikschulgebäudes. Für die technische Umsetzung waren keine spezialisierten Audioguide-Systeme notwendig. Die Implementierung einer webbasierten Lösung in der musikschuleigenen Website erwies sich als kostengünstige und niedrigschwellige Va­riante, für die ein erfahrener IT- und Design-Fachmann hinzugezogen wurde. Mit Blick auf eine spätere Weiterentwicklung des Audioguides wurde dabei auch die Möglichkeit einer vollständigen Online-Nutzung mitgedacht.

Herausforderungen

Musik
Ein Audioguide in einer Musikschule kommt selbstverständlich nicht ohne Musik aus. Sie verbindet die einzelnen Stationen, schafft Atmosphäre und begleitet die Wege durch das Gebäude. Die Musikschule Filderstadt konnte dabei auf einen umfangreichen Fundus eigener Aufnahmen zurückgreifen, sowohl von Schülerinnen und Schülern als auch von Lehrkräften am FILUM. Für einzelne Stationen entstanden zusätzlich neue Aufnahmen. Schnell zeigte sich, dass nicht die Verfügbarkeit von Musik, sondern deren Auswahl die größere Herausforderung darstellte. Für den Audioguide erwiesen sich kurze, prägnante Ausschnitte als besonders geeignet, da sie Aufmerksamkeit erzeugen, ohne den Rundgang unnötig zu verlängern.

Texte
Die Texte für den Audioguide wurden konsequent für das gesprochene Wort geschrieben. Sie sind daher bewusst kurz und klar strukturiert. Ziel war ein Rundgang, der gleichermaßen informiert, unterhält und zum eigenen Entdecken anregt. Ein Beispiel bietet die Station „Fenster zum Konzertsaal“, woran sich eine Aufnahme des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule anschließt:
„Von hier aus blicken Sie direkt ins Herzstück des FILUM: Unseren Konzertsaal mit 258 Sitzplätzen, ausgezeichneter Akustik und modernster Technik. Jährlich finden hier rund 150 Veranstaltungen statt – von Klassenvorspielen bis zu Orchesterkonzerten. Schließen Sie für einen Moment die Augen – sitzen Sie im Publikum oder stehen Sie auf der Bühne? Spüren Sie den Klang?“
Die Konzentration auf ein kleines Redak­tionsteam erwies sich als sinnvoll. Dadurch konnten Sprachstil, Länge und Ansprache über alle Stationen hinweg konsistent gehalten werden. Gleichzeitig zeigte sich, dass die Begrenzung der Textlänge eine der größten Herausforderungen darstellte. Erste Fassungen fielen häufig zu ausführlich aus und mussten konsequent gekürzt werden, um den Charakter eines kurzweiligen Rundgangs zu bewahren.

Zielgruppen
Bereits während der Konzeptionsphase stellte sich die Frage, wie Kinder angesprochen werden können, die den Audioguide nicht selbstständig nutzen. Daraus entstand die Idee zusätzlicher Spielstationen, die Wartezeiten im Gebäude aktiv gestalten und Familien ein gemeinsames Erleben ermöglichen: Die „Notenwege“ laden ein, den Raum in Bewegung zu erkunden, während das Spiel „Klangfarben“ es ermöglicht, eigene Assoziationen zu einem Musikstück mit bunten Fäden zu gestalten. Das Spiel „Sehen – Spielen – Erinnern“ schult ganz nebenbei und jede Woche aufs Neue die Merkfähigkeit und Benennung von Instrumenten.

Teamarbeit als Grundlage

Entscheidend für die Umsetzung des Audioguides war die Zusammenarbeit in einem engagierten Team. Ein Großteil der benötigten Kompetenzen war bereits im Kollegium vorhanden, was auch unter finanziellen Gesichtspunkten von Vorteil war. So wurde für das Einsprechen der Texte zunächst über externe Sprecherinnen und Sprecher oder KI-generierte Stimmen nachgedacht. Schließlich entschied sich das Team allerdings bewusst für zwei Stimmen aus dem eigenen Kollegium. Dieser Zugang erwies sich als besonders authentisch und nahbar. Die Aufnahmeleitung und Nachbearbeitung übernahm ebenfalls ein Kollege aus dem Haus. Die Verteilung der Aufgaben entsprechend vorhandenen fachlichen Kompetenzen erwies sich rückblickend als wesentlicher Erfolgsfaktor. Redaktion, Sprecheraufnahmen, Audiobearbeitung und Projektkoordination konnten intern realisiert werden.

Fazit und Ausblick

Die Erfahrungen in Filderstadt zeigen, dass Audioguides nicht nur im Museumskontext funktionieren. Musikschulen verfügen mit ihrer Geschichte, ihren Räumen, Ensembles und Konzerten über zahlreiche erzählenswerte Inhalte. Mit einer webbasierten Lösung lässt sich ein solches Projekt bereits mit überschaubaren Mitteln realisieren. Entscheidend sind weniger technische Speziallösungen als ein klares Konzept, passende Inhalte und die Bereitschaft zur interdisziplinären Zusammenarbeit im Kollegium.

Projektteam
Musikschulleiterin: Katrin Bleier / Sprecherin: Valerie Campbell / Sprecher: Bastian Brugger / Audioaufnahme: Valentin Hansel / Redaktion: Adam Šolta, Valerie Campbell, Jochen Immesberger / Technik und Design: Martin Stratmann

Lesen Sie weitere Beiträge in Ausgabe 5/2026.

Page Reader Press Enter to Read Page Content Out Loud Press Enter to Pause or Restart Reading Page Content Out Loud Press Enter to Stop Reading Page Content Out Loud Screen Reader Support