Preußer, Elmar

Duo-Schatz­kis­te

Originalwerke von der Barockzeit bis zur Moderne für 2 Violoncelli

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2013
erschienen in: üben & musizieren 1/2014 , Seite 56

Schatz­kis­ten brin­gen es mit sich, dass man vor dem Öff­nen ihren Inhalt nicht kennt. Es kön­nen sich wert­vol­le Über­ra­schun­gen, aber auch Ent­täu­schun­gen dar­in ver­ber­gen. Elmar Preu­ßers Duo-Schatz­kis­te ver­spricht im Vor­wort viel: Die Samm­lung von Cel­lo­du­os aus fünf Jahr­hun­der­ten soll anhand von Stü­cken unter­schied­li­cher Musik­sti­le das Lagen­spiel ver­tie­fen und eine will­kom­me­ne Ergän­zung zur jeweils ver­wen­de­ten Cel­lo­schu­le bil­den.
Eine Duo­samm­lung ist unbe­strit­ten von gro­ßem Wert für den ­Instru­men­tal­un­ter­richt. Das Ensem­ble­spiel von Anfang an legt eine wich­ti­ge Grund­la­ge in der musi­ka­li­schen Aus­bil­dung und erhöht die Musi­zier­freu­de. Preu­ßers Duo-Schatz­kis­te bie­tet ­hier­für eine prak­ti­sche und er­schwing­liche Fund­gru­be unter­schied­li­cher Stü­cke. Mit Hil­fe von aus­ge­wähl­ter Lite­ra­tur wer­den das Lagen­spiel und der Wech­sel zwi­schen den ver­schie­de­nen Posi­tio­nen geübt und gefes­tigt. Ent­hal­ten sind Kom­po­si­tio­nen, die sys­te­ma­tisch für das Spiel in der 1. bis zur 4. Lage geord­net und somit in ver­schie­de­nen Leis­tungs­stu­fen ein­setz­bar sind. Die Sor­tie­rung rich­tet sich dabei nach der ers­ten, melo­die­füh­ren­den Stim­me. Das zwei­te Cel­lo über­nimmt oft das har­mo­ni­sche und rhyth­mi­sche Gerüst, ist aber durch­aus attrak­tiv zu spie­len.
Etwas irre­füh­rend wirkt der Unter­ti­tel „Ori­gi­nal­wer­ke von der Barock­zeit bis zur Moder­ne“, da nicht nur Ori­gi­nal­kom­po­si­tio­nen für zwei Cel­li, son­dern auch Bear­bei­tun­gen ent­hal­ten sind. Die Aus­wahl ist nicht gleich­ge­wichtig über die Jahr­hun­der­te ver­teilt. Schwer­punk­te lie­gen im Bereich des Barock und vor allem der Klas­sik, zu deren Zeit vie­le Cel­lis­ten wie etwa Jean-Bap­tis­te Bré­val oder Joseph Reinag­le Duos für ihr eige­nes Inst­rument kom­po­niert haben.
Sti­lis­tisch wirkt die Aus­wahl bis­wei­len ein­sei­tig und trifft viel­leicht nicht unbe­dingt den Geschmack aller jun­gen Cel­lis­tIn­nen. Ange­spro­chen wer­den sie dage­gen sicher durch die ver­hält­nis­mä­ßig vie­len Stü­cke von Gabri­el Koep­pen (*1958). Sei­ne meist swin­gen­den, manch­mal gar „rocki­gen“ Kom­po­si­tio­nen zeu­gen von päd­ago­gi­schem Geschick und Ein­falls­reich­tum und sind im Unter­richt beliebt. Auch die Duos von Béla Bar­tók, im Ori­gi­nal für zwei Vio­li­nen geschrie­ben, fin­den durch ihren beson­de­ren Cha­rak­ter oft Zuspruch bei den Schü­le­rIn­nen.
Detail­lier­te Anga­ben über die ein­zel­nen Quel­len der Repertoire­sammlung lie­fern inter­es­sier­ten Cel­lis­tIn­nen einen schnel­len Zugang zu wei­ter­füh­ren­der Duo­literatur. Der meist auf­fal­lend gro­ße Druck der Kom­po­si­tio­nen ermög­licht zudem ein ent­spann­tes Musi­zie­ren an einem Noten­stän­der.
In Elmar Preu­ßers Duo-Schat­z­­kis­te ver­birgt sich eine loh­nen­de Reper­toiresamm­lung, die viel­sei­tig ein­setz­bar ist und den Lehr­kräf­ten man­ches Gra­ben nach pas­sen­der Lite­ra­tur erspart. Etwas mehr Varia­ti­on und Viel­falt auch inner­halb der musi­ka­li­schen Epo­chen wäre wün­schens­wert gewe­sen.
Anna Catha­ri­na Nimcz­ik