Treiber-Held, Stephanie

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Bedingen „schwierige Schüler“ und „schwierige Eltern“ einander?

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren 3/2014 , Seite 23

Welchen Anteil haben die Eltern, wenn PädagogInnen durch die Ver­haltensweise bestimmter Schüle­rin­nen und Schüler in Bedrängnis geraten? Genetische und biografische Hintergründe, Resonanz-, Bindungs- und Beziehungserfahrungen sind für die Entwicklung unseres Verhaltens verantwortlich. Doch wie erleben Lehrkräfte den Umgang mit auf­fäl­ligen SchülerInnen und deren Eltern? Und wie könnten Musik­schulen künftig auf veränderte Bedürfnisse reagieren?

Wenn man Päd­ago­gIn­nen fragt, ob sie auch „schwie­ri­ge Schü­ler“ unter­rich­ten, erhält man je nach Per­sön­lich­keit, Hal­tung und Ein­schät­zung des Befrag­ten, der unter­rich­te­ten Dis­zi­plin, der jewei­li­gen Insti­tu­ti­on und vor allem je nach Ein­zugs­be­reich der Lehr­an­stalt die unter­schied­lichs­ten Ant­wor­ten, die von „unbe­dingt“ bis „kommt bei mir nicht vor“ rei­chen. Was ver­steht man im All­ge­mei­nen und im Spe­zi­el­len – ein­ge­grenzt auf Musik­schu­len und den dort statt­fin­den­den Unter­richt – unter „schwie­rig“? Sind Schü­le­rIn­nen des­halb „schwie­rig“, weil sie Schwie­rig­kei­ten machen oder Schwie­rig­kei­ten haben? Ist damit das „schwie­ri­ge Ver­hal­ten“ eines Kin­des gemeint oder viel­mehr sei­ne per­sön­li­che „Schwie­rig­keit“, die bedingt ist durch sein kör­per­li­ches, geis­ti­ges oder see­li­sches Anders­sein?
Ist es die­je­ni­ge Schü­le­rin, die ­wöchent­lich „unge­übt“ im Unter­richt erscheint, oder der Jun­ge, der nicht in der Lage zu sein scheint, die an ihn gestell­ten Anfor­de­run­gen umzu­set­zen? Als Ursa­che hier­für wird dabei häu­fig die so genann­te Aufmerksamkeitshyperak­tivitätsstörung (ADHS) genannt. Die­ses in­zwischen ver­brei­te­te Krank­heits­bild hin­dert Men­schen dar­an, sich zu kon­zen­trie­ren, still zu sit­zen, Auf­ga­ben zu been­den, sozia­le Regeln anzu­er­ken­nen und zu befol­gen und geht sehr häu­fig ein­her mit Lern­stö­run­gen, moto­ri­scher Unge­schick­lich­keit, Distanz­lo­sig­keit und Fehl­ein­schät­zung gefähr­li­cher Situationen.1 Laut Bun­des­ärz­te­kam­mer wur­de die­se Stö­rung im Jahr 2005 bei ca. drei bis fünf Pro­zent der Kin­der und Jugend­li­chen dia­gnos­ti­ziert. Der Bar­mer GEK Arzt­re­port 2013 gibt für das Jahr 2011 bei Per­so­nen im Alter bis 19 Jah­ren eine Dia­gno­se­ra­te von 4,14 Pro­zent an.2

1 www.icd-code.de/icd/code/F90.1.html (Stand: 27.3.2014).
2 www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his= 0.7.47.3161.3162 (Stand: 27.3.2014); www.presse.barmer-gek.de > Info­thek > Stu­di­en und Reports > Arzt­re­port > Arzt­re­port 2013 (sStand: 9.4.2014).

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 3/2014.