Groß, Franziska
Gesundes Musizieren
5. Forum „Musik & Medizin“ Schloss Kapfenburg
Das 5. Forum Schloss Kapfenburg „Musik & Medizin“ machte eindrucksvoll deutlich, dass Musik, Gesundheit und wissenschaftliche Erkenntnisse eng miteinander verbunden sind. Die Vorträge und Diskussionen lieferten wertvolle Impulse für den musikalischen Alltag und unterstrichen die Bedeutung eines interdisziplinären Austauschs zwischen Forschung und Praxis.
Clemens Wöllner (Hochschule für Musik Freiburg) eröffnete das Forum. In seinem Vortrag zur Psychologie des Übens ging er der Frage nach, wie musikalisches Lernen möglichst effektiv gestaltet werden kann. Anhand wissenschaftlicher Erkenntnisse beleuchtete er drei verschiedene Methoden: langsames Üben, mentales Training und differenzielles Lernen. Dabei zeigte Wöllner auf, welche Rolle Aufmerksamkeit, Gedächtnis und mentale Vorstellungen für den Lernerfolg spielen und wie sich diese Erkenntnisse auf Unterricht und musikalische Praxis übertragen lassen.
Im Anschluss nahm Franziska Lauter die Teilnehmenden mit in die Welt der musikalischen Kreativität. Die Psychologin, Musikerin und Mitbegründerin von „Mental Health in Music“ stellte aktuelle Forschungsergebnisse zur musikalischen Persönlichkeit und zum kreativ arbeitenden Gehirn vor. Sie erläuterte, welche Eigenschaften kreative Menschen häufig auszeichnen, wie musikalische Aktivitäten die Persönlichkeitsentwicklung beeinflussen und welche positiven Effekte Musizieren auf Gehirn und Gesundheit haben kann. Eine erste Diskussionsrunde bot den rund 60 Teilnehmenden die Gelegenheit, die vorgestellten Inhalte gemeinsam zu reflektieren sowie ihre unterschiedlichen Perspektiven aus Wissenschaft und Praxis einzubringen.
Annette Limberger, wissenschaftliche Leiterin des Forums, widmete sich der Frage, wie Musik die Sprachentwicklung von Kindern unterstützen kann. So zeigen aktuelle Forschungsergebnisse, dass Rhythmus, gemeinsames Singen und musikalische Förderung die sprachliche Entwicklung positiv beeinflussen können. Für neue Energie sorgte im Anschluss das „Tagungsfit“, bei dem die Teilnehmenden durch Bewegungs-, Dehn- und Mobilisationsübungen einen aktiven Ausgleich zum Sitzen erhielten.
Fabian Sternkopf vom Institut für Musikphysiologie und Musikermedizin in Hannover sprach über ein Thema, das viele Musizierende aus eigener Erfahrung kennen: Schmerzen beim Musizieren. Der Neurowissenschaftler erläuterte aktuelle Erkenntnisse zur Entstehung und Verarbeitung von Schmerzen. Dabei zeigte er auf, weshalb Musizierende für die Schmerzforschung eine besonders interessante Untersuchungsgruppe darstellen. Neben neuronalen Aspekten wurden auch psychosoziale Einflussfaktoren und Präventionsmöglichkeiten diskutiert.
Den Abschluss der Vortragsreihe gestaltete Arina Fostitsch, Pianistin, Klavierpädagogin und Ärztin an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. In ihrem Vortrag beleuchtete sie die Balance zwischen Begeisterung und Belastung beim Musizieren. Basierend auf aktuellen Forschungsergebnissen erläuterte sie, dass Musik einerseits als Quelle von Freude, Motivation und Gesundheit erlebt wird, andererseits jedoch körperliche und psychische Herausforderungen mit sich bringen kann. Konkrete Handlungsempfehlungen für die musikpädagogische und berufliche Praxis rundeten ihren Beitrag ab.
Die abschließende Diskussionsrunde bot Gelegenheit, den Austausch zu vertiefen, Fragen zu stellen und die vielfältigen Themen des Tages gemeinsam weiterzudenken. Beim anschließenden Ausklang nutzten die Teilnehmenden die Möglichkeit, Gespräche fortzuführen und neue Kontakte zu knüpfen.
Bereits am Vorabend des Forums kamen die MentorInnen des Projekts gesunde musikschule® zu einem Netzwerktreffen zusammen. Die Auftaktveranstaltung bot Raum für Austausch und Vernetzung. Einen besonderen Impuls setzte Julia Kramer mit ihrer Einführung in Theorie und Praxis der chinesischen Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform Qigong.
Das 6. Forum Schloss Kapfenburg findet am 6. Mai 2028 statt, eine Voranmeldung ist auf www.schloss-kapfenburg.de möglich.
Lesen Sie weitere Beiträge in Ausgabe 4/2026.

