Bach, Johann Sebastian

Die Block­flö­ten­par­ti­en der Vokal­wer­ke

hg. von Klaus Hofmann und Peter Thalheimer, 4 Bände, Stuttgarter Bach-Ausgaben, Urtext

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Carus, Stuttgart 2018
erschienen in: üben & musizieren 1/2019 , Seite 58

So bedau­er­lich es ist, dass Johann Sebas­ti­an Bach kei­ne Sona­ten oder Par­ti­ten für Block­flö­te hin­ter­las­sen hat, war der Tho­mas­kan­tor der Block­flö­te doch nicht abge­neigt; setz­te er sie doch in vie­len sei­ner Instru­men­tal- und ins­be­son­de­re auch Vokal­wer­ke in ent­schei­de­ner Posi­ti­on und fast immer als Solo­instrument ein. Das Pro­blem war bis­lang nur: Wäh­rend pro­fes­sio­nel­le Block­flö­tis­tIn­nen ihr Noten­ma­te­ri­al bei Auf­füh­run­gen ja gewöhn­lich gestellt bekom­men, bestand für Ama­teu­re, die sich inten­si­ver mit den Bach’schen Wer­ken befas­sen woll­ten, eine Schwie­rig­keit oft genug dar­in, sich die Stim­men all die­ser Stü­cke ein­zeln zusam­men­zu­kau­fen. Doch dem ist mit die­ser Aus­ga­be des Carus-Ver­lags nun Abhil­fe geschaf­fen, zumin­dest was die Vokal­wer­ke betrifft: In vier Bän­den sind dort die Block­flö­ten­stim­men sämt­li­cher Bach’scher Kan­ta­ten und Ora­to­ri­en erschie­nen, im Urtext und in aus­ge­spro­chen luxu­riö­ser Aus­füh­rung.
In den ers­ten drei Bän­den fin­den sich die Noten der ein bis drei Block­flö­ten­stim­men in der Rei­hen­fol­ge des Bach­wer­ke­ver­zeich­nis. Im vier­ten Band sind dann die Kom­men­ta­re zu all den Wer­ken ver­sam­melt, die jeweils über Ent­ste­hung und Anlass (soweit bekannt) des Werks infor­mie­ren, außer­dem über die für die Aus­ga­be ver­wen­de­ten Quel­len, über Fra­gen der Edi­ti­on, aber auch über auf­füh­rungs­prak­ti­sche und spiel­tech­ni­sche Aspek­te sowie sons­ti­ge Aus­ga­ben der Wer­ke. Damit kann die­se Aus­ga­be im Zwei­fels­fall nicht nur zum Üben und Auf­füh­ren die­ser Wer­ke die­nen, son­dern auch zum Nach­schla­gen und zur Infor­ma-tion über Bachs Umgang mit der Block­flö­te im All­ge­mei­nen.
Mit einem aus­führ­li­chen Text zu den von Bach ver­wen­de­ten Inst­rumenten (mit Griff­vor­schlä­gen für kri­ti­sche Töne!) und eben­falls recht umfang­rei­chen Ein­las­sun­gen zur Quel­len­la­ge, zu Les­ar­ten, Stimm­tö­nen und wei­te­ren auf­füh­rungs­prak­ti­schen Beson­der­hei­ten der Wer­ke ver­mit­telt auch die Ein­füh­rung zu die­sem Band schon sehr tief­ge­hen­de Kennt­nis­se über die Kom­po­si­tio­nen und ins­be­son­de­re die Inter­pre­ta­ti­on der Block­flö­ten­stim­men.
Die druck­tech­ni­sche Gestal­tung der Stim­men lässt nichts zu wün­schen übrig: Das gro­ße, kla­re Noten­bild, die blät­ter­freund­li­che Auf­tei­lung der Sys­te­me, die sta­bi­le Klam­me­rung der Hef­te, die leich­tes Zuschla­gen ver­hin­dert, machen es leicht, sich ganz auf die Musik zu kon­zen­trie­ren.
Vie­le der Bach’schen Blockflöten­partien sind zwar nicht für Anfän­ge­rIn­nen geeig­net. Aber wenn man die Stü­cke hier so direkt durch­blät­tern kann, fällt einer erfah­re­nen Lehr­per­son dann viel­leicht doch die eine oder ande­re Num­mer auf, die auch für tech­nisch noch nicht ganz so ver­sier­te Spie­le­rIn­nen mach­bar wäre – und in ihrer Genia­li­tät jene mög­li­cher­wei­se auf eine Wei­se moti­viert, wie es 32 didak­tisch sinn­vol­le Übungs­stü­cke aus einer Flö­ten­schu­le nicht ver­möch­ten!
Andrea Braun