Schwinge, Ute

Das Kro­ko­dil am Nil

und andere Posaunensongs mit Play-alongs, mit CD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Uetz, Halberstadt 2015
erschienen in: üben & musizieren 3/2016 , Seite 56

Krea­ti­ves und fan­ta­sie­vol­les Unter­richts­ma­te­ri­al für sehr jun­ge Posau­nen­schü­le­rIn­nen fin­det man sel­ten. Ute Schwin­ge, die vor eini­gen Jah­ren mit Block­flö­ten­li­te­ra­tur (Sopran­block­flö­te ler­nen ist cool, Carus) auf sich auf­merk­sam mach­te, legt nun mit Das Kro­ko­dil am Nil 14 Kin­der­lie­der für Posau­ne vor.
Alle Lie­der haben selbst gedich­te­te Tex­te und erzäh­len Frag­men­te klei­ner Geschich­ten, die im Ver­lauf des Hefts immer wie­der auf­ge­grif­fen und fort­ge­führt wer­den. Ergänzt wer­den die­se musi­ka­li­schen Minia­tu­ren mit Gra­fi­ken (in schwarz-weiß), sodass ein Noten­heft mit Bil­der­buch­cha­rak­ter ent­stand.
Das Noten­bild ist über­sicht­lich und erleich­tert durch sei­nen Groß­druck den Zugang zu den größ­ten­teils ein­gän­gi­gen Melo­di­en. Lei­der sind die Hin­wei­se auf die Tracks der bei­gefüg­ten CD so klein und teil­wei­se unsau­ber gedruckt, dass ein Lese­an­fän­ger die­se, wie auch die Stich­no­ten zum Intro der Play-alongs, kaum wird ent­zif­fern kön­nen.
Die ers­ten drei Stü­cke bewe­gen sich sehr sim­pel und didak­tisch klug gesetzt in ver­schie­de­nen Quart- oder Quint­ton­rah­men, im wei­te­ren Ver­lauf des Hefts geht es vom G bis hin­auf zum d'. Rhyth­misch ver­wen­det Schwin­ge vie­le Kom­bi­na­tio­nen mit Vier­teln, Hal­ben und Gan­zen, spä­ter gesel­len sich punk­tier­te Hal­be und hin und wie­der eine Vier­tel­pau­se dazu. Für die letz­ten Songs soll­ten Ach­tel­no­ten, punk­tier­te Vier­tel und Inter­vall­sprün­ge bis zur Sep­ti­me kein Hin­der­nis dar­stel­len.
Etwas sport­lich hält es die Autorin mit den Vor­zei­chen, denn von vier B bis zu zwei Kreu­zen ist alles dabei. Eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für Anfän­ge­rIn­nen!
Die bei­lie­gen­de CD klingt aller­dings wie neben­bei am Küchen­tisch pro­du­ziert: Schlecht aus­ge­steu­er­te Rhyth­mus­in­stru­men­te klop­fen, kli­cken und ticken zum Syn­the­si­zer-Fagott und eini­gen wei­te­ren bei­na­he nicht zu defi­nie­ren­den digi­ta­len Instru­men­ten­sounds. Die Moti­va­ti­on durch eine sol­che Play-along-CD dürf­te sich sehr in Gren­zen hal­ten und wirft die Fra­ge auf, ob man bei die­ser Aus­ga­be mit einer lie­be­voll gemach­ten Kla­vier­be­glei­tung zu den zwei­fels­frei net­ten Kin­der­lie­dern nicht bes­ser bera­ten gewe­sen wäre. Denn auf die­se Art wären die ver­schie­de­nen Modi und Sti­lis­ti­ken, die Schwin­ge für ihre teils im Ori­ent, teils in der Tier- und Mär­chen­welt spie­len­den hüb­schen Geschich­ten erdacht hat, pla­ka­ti­ver zum Aus­druck gekom­men.
Lei­der feh­len in die­sem Heft nicht nur die Sei­ten­zah­len – auch Bio­gra­fi­sches zu Ute Schwin­ge sucht man ver­ge­bens. Eben­falls ver­misst man ein Vor­wort der Autorin sowie einen Hin­weis auf den Künst­ler oder die Künst­le­rin, der oder die sich für das Titel­bild unter ande­rem ein Blut wei­nen­des, trau­ri­ges Kro­ko­dil mit vio­let­tem Hals­tuch aus­ge­dacht hat. So bleibt Das Kro­ko­dil am Nil ­eine gute Idee mit stark ver­bes­se­rungs­be­dürf­ti­ger Umset­zung!
Kris­tin Thie­le­mann