Koch, Kai (Hg.)

Hand­buch Senio­ren­chor­lei­tung

Grundlagen – Erfahrungen – Praxis

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Bosse, Kassel 2019
erschienen in: üben & musizieren 6/2020 , Seite 57

Ein weit ver­brei­te­tes Pro­blem: Chö­re – bezie­hungs­wei­se Chor­sän­ge­rIn­nen – wer­den immer älter. Und wenn dann auch noch der Nach­wuchs aus­bleibt, steht der Chor­lei­ter oder die Chor­lei­te­rin irgend­wann vor einem Senio­ren­chor. Wie­der ande­re Ensem­bles grün­den sich gleich aus­drück­lich als Senio­ren­chö­re, und so gehö­ren Chö­re mit vor­nehm­lich älte­ren Mit­glie­dern inzwi­schen zum All­tag von Chor­lei­te­rIn­nen und sol­chen, die es wer­den wol­len.
An sie rich­tet sich die­ses Buch, das von Kai Koch, Pro­fes­sor für Musik­päd­ago­gik in der Sozia­len Arbeit in Mün­chen, her­aus­ge­ge­ben wur­de – aber nicht nur an sie, son­dern auch an bei­spiels­wei­se Lei­ter von Trä­ger­ein­rich­tun­gen, Chor­vor­stän­de und sogar inter­es­sier­te Sän­ge­rIn­nen. Sie alle dürf­ten auf die eine oder ande­re Wei­se davon pro­fi­tie­ren.
Im ers­ten Kapi­tel „Stim­me und Stimm­bil­dung“ geht es um die Ent­wick­lung der Stim­me im Alter, um Ver­än­de­run­gen, Stö­run­gen und den Ein­fluss von Medi­ka­men­ten auf die Stim­me. Ent­spre­chend wer­den dann ver­schie­de­ne Stimm­bil­dungs­kon­zep­te vor­ge­stellt, um die­sen Ver­än­de­run­gen zu begeg­nen. Ein abschlie­ßen­der Arti­kel stellt ein sol­ches Kon­zept in Theo­rie und Pra­xis (inklu­si­ve Noten­bei­spie­len für Übun­gen) vor.
Das zwei­te Kapi­tel „Senio­ren­chor­kon­zep­ti­on“ dreht sich zunächst um orga­ni­sa­to­ri­sche Fra­gen wie Grün­dung eines Chors und Mit­glie­der­ak­qui­se; wie­der­um erst theo­re­tisch, dann am prak­ti­schen Bei­spiel dar­ge­legt. Anschlie­ßend beschäf­ti­gen sich ver­schie­de­ne Bei­trä­ge mit mög­li­chen Kon­zep­ten für Chö­re: Vom Rock- und Pop­chor über das Sin­gen für Men­schen mit Demenz bis zum Mehr­ge­nera­tio­nen­chor oder der Kom­bi­na­ti­on von Sin­gen und Tanz für Senio­ren.
Im drit­ten Kapi­tel „Pro­ben­ar­beit – Senio­ren­chor­lei­tung“ wer­den didak­ti­sche Ansät­ze eben­so the­ma­ti­siert wie der Umgang mit Ein­schrän­kun­gen und auch dem Tod von Sän­gern. Ganz prak­tisch befasst sich das Kapi­tel dane­ben auch mit dem Arran­gie­ren für spe­zi­el­le Beset­zun­gen und der Pro­ben­pla­nung.
Das abschlie­ßen­de Kapi­tel „Per­spek­ti­ven und Ten­den­zen“ geht nicht nur auf die posi­ti­ve Wir­kung des Sin­gens gera­de auf die älte­re Genera­ti­on ein, son­dern auch auf Wei­ter­bil­dungs­mög­lich­kei­ten für Chor­lei­te­rIn­nen, ent­spre­chen­de Lite­ra­tur und Netz­wer­ke.
Damit bie­tet die­ses Buch ers­te Ein­bli­cke in so ziem­lich alles, was auf Lei­te­rIn­nen ent­spre­chen­der Ensem­bles in der Pra­xis zukom­men kann. Sti­lis­tisch sind die Bei­trä­ge unter­schied­lich gut les­bar und anspruchs­voll gehal­ten, je nach Autor oder Autorin. Doch alle dürf­ten auch von Ama­teur­ch­or­lei­te­rIn­nen gut ver­stan­den wer­den, ohne erfah­re­ne­re Diri­gen­tIn­nen zu lang­wei­len. Ohne­hin kann sich jeder genau das aus dem Buch her­aus­zie­hen, was er gera­de braucht, da alle Arti­kel auch unab­hän­gig von­ein­an­der wert­vol­le Infor­ma­tio­nen bie­ten. Kla­re Kauf­emp­feh­lung an alle, die mit Senio­ren­chor­lei­tung zu tun haben.
Andrea Braun