Rolf, Christian

Die Schu­le der Klassikgitarre

Die Gitarrenschule für den späten Unterrichtsbeginn, mit Audio-Downloads

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Acoustic Music/Fingerprint, Osnabrück 2020
erschienen in: üben & musizieren 5/2021 , Seite 61

Ein Merk­mal von Gitar­ren­schu­len ist, dass bestimm­te Kin­der- und Volks­lie­der aus aller Welt immer wie­der neu arran­giert erschei­nen. Man­ches hat sich bewährt, man­ches mag man als Gitar­ren­leh­rer nach vie­len Unter­richts­jah­ren schlicht­weg nicht mehr hören. Chris­ti­an Rolf geht hier einen erfri­schend neu­en Weg. Er wen­det sich an Schü­le­rin­nen und Schü­ler im fort­ge­schrit­te­nen Alter, lässt die erwähn­ten Kin­der- und Volks­lie­der und auch die Lied­be­glei­tung außen vor und prä­sen­tiert stattdes­sen aus­schließ­lich Eigen­kom­po­si­tio­nen, die er selbst als Stim­mungs­bil­der bezeich­net. Die ins­ge­samt 36 Stü­cke sind tonal mit offe­nen Klän­gen und bil­den neu­es Unter­richts­ma­te­ri­al mit reiz­vol­len Har­mo­nie­fol­gen wie etwa in Eine Nacht in Jaisal­mer, Wan­dern in Pak­le­ni­ca oder mit einer ori­en­ta­li­schen Ton­lei­ter in Mit Rocket durch die Wüs­te Thar.
Ein wei­te­rer Vor­teil die­ser Schu­le ist ihr didak­ti­scher Auf­bau. Man merkt dem Autor sei­ne lang­jäh­ri­ge Unter­richts­er­fah­rung an: klei­ne Lern­schrit­te, alles baut auf­ein­an­der auf. Solan­ge der Schü­ler oder die Schü­le­rin ein­stim­ming spielt, ergänzt die Lehr­kraft eine zwei­te Stim­me. Hier ste­hen zwei Vari­an­ten zur Ver­fü­gung: ein­mal eine aus­kom­po­nier­te Stim­me und ein­mal Akkord­sym­bo­le, die die Lehr­kraft frei umset­zen kann.
Auch das Vor­an­schrei­ten in Ton­ar­ten, bei denen zunächst die Ton­lei­ter und anschlie­ßend ein Stück in die­ser Ton­art gespielt wird, ist eine sinn­vol­le Idee. Man­ches geht aber doch arg schnell: Die schwie­rig zu lesen­den Bass­tö­ne auf den drei tie­fen Sai­ten, immer­hin neun neue Töne, wer­den auf weni­gen Sei­ten bespro­chen; die Ein­füh­rung der punk­tier­ten Ach­tel mit nach­fol­gen­der Sech­zehn­tel geschieht gleich­zei­tig mit der Ein­füh­rung von Sech­zehn­tel­no­ten und zusätz­lich dem ers­ten B‑Vorzeichen. Das nach­fol­gen­de Stück kom­bi­niert die punk­tier­te Ach­tel direkt noch mit einem Haltebogen.
Die Über­sicht aller Kreuz- und B‑Tonarten mit jewei­li­ger Ton­lei­ter steht iso­liert da. Wenn schon die­se Über­sicht, war­um nicht als Anwen­dung ein paar klei­ne Stü­cke in B- oder H‑Dur anbie­ten? Bei der Ein­füh­rung der gegrif­fe­nen Ober- und Unter­stim­me beginnt Rolf direkt mit der für vie­le Schü­le­rin­nen und Schü­ler schwie­ri­gen Sprei­zung von 3. und 4. Fin­ger. Das Heft ist gra­fisch über­sicht­lich gestal­tet und nicht über­la­den. MP3-Datei­en in gut spiel­ba­ren Tem­pi las­sen sich online herunterladen.
Rolfs Kon­zept führt natür­lich zu einer gewis­sen sti­lis­ti­schen Gleich­heit. Gera­de für die anvi­sier­te Ziel­grup­pe der Jugend­li­chen und Erwach­se­nen hät­te der eine oder ande­re Hit aus Barock, Klas­sik oder Roman­tik inte­griert wer­den kön­nen, zumal die Ziel­set­zung der Schu­le ja die Klas­sik­gi­tar­re ist. Das Heft endet mit dem zwei­stim­mi­gen Spiel bei gegrif­fe­ner Unter- und Ober­stim­me. Hof­fen wir auf einen zwei­ten Band und auf Rolfs Lösung, wie er in klei­nen Lern­schrit­ten von dort zu Akkord­zer­le­gun­gen weiterschreitet.
Jörg Jewanski