Mayer, Tobias Emanuel

Der Bern­stein-Effekt

Klassikstars als Musikvermittler für Jugendliche

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2017
erschienen in: üben & musizieren 1/2018 , Seite 49

Eine Neu­erschei­nung mit dem Urva­ter der Musik­ver­mitt­lung im Titel weckt hohe Erwar­tun­gen. Ob es Leo­nard Bern­stein gefal­len wür­de, Namens­ge­ber für ein Musik­ver­mitt­lungs­mo­dell zu sein, wel­ches in Schu­len soge­nann­te Klas­sik­stars mit Jugend­li­chen punk­tu­ell zusam­men­bringt?
Tobi­as Ema­nu­el May­er hat sich in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on mit Klas­sik­stars als Musik­ver­mitt­lern für Jugend­li­che aus­ein­an­der­ge­setzt und schließt anhand der Ana­ly­se exem­pla­ri­scher Schul­be­su­che eine For­schungs­lü­cke in die­sem Bereich. May­er stellt sich die Fra­ge, ob Klas­sik­stars durch einen ein­zi­gen Schul­be­such bei den Schü­le­rin­nen und Schü­lern Inter­es­se für Klas­sik her­vor­ru­fen kön­nen. Er bezieht sich dabei vor allem auf das Pro­jekt „Rhaps­o­dy in School“, wel­ches 2016 bereits sein zehn­jäh­ri­ges Bestehen fei­er­te. Auch die Ziel­grup­pe, die hier behan­delt wird, ist hoch­in­ter­es­sant für den Musik­ver­mitt­lungs­be­reich, da sie in der Fach­li­te­ra­tur bis­her wenig Beach­tung fin­det und doch für eine so auf­re­gen­de und sen­si­ble Lebens­pha­se steht. Scha­de also, dass die Jugend­li­chen auf dem Titel­bild des Buchs kei­nen Platz fan­den.
Die Publi­ka­ti­on glie­dert sich in einen Grund­la­gen­teil, einen detail­lier­ten Ergeb­nis­teil und einen Sta­tis­tik­teil. Da es sich um eine For­schungs­ar­beit han­delt, legt der Autor viel Wert auf Beschrei­bun­gen sei­ner Struk­tu­ren, Vor­ge­hens­wei­sen sowie Details und Aus­wer­tun­gen sei­ner Ana­ly­sen. Die Glie­de­rung mit Unter­ti­teln und Zwi­schen­über­schrif­ten ist manch­mal ver­wir­rend.
Inhalt­lich wer­den zunächst kur­ze Ein­ord­nun­gen rund um den Musik­ver­mitt­lungs­be­griff selbst, das Berufs­feld, Leo­nard Bern­stein bis hin zu Jugend­li­chen als Ziel­pu­bli­kum for­mu­liert. Lesens­wert sind vor allem die Her­lei­tung und der Gen­re­ver­gleich des Phä­no­mens Star. Mar­ke­ting, Iden­ti­fi­ka­ti­on, Publi­kums­kon­takt und Pro­jek­ti­ons­flä­chen spie­len hier eine gro­ße Rol­le und den­noch sei es wie in der Reli­gi­on, dass gewis­se Geheim­nis­se und Phä­no­me­ne rund um den Star unent­schlüs­selt blei­ben.
„Wie ver­schwin­det das Podest? Durch die per­sön­li­che Begeg­nung mit Musik!“ May­er kommt immer wie­der auf sei­ne Aus­gangs­fra­ge zurück und ver­liert gleich­zei­tig sei­ne vier exempla­rischen Klas­sik­stars Dani­el Mül­ler-Schott, Mar­tin Stadt­feld, Evge­nia Rubi­no­va und Ara­bel­la Stein­ba­cher nie aus dem Blick. Auch der Kon­text Musik­un­ter­richt wird berück­sich­tigt, denn er spielt eine wich­ti­ge Rol­le dar­in, den Bern­stein-Effekt nach­hal­tig wir­ken zu las­sen.
Der umfang­rei­che Ergeb­nis­teil der Schul­be­su­che lie­fert inter­es­san­te, wenn auch nicht wirk­lich über­ra­schen­de Ergeb­nis­se. Der Musi­ker zum Anfas­sen? Die Kraft der Musik? Eine gelun­ge­ne Mode­ra­ti­on? Wer tie­fer in die Fra­ge ein­stei­gen möch­te, wel­che Fak­to­ren gelun­ge­ne Musik­ver­mitt­lung für Jugend­li­che ansto­ßen kön­nen, soll­te sich in die­se Stu­die ver­tie­fen.
Eva-Maria Kös­ters