Müller-Jung, Joachim (Hg.)

Hirn­for­schung 10. Musik und Geist

Die besten Beiträge aus F.A.Z. und Sonntagszeitung

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: F.A.Z.-Hörbuch, 2 CDs
erschienen in: üben & musizieren 3/2019 , Seite 52

Musik wird auf viel­fäl­ti­ge Wei­se prak­ti­ziert und ange­wen­det. Durch die per­ma­nen­te audio­vi­su­el­le Infor­ma­ti­ons­flut über diver­se Medi­en­ka­nä­le und Gen­res wird es zuwei­len schwer für den Hörer, dabei die Musik her­aus­zu­fil­tern. Musikerle­ben ist eine sehr per­sön­li­che Erfah­rung. Wie ein Mensch den spe­zi­fi­schen Zusam­men­klang von Tönen erlebt, ist abhän­gig von der sub­jek­ti­ven Vor­er­fah­rung im Bereich einer bestimm­ten Kul­tur. Das mensch­li­che Bedürf­nis, die Musik als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel zu nut­zen, ist in jeder Kul­tur der Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart anzu­tref­fen. Ent­spre­chend dem Spek­trum der ästhe­ti­schen Posi­tio­nen, der Zwe­cke und Rea­li­sie­run­gen ist auch das Set­zen von Musik reich an Ver­fah­ren, Mus­tern und Aus­drucks­for­men. Beim Nach­den­ken dar­über, wie facet­ten­reich die Wir­kung von Musik sein kann, wer­den zahl­rei­che Ansatz­punk­te offen­kun­dig.
Das Hör­buch Musik und Geist ver­sam­melt in sechs Bei­trä­gen neue Erkennt­nis­se inter­na­tio­nal renom­mier­ter Hirn­for­sche­rIn­nen, Wis­sen­schaft­le­rIn­nen und Fach­jour­na­lis­tIn­nen aus ver­schie­de­nen Dis­zi­pli­nen, wie zum Bei­spiel Musik­wis­sen­schaft, Medi­zin, Neu­ro­lo­gie, Psy­cho­lo­gie, Phi­lo­so­phie und Päd­ago­gik. Musik­for­schung und Musik­pro­duk­ti­on bedin­gen ein­an­der, was inter­dis­zi­pli­nä­re ­Zusam­men­ar­beit not­wen­dig macht. Die Auf­ga­ben­fel­der und Nut­zungs­va­ri­an­ten wer­den anhand von Fall­bei­spie­len rea­li­täts­nah beleuch­tet und glei­cher­ma­ßen krea­tiv und anspruchs­voll hör­jour­na­lis­tisch prä­sen­tiert. Hirn­for­schung ist ein fas­zi­nie­ren­des, doch auch kon­tro­ver­ses The­ma. Die Musik, als Beson­der­heit der Wahr­neh­mung, des Den­kens, Ler­nens und Han­delns, bean­sprucht das neu­ro­na­le Netz­werk in ver­schie­dens­ter Art und Wei­se, was mehr­di­men­sio­na­le Zugän­ge zum The­ma mög­lich macht. Die wech­sel­sei­ti­ge Bezie­hung von Musik und Spra­che ist sehr eng. Bei­de wir­ken bereits prä­na­tal, die­nen der Bil­dung, kön­nen glei­cher­ma­ßen bele­ben, hei­len, sti­mu­lie­ren, aber auch mani­pu­lie­ren. Die Fähig­keit aus Tönen, Klang­far­ben, Inter­val­len, Melo­die, Har­mo­nie und Rhyth­mus eine musi­ka­li­sche Rhe­to­rik zu for­men, wird erst durch das Zusam­men­wir­ken ver­schie­de­ner Hirn­areale mög­lich. Neben der ratio­na­len ist die emo­tio­na­le Infor­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung aktiv. Die kogni­ti­ven Pro­zes­se schlie­ßen Inter­pre­ta­tio­nen, Erin­ne­run­gen und Erwar­tun­gen ein. Die Akti­vie­rungs­ef­fek­te beim Musik­hö­ren und akti­ven Musi­zie­ren sind äußerst kom­plex, eben­so dif­fe­ren­ziert ist die neu­ro­na­le Akti­vi­tät bei Lai­en und Berufs­mu­si­kern. Prä­zi­se Hand­lungs­ab­läu­fe sind ohne das sen­so­ri­sche Feed­back des Gehirns undenk­bar. Die enor­me Band­brei­te der neu­ro­na­len Musik­ver­ar­bei­tung ist lan­ge nicht erschlos­sen und bie­tet ein wei­tes For­schungs­feld. Das Gehirn als zen­tra­les Organ des Ler­nens und das Ver­ständ­nis sei­ner Funk­tio­nen ist für Musik­päd­ago­gen von beson­de­rem Inter­es­se, um das Lern­po­ten­zi­al ihrer Schü­le­rIn­nen indi­vi­du­ell zu för­dern.
Julia­ne Bal­ly