© Till Muellenmeister

Krönig, Franz Kasper

Frei­es Musi­zie­ren

Eine inklusive Konzeption zum Musikmachen mit Kindergruppen an Grundschulen

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren 4/2015 , Seite 42

Freies Musizieren klingt zunächst nach Regellosigkeit und Chaos und ruft entsprechend Zweifel und Ängste bei PädagogInnen hervor. Doch mit einem inklusiven Ansatz bietet Freies Musizieren nicht nur für Kinder, sondern auch für die Lehrkräfte die Chance zur persönlichen Weiterentwicklung.

Wenn Kin­der in Schu­le oder Ganz­tags­be­treu­ung über­haupt die Gele­gen­heit erhal­ten, aktiv mit Instru­men­ten Musik zu machen, erfolgt das in der Regel in einem weit­ge­hend geschlos­se­nen, vor­struk­tu­rier­ten, regle­men­tier­ten und stark ange­lei­te­ten Rah­men. Dafür gibt es meh­re­re Grün­de. Auch Päd­ago­gIn­nen, die geneigt sind, Kin­dern ent­de­cken­den und selbst­be­stimm­ten Zugang zu Lern­ge­gen­stän­den und Mate­ria­li­en zu gewäh­ren, haben gute Argu­men­te, bei Musik­in­stru­men­ten eine Aus­nah­me zu machen: Sie sind wert­voll, zer­brech­lich und unter Umstän­den sogar gefähr­lich (man den­ke zum Bei­spiel nur an Ver­let­zun­gen durch rei­ßen­de Gitar­ren­sai­ten, wenn die Kin­der der Ver­su­chung, an den Wir­beln zu dre­hen, die so offen­sicht­lich zum Dre­hen gedacht sind, nicht wider­ste­hen kön­nen). So ist an der Grund­schu­le Har­mo­nie – eine der ganz weni­gen Grund­schu­len in Deutsch­land, an denen Offe­ner Unter­richt prak­ti­ziert wird – der Musik­raum der ein­zi­ge für die Kin­der geschlos­se­ne Raum der Schu­le überhaupt.2
Neben den Gefah­ren für Instru­ment und Kör­per gibt es noch zwei wei­te­re, eben­falls höchst plau­si­ble Grün­de für eine beson­de­re Regle­men­tie­rung des Zugriffs auf Instru­men­te. Eine Grup­pe von Kin­dern in einem Raum mit Instru­men­ten erzeugt einen Lärm, der nicht nur die Nutz­bar­keit benach­bar­ter Räu­me ein­schränkt, son­dern vor allem auch frag­lich wer­den lässt, was die ein­zel­nen Kin­der im Raum über­haupt von ihrer eige­nen Klang­pro­duk­ti­on und der der ande­ren auf­fas­sen kön­nen, ganz zu schwei­gen von der Belas­tung durch den hohen Pegel. Wäh­rend bil­den­de Künst­ler wun­der­bar neben­ein­an­der arbei­ten kön­nen, ohne sich zu stö­ren, liegt bei Musik eine Situa­ti­on vor, die der ver­gleich­bar wäre, wenn Künst­ler mit Feu­er­wehr­schläu­chen ihre Lein­wän­de besprit­zen wür­den und dabei nicht anders könn­ten als in enor­mem Aus­maß die Lein­wän­de der Kol­le­gIn­nen zu tref­fen.

1 Das Kon­zept wur­de sowohl im Rah­men des Pro­jekts „Zusam­men­klang“ der Mon­tag-Stif­tung Jugend und Gesell­schaft ent­wi­ckelt und von meh­re­ren Dozen­tIn­nen an meh­re­ren Schu­len in die Pra­xis umge­setzt als auch im Kon­text des Pro­jekts „MuPro­Man­di“ der Offe­nen Jazz Haus Schu­le vom Autor selbst als Dozent ein­ge­setzt.
2 unver­öf­fent­lich­tes Inter­view von Lin­da Farace mit dem Schul­lei­ter Wal­ter Hövel im Rah­men einer Haus­ar­beit im Stu­di­en­gang Päd­ago­gik der Kind­heit und Fami­li­en­bil­dung an der FH Köln im Som­mer­se­mes­ter 2013.

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 4/2015.