Bleyl, Frieder / Gaby Grest

Der gro­ße ­Trom­mel­wir­bel

Wege zum Groove für alle. Ein Lehrwerk für den Percus­sionunterricht, mit DVD

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Klett/Kallmeyer, Seelze 2018
erschienen in: üben & musizieren 2/2019 , Seite 59

Men­schen jeden Alters aus ver­schie­de­nen Län­dern, mit oder ohne musi­ka­li­sche Vor­bil­dung, kom­men zusam­men und kön­nen sofort gemein­sam musi­zie­ren. Das klingt uto­pisch, kann aber Rea­li­tät wer­den, z. B. in den Per­cus­sionkur­sen, die Gaby Grest und Frie­der Bleyl seit vie­len Jah­ren allei­ne oder gemein­sam lei­ten. Ihre tromm­le­ri­sche Arbeit in Schu­le und Leh­rer­aus­bil­dung bün­deln sie nun in einer neu­en Publi­ka­ti­on, deren Band­brei­te von musik­di­dak­ti­schen und metho­di­schen Leit­li­ni­en für den Per­cussionunterricht über Ensemb­leleitung und die Ver­mitt­lung von Spiel­tech­ni­ken bis zu 15 aus­ge­feil­ten und sehr pra­xis­na­hen Lie­dern und Trom­mel­stü­cken ver­schie­de­ner Kul­tu­ren reicht.
Was in der kur­zen Beschrei­bung hier womög­lich tro­cken klingt, ist ein aus­ge­spro­chen leben­di­ges und anre­gen­des Kon­zept, ein didak­tisch-künst­le­ri­sches Best of Per­cus­sion. Alles ist logisch auf­ge­baut und berei­tet bei der Umset­zung viel Ver­gnü­gen, das spürt man schon beim Lesen. Und spä­tes­tens beim Spie­len und Sin­gen der klei­nen Songs am Kla­vier ver­stärkt sich das Krib­beln in den Fin­gern, mög­lichst schnell will ich mit Fami­lie und Freun­den los­le­gen. Aber es geht nicht nur um den Spaß, neben­bei wird auch inter­kul­tu­rell gelernt, inte­griert und ganz hand­fest musi­ka­lisch gear­bei­tet. Wie z. B. ver­hin­de­re ich, dass mei­ne Trom­mel­trup­pe immer schnel­ler wird? Viel­leicht durch den Hin­weis, sich eine Kara­wa­ne vor­zu­stel­len, die nach einem lan­gen Wüs­ten­weg schon etwas müde ist – so lau­tet einer der unzäh­li­gen und sehr pra­xis­na­hen didak­ti­schen Tipps.
Frie­der Bleyl und Gaby Grest haben in ihrem Band wirk­lich an alles gedacht. Die Noten der Begleit­stim­men z. B. für ein B-Ins­t­ru­ment sind auf der DVD zu fin­den, Hil­fe für den Über­gang in einen ande­ren Form­teil gibt es in einem klei­nen Kata­log mit ein­leuch­ten­den Spiel­zei­chen. Beson­ders schön und sinn­fäl­lig: Zwei inein­an­der­grei­fen­de Hän­de mar­kie­ren den Start für einen Uni­so­no-Break, der Gemein­sam stark heißt.
Der Klap­pen­text ver­spricht nicht zu viel. Der gro­ße Trom­mel­wir­bel ist inspi­rie­rend und zeigt viel­fäl­ti­ge metho­di­sche Zugän­ge zum gemein­sa­men Musi­zie­ren einer wie auch immer gear­te­ten Grup­pe. Ihm ist ein gro­ßer Erfolg zu wün­schen, weit über die vom Schul­buch­ver­lag Klett womög­lich ursprüng­lich ange­peil­ten Schul­for­men hin­aus. Das Kon­zept ist auf der einen Sei­te nie­der­schwel­lig und nahe­zu vor­aus­set­zungs­los zu rea­li­sie­ren und damit ide­al für alle Musik- und Volks­hoch­schu­len, für Kin­der­gär­ten und -hor­te. Auf der ande­ren Sei­te pro­fi­tie­ren aber auch fort­ge­schrit­te­ne Trom­mel­grup­pen oder Musik­stu­die­ren­de. Letz­te­re wer­den hier nicht nur das Leh­ren ler­nen, son­dern auch für sich und ihre eige­ne musi­ka­li­sche Ent­wick­lung vie­le Anre­gun­gen bekom­men. So stel­le ich mir eine idea­le päd­ago­gi­sche Situa­ti­on vor: Alle ler­nen – und das mit Spaß. Der gro­ße Trom­mel­wir­bel ist ein ech­ter Glücks­fall.
Ste­phan Fro­leyks