Busch, Sigi

Har­mo­ni­sche ­Grund­la­gen

Jazz & Pop, mit CD

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: advance, Mainz 2015
erschienen in: üben & musizieren 3/2016 , Seite 49

Ein Urge­stein der deut­schen Jazz-Sze­ne brei­tet sei­ne jahr­zehn­te­lan­ge Erfah­rung als Jazz­mu­si­ker und -leh­rer in einem ver­ständ­lich geschrie­be­nen und metho­disch über­zeu­gend auf­ge­bau­ten Lehr­buch der Jazz- und Pop-Har­mo­nik aus. Adres­sa­tIn­nen sind Hob­by­mu­si­ker, aber auch Stu­die­ren­de und Musik­lehr­kräf­te. Über­all fin­den sich Ver­bin­dungs­li­ni­en zur klas­si­schen Har­mo­nie­leh­re und zum tra­di­tio­nel­len euro­päi­schen Har­mo­nie­ver­ständ­nis. Begrif­fe wie Kadenz, Sequenz oder Har­mo­nie­funk­tio­nen wer­den im tra­di­tio­nel­len Sin­ne gebraucht, sodass „klas­si­sche“ Musi­ke­rIn­nen bei ihrem Kennt­nis­stand abge­holt und behut­sam in die Welt der Jazz- und Pop-Har­mo­nik ein­ge­führt wer­den.
Zunächst wird Basis­wis­sen mit­ge­teilt: Inter­val­le, Ton­lei­tern, leit­er­ei­ge­ne Drei- und Vier­klän­ge, II-V-Ver­bin­dun­gen, Opti­ons­tö­ne, Sus-Akkor­de und Akkord­ska­len­theo­rie. Ein wich­ti­ges Kapi­tel ­behan­delt die stan­dar­di­sier­ten Har­mo­nie­pro­gres­sio­nen, auf­ge­teilt in Pop- und Jazz­idi­om: Kaden­zen, Tur­narounds in Dur und Moll, Cli­ché lines und die Stan­dard­form der Rhythm chan­ges. Auch der Blues in sei­nen unter­schied­li­chen har­mo­ni­schen und sti­lis­ti­schen Aus­prä­gun­gen fin­det sich hier.
Das Kapi­tel über erwei­ter­te Tona­lität ent­hält Zwi­schen­do­mi­nan­ten, das wei­te Feld der Akkord-Sub­sti­tu­te, par­al­le­le Akkord­ver­bin­dun­gen, Orgel­punkt sowie indi­vi­du­el­le Vari­an­ten wie Par­ker-Blues oder Col­tra­ne-Matrix. Und schließ­lich ist auch die Los­lö­sung von der kadenz­ori­en­tier­ten Har­mo­nik seit den 1950er-Jah­ren mit Aus­füh­run­gen zu Quar­ten­har­mo­nik, Moda­li­tät und „cons­tant struc­tu­re“ ver­tre­ten.
Busch beschränkt sich bewusst auf die Har­mo­nie­leh­re. Instru­men­ta­ti­on und Arran­ge­ment wer­den nicht behan­delt, und bezüg­lich der Jazz-Impro­vi­sa­ti­on ver­weist der Autor auf eine ent­spre­chen­de eige­ne Publi­ka­ti­on. Der Har­mo­nie­as­pekt weist dafür eine beein­dru­cken­de Aus­führ­lich­keit und sti­lis­ti­sche Band­brei­te auf. Impo­nie­rend ist die Reper­toire­kennt­nis des Autors: Alle The­men wer­den mit Bei­spie­len aus bekann­ten Stan­dards belegt, die in den diver­sen Fake­books und Real­books zu fin­den sind und auf allen Ses­si­ons gespielt wer­den. Zusätz­lich wer­den zu vie­len Har­mo­nie­fol­gen Hin­wei­se auf Songs und Stan­dards gege­ben, in denen die­se Wen­dun­gen bei­spiel­haft ver­wen­det wer­den. Lese­rin­nen und Leser wer­den so immer auf die Suche geschickt oder auch zu eige­nen Ver­su­chen ange­regt. Zu den Auf­ga­ben gibt es im Anhang einen aus­führ­li­chen Lösungs­teil.
Die Spra­che ist klar, ver­mei­det kom­ple­xe Theo­rie­mo­del­le, glei­tet aber auch nicht in Sze­ne-Jar­gon ab. Bei ­geläu­fi­gen eng­li­schen Begrif­fen wird das Bemü­hen um deut­sche Begriff­lich­keit gele­gent­lich etwas über­trie­ben. Das Buch ist mit Schlag­wort­in­dex und Lite­ra­tur­ver­zeich­nis sorg­fäl­tig aus­ge­stat­tet. Die Audio-CD ent­hält eine abwechs­lungs­rei­che und authen­tische Samm­lung von 87 Klang­bei­spie­len. Ein rund­um emp­feh­lens­wer­tes Buch eines prak­ti­schen Musi­kers mit wei­tem Hori­zont und gro­ßer Erfah­rung.
Chris­toph Hem­pel