Hoder, Katja

Die pri­ma Gitarrenschule

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Uetz, Halberstadt 2014
erschienen in: üben & musizieren 6/2015 , Seite 59

Im Vor­wort von Kat­ja Hoders Schul­werk heißt es: „Die ,pri­ma‘ Gitar­ren­schu­le ist ein moder­nes Werk für Schü­ler ab ca. 7 Jah­ren.“ Beson­ders modern ist der Ansatz der in Wei­mar aus­ge­bil­de­ten Gitar­ris­tin aber nicht, son­dern ori­en­tiert sich am Auf­bau diver­ser klas­si­scher Gitar­ren­schu­len von Heinz Teu­chert bis Cees Har­tog. Nach ers­ten Übun­gen mit Leer­sai­ten fol­gen ein­fa­che Melo­dien in der ers­ten Lage. Die­se bestehen über­wie­gend aus Volks- und Kin­der­lie­dern, die man bereits in den 1950er Jah­ren ver­wen­det hat. Hat der Schü­ler alle Noten in C‑Dur in der ers­ten Lage gelernt, folgt das zwei­stim­mi­ge Spiel: zuerst mit Leer­sai­ten als Bass­ton, dann mit gegrif­fe­nen Tönen.
Zu den Volks- und Kin­der­lie­dern gesel­len sich nun ver­mehrt klas­si­sche Stü­cke und ame­ri­ka­ni­sche Folk­lo­re wie Tom Doo­ley. Am Ende fin­det man eine Über­sicht über die gän­gi­gen offe­nen Akkor­de und diver­se Anschlags­mus­ter, um sie zur Lied­be­glei­tung einzusetzen.
Vom päd­ago­gi­schen Auf­bau gibt es nichts ein­zu­wen­den gegen den Ansatz von Kat­ja Hoder. Genau wie bei den Vor­bil­dern Teu­chert und Har­tog stei­gert sich der Schwie­rig­keits­grad lang­sam. Der Schü­ler lernt nach und nach neue Töne und Tech­ni­ken, die dann in Stü­cken ange­wen­det wer­den. Am Ende des Lehr­gangs ist man in der Lage, ein­fa­che Melo­dien und simp­le zwei­stim­mi­ge Stü­cke zu spie­len, und beherrscht grund­le­gen­de Tech­ni­ken der klas­si­schen Gitar­re vom ange­leg­ten Wech­sel­schlag bis zur Akkordzerlegung.
Ob sich heu­ti­ge Jugend­li­che aller­dings von der Song­aus­wahl und der recht nüch­ter­nen gra­fi­schen Gestal­tung ange­spro­chen füh­len, wage ich zu bezwei­feln. Moder­ne Unter­richts­tech­ni­ken wie eine Playa­long-CD, Tabu­la­tur­schreib­wei­se oder Akkord­be­glei­tun­gen zu den Kin­der­lie­dern feh­len völ­lig. Auch Melo­dien aus Rock/Pop oder Musi­cal­songs glän­zen mit Abwe­sen­heit. Um die­sen sti­lis­ti­schen Ansatz mit der Hör­erfah­rung von Kin­dern zusam­men­zu­brin­gen, bedarf es schon einer eher abs­trak­ten Begeis­te­rung für das Gitar­re­spie­len im Allgemeinen.
Selbst die Eltern heu­ti­ger 8‑Jähriger dürf­ten Stü­cke wie Schlaf Kind­lein Schlaf oder Es tanzt ein Bi Ba But­ze­mann als anti­quiert emp­fin­den und gera­de das Akkord­spiel kann an span­nen­de­ren Songs als Mein Hut der hat drei Ecken geübt wer­den. In Hoders Musik­welt wird die kom­plet­te Pop- und Rock­mu­sik aus­ge­blen­det. Das mag mit sehr klei­nen Kin­dern bis zum Alter von acht Jah­ren funk­tio­nie­ren, dürf­te aber beson­ders bei Teen­agern schnell Lan­ge­wei­le hervorrufen.
Die pri­ma Gitar­ren­schu­le ist kein päd­ago­gisch schlecht auf­ge­bau­tes Unter­richts­werk, hin­ter­lässt aber einen leicht ange­staub­ten Ein­druck, was die Song­aus­wahl und gra­fi­sche Prä­sen­ta­ti­on angeht, und dürf­te somit nur für sehr klas­sisch ori­en­tier­te Eltern und Schü­ler inter­es­sant sein.
Mar­tin Schmidt