Bartók, Béla

Für Kin­der

Band 1 und 2

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Henle/Editio Musica Budapest, München/Budapest 2017
erschienen in: üben & musizieren 4/2018 , Seite 58

Frü­he eige­ne Begeg­nung am Kla­vier mit Bar­tóks Kla­vier­stü­cken Für Kin­der in der Aus­wahl von Erich Dof­lein, spä­ter als Kla­vier­päd­ago­gin Ver­wen­dung der revi­dier­ten voll­stän­di­gen Aus­ga­be in zwei Bän­den der Hef­te I bis IV: Das ist der übli­che Zugriff auf die­se Samm­lung Bartók’scher unga­ri­scher und slo­wa­ki­scher Volks­lied­be­ar­bei­tun­gen in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten. Nach Ablauf der Schutz­frist auf Bar­tóks Œuvre erar­bei­te­te der Hen­le-Ver­lag in Zusam­men­ar­beit mit Edi­tio Musi­ca Buda­pest nun eine Urtext­aus­ga­be.
Die vor­lie­gen­de Aus­ga­be, heraus­gegeben von László Viká­ri­us und Vera Lam­pert, beruht auf der vom Bar­tók-Archiv der Unga­ri­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten edier­ten Kri­ti­schen Gesamt­aus­ga­be Béla Bar­tóks der­sel­ben Her­aus­ge­ber und folgt der vom Kom­po­nis­ten im Jahr 1943 für eine Neu­aus­ga­be (die erst nach sei­nem Tod 1946 erschien) revi­dier­ten Fas­sung der Erst­aus­ga­be, die zwi­schen 1909 und 1911 in vier Hef­ten ver­öf­fent­licht wor­den war. Die Edi­ti­on nimmt im Anhang gestri­che­ne Stü­cke und Vari­an­ten aus der Früh­fas­sung sowie zwei Trans­kriptionen von Bar­tók im Kon­zert gespiel­ter und zur Stei­ge­rung der Wir­kung auf­ge­pepp­ter Stü­cke auf.
Im Kom­men­tar erfährt man Wis­sens­wer­tes über Tem­pi und Met­ronomangaben, die en gros erst der revi­dier­ten Fas­sung bei­gefügt wur­den. Tabel­la­ri­sche Tem­po­ver­glei­che mit Bar­tóks eige­nen Ein­spie­lun­gen bestä­ti­gen sei­ne Tem­po­an­ga­ben, zei­gen aber auch Abwei­chun­gen auf.
Inter­es­sant auch Beson­der­hei­ten der Vor­zei­chen­set­zung: Wur­de in der Früh­aus­ga­be auf Gene­ral­vor­zei­chen ganz ver­zich­tet, ist in der revi­dier­ten Aus­ga­be zu beob­ach­ten, dass z. B. das gene­rel­le Vor­zei­chen für Fis im Vio­lin­schlüs­sel nicht auf der 5. Linie gesetzt wird, wenn der Ton in die­ser Lage nicht vor­kommt, statt des­sen im ers­ten Zwi­schen­raum – eine sehr kind­ge­rech­te Ges­te!
Auch die Erläu­te­run­gen zu Bar­tóks fein abge­stuf­ten Arti­ku­la­tio­nen und Akzen­ten, modi­fi­zier­ten Trenn­zei­chen (Kom­ma­ta, Fer­ma­ten, Pau­sen über dem Takt­strich), prä­zi­sen Pedal­zei­chen, mit Bedacht für die Kin­der­hand ein­ge­rich­te­ten Fin­ger­sät­zen sowie die Ver­mei­dung von Oktav­span­nun­gen füh­ren sein Anlie­gen, pia­nis­tisch fun­die­ren­de sowie musi­ka­lisch loh­nen­de und anspre­chen­de Kla­vier­stü­cke für Kin­der zu schaf­fen, vor Augen.
Die spo­ra­disch ein­ge­füg­te Anga­be attac­ca regt an, klei­ne Sui­ten für den Vor­trag zu bil­den. Bar­tók selbst nahm die Stü­cke in sein Kon­zert­re­per­toire auf und füg­te klei­ne­re oder grö­ße­re Grup­pen als Aus­wahl in sei­ne Pro­gram­me ein.
Die kla­vier­päd­ago­gi­sche Bedeu­tung und Meis­ter­schaft der Samm­lung in der Nach­fol­ge von Bach und Schu­mann muss man nicht beto­nen. Die­se vor­bild­li­che, erschwing­li­che Urtext­edi­ti­on ist jeden­falls ein Muss! Wenn auch die Rezen­sen­tin das Weg­las­sen der Lied­tex­te bedau­ert, wel­che der gän­gi­gen revi­dier­ten Aus­ga­be – ver­mut­lich von Ver­lags­sei­te – in Deutsch und in den Ori­gi­nal­spra­chen ange­fügt waren.
Maria Zeid­ler-Kröll