Knodt, Peter

Ein­bli­cke – Per­spek­ti­ven

Videoreflexion von Instrumental- und Gesangsunterricht. Ein Leitfaden, mit DVD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2017
erschienen in: üben & musizieren 2/2019 , Seite 52

End­lich ein Buch mit brauch­ba­ren Video­do­ku­men­ta­tio­nen von Instru­men­tal- und Gesangsunter­richt. Und zwar nicht mit Best-Prac­tice-Bei­spie­len oder einem bestimm­ten inhalt­li­chen Fokus, son­dern mit Auf­nah­men von „ganz nor­ma­lem“ Unter­richt. Die elf Video­do­ku­men­ta­tio­nen sind in der Schweiz, in Öster­reich und Deutsch­land und sowohl in städ­ti­schen als auch länd­li­chen Regio­nen ent­stan­den. Der Unter­richt fand vor­wie­gend in der Musik­schu­le statt, es gibt aber auch Bei­spie­le von Pri­vat­mu­sik­stun­den.
Die Per­sön­lich­kei­ten der Schü­le­rIn­nen und Leh­ren­den sind eben­so wie die Unter­richts­for­men (Ein­zel-, Grup­pen-, Kom­bi-, Part­ner- und Ensem­ble­un­ter­richt) und die Arbeits­ge­bie­te (Inter­pre­ta­ti­on, Impro­vi­sa­ti­on, Kör­per­ar­beit, Tech­nik, gemein­sa­mes Musi­zie­ren, Ear-Trai­ning, Rhyth­mus-Trai­ning etc.) viel­fäl­tig. Zu den gefilm­ten Unter­richts­si­tua­tio­nen bekommt man zahl­rei­che Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen von den jewei­li­gen Leh­ren­den (auf Grund­la­ge von Gesprä­chen und Fra­ge­bö­gen). Wei­ter­hin gibt es fast zu jedem Video einen musik­päd­ago­gi­schen und einen psy­cho­lo­gi­schen Kom­men­tar. Die­se Kom­men­ta­re sind inhalt­lich sehr aus­sa­ge­kräf­tig und sti­lis­tisch beson­ders gut gelun­gen.
Peter Knodt hat es in den musik­päd­ago­gi­schen Kom­men­ta­ren ge­schafft, die Bei­spie­le wert­schät­zend (und nicht bewer­tend) zu beschrei­ben. Er ermög­licht in sei­ner Beschrei­bung viel­fäl­ti­ge Ein­bli­cke und eröff­net mit­hil­fe des metho­di­schen Werk­zeugs der bekann­ten W-Fra­gen diver­se Per­spek­ti­ven auf das Unterrichts­geschehen. Er regt durch sei­ne Tex­te zu dem an, was er als Ziel sei­nes Buchs for­mu­liert: Er möch­te den Leser durch die „Seh­schule“ inspi­rie­ren, bestä­ti­gen, irri­tie­ren und pro­vo­zie­ren. Dazu wer­den ein Leit­fa­den zum Gebrauch der „video­ba­sier­ten Seh­schu­le“ und ein Ana­ly­se-Leit­fa­den mit zahl­rei­chen Refle­xi­ons­auf­ga­ben ange­bo­ten. Ein wei­te­res Kapi­tel behan­delt das The­ma kol­le­gia­ler Koope­ra­ti­on und bie­tet Vor­schlä­ge für Refle­xi­ons­ar­beit z. B. an einer Musik­schu­le.
Ein wenig zu kurz kommt die Behand­lung des musik­päd­ago­gi­schen Selbst­kon­zepts, bil­det es doch die Grund­la­ge jeden musik­päd­ago­gi­schen Tuns bzw. beein­flusst maß­geb­lich das Han­deln und Den­ken der Leh­ren­den. Daher ist es auch höchst inter­es­sant, etwas über die päd­ago­gi­sche Grund­über­zeu­gung des Ver­fassers zu lesen: Er bezeich­net gelun­ge­nen Musik­un­ter­richt als Kunst, nennt als zen­tra­le Zie­le „die Aneig­nung indi­vi­du­ell not­wen­di­gen Wis­sens und Kön­nens und die Ent­wick­lung einer Hal­tung zu dau­er­haf­ter sinn­stif­ten­der musi­ka­li­scher Betä­ti­gung“ sowie „das musi­ka­li­sche und sozia­le Zusam­men­spiel mit ande­ren Men­schen“. Die­se päd­ago­gi­sche Hal­tung liegt allen The­men im Buch zugrun­de.
Das Buch eig­net sich für die Refle­xi­on eige­ner päd­ago­gi­scher Ar­beit genau­so wie für die Refle­xi­on in kol­le­gia­ler Koope­ra­ti­on. Zugleich kann es als wich­ti­ger Impuls­ge­ber im hoch­schul­di­dak­ti­schen Bereich ver­wen­det wer­den.
Bian­ka Wüste­hu­be