Bossen, Anja

Hof­fent­lich gut ver­si­chert…

Für Orchestermusiker selbstverständlich, für Instrumentalpädagogen noch lange nicht: eine Instrumentenversicherung

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 6/2013 , musikschule )) DIREKT, Seite 02

Wes­halb ist eine Instru­men­ten­ver­si­che­rung sinn­voll?

Jeder, der Musik stu­diert oder als Beruf aus­übt, ganz gleich ob als Musi­ker oder Päd­ago­ge, ist stän­dig auf sein Instru­ment ange­wie­sen. Dabei lau­ern über­all Gefah­ren, im Gedrän­ge öffent­li­cher Ver­kehrs­mit­tel eben­so wie bei einem Auto­un­fall. Aber auch in Kon­zert­sä­len, Hoch­schu­len, Musik­schu­len oder all­ge­mein bil­den­den Schu­len sind Instru­men­te kei­nes­wegs sicher. Es han­delt sich immer um öffent­lich zugäng­li­che Berei­che, und da Instru­men­te im All­ge­mei­nen nicht auf Robust­heit hin kon­stru­iert sind, genü­gen oft klei­ne Anläs­se, um gro­ße Schä­den anzu­rich­ten. Selbst für den Fall, dass sich tat­säch­lich ein ein­deu­ti­ger Ver­ur­sa­cher des Scha­dens fest­stel­len lässt und die­ser eine Haft­pflicht­ver­si­che­rung hat, ist es schwer, eine ange­mes­se­ne Ent­schä­di­gung zu erhal­ten.
Noch pro­ble­ma­ti­scher wird es, wenn man selbst den Scha­den ver­ur­sacht hat. Da Musi­ke­rin­nen und Musi­ker in der Regel gut auf ihre Instru­men­te ach­ten, sind es meist nur klei­ne Unacht­sam­kei­ten, die hier zu einem Scha­den füh­ren. Eine klei­ne Ein­zeich­nung in die Noten wäh­rend einer Orches­ter­pro­be – und schon ist man mit dem Instru­ment am Noten­pult des Nach­barn ange­sto­ßen. Eine tur­bu­len­te Grup­pen­un­ter­richts­stun­de – und schon rollt die Flö­te vom Tisch. In all die­sen Fäl­len ist eine Instru­men­ten­ver­si­che­rung wich­tig, da sich Schä­den an Instru­men­ten leicht im drei- bis vier­stel­li­gen Bereich bewe­gen.

Was kann ver­si­chert wer­den?

Grund­sätz­lich kön­nen fol­gen­de Gefah­ren ver­si­chert wer­den: Beschä­di­gung, Her­un­ter­fal­len, Sturz, Abhan­den­kom­men, Lie­gen­las­sen, Dieb­stahl oder Raub, Brand, Blitz­schlag, Explo­si­on, Trans­port­schä­den (auch im Flug­zeug). Wer­den alle auf­ge­führ­ten Berei­che ver­si­chert, han­delt es sich um eine soge­nann­te „All­ge­fah­ren­ver­si­che­rung“. Dabei gilt der Ver­si­che­rungs­schutz häu­fig auch dann, wenn das Instru­ment an Drit­te, z. B. Schü­le­rin­nen und Schü­ler, ver­lie­hen wird. Bei Streich­in­stru­men­ten mit einem bestimm­ten Min­dest­wert kann sogar ein Scha­den, der durch Abnut­zung oder Wert­min­de­rung ent­steht, mit­ver­si­chert wer­den. In der Regel sind sol­che Din­ge jedoch vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­nom­men.
Grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen sind vor­sätz­li­che Beschä­di­gung, gro­be Fahr­läs­sig­keit oder Kriegs­er­eig­nis­se, aber auch Schä­den, die auf­grund eines Streiks oder von Aus­sper­rung ent­stan­den sind. Auch das Auf­be­wah­ren über Nacht im Frei­en, im Auto oder an einem unbe­wohn­ten Ort
(z. B. im Pro­ben­saal) ist oft nicht ver­si­chert (soge­nann­te „Nacht­klau­sel“). Wäh­rend es auf der Hand liegt, was unter ­„vor­sätz­li­cher Beschä­di­gung“ oder „Kriegs­ereignissen“ zu ver­ste­hen ist, ist der Begriff der „gro­ben Fahr­läs­sig­keit“ nicht so leicht zu defi­nie­ren. Dar­un­ter ver­steht bei­spiels­wei­se das Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he ein „kom­plett unver­nünf­ti­ges Ver­hal­ten“, etwa wenn man sein Instru­ment stun­den­lang unbe­auf­sich­tigt an einem öffent­lich leicht zugäng­li­chen Ort oder in der pral­len Son­ne lie­gen lässt. Da der Begriff der „gro­ben Fahr­läs­sig­keit“ jedoch jeweils vom Ein­zel­fall abhängt, ent­schei­den Gerich­te oft­mals, dass auch in einem sol­chen Fall zumin­dest eine Teil­sum­me aus­ge­zahlt wer­den muss. Im Fall eines Lie­gen­las­sens aus Vergesslich­keit, bei­spiels­wei­se in einem öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­tel, hängt es von den jewei­li­gen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen ab, ob und wie viel die Ver­si­che­rung zah­len muss.
Außer dem Instru­ment selbst kann auch das Zube­hör mit in den Ver­si­che­rungs­schein auf­ge­nom­men wer­den. Vor allem Instru­men­ten­käs­ten, aber auch Zube­hör wie Key­board­stän­der kos­ten je nach Qua­li­tät und Aus­füh­rung schnell meh­re­re hun­dert bis über tau­send Euro. In sol­chen Fäl­len kann sich der Ver­si­che­rungs­bei­trag für das Zube­hör schnell bezahlt machen.

Wie fin­de ich einen Anbie­ter?

Unter­rich­tet man pri­vat und nicht an einer Musik­schu­le, soll­te man sich an einen unab­hän­gi­gen Ver­si­che­rungs­mak­ler oder direkt an eine der Instru­men­ten­ver­si­che­run­gen wen­den, z. B. an den Markt­füh­rer in die­sem Seg­ment, die Mann­hei­mer Ver­si­che­rung (Mar­ke Sin­foni­ma). Alter­na­tiv kann man bei den Ver­bän­den, in denen man Mit­glied ist (DTKV, ver.di etc.), anfra­gen, ob die­se eine beson­ders güns­ti­ge Ver­si­che­rung anbie­ten.
Es kann sich auch loh­nen, sich zu einer grö­ße­ren Grup­pe zusam­men­zu­schlie­ßen und einen Grup­pen­ver­trag abzu­schlie­ßen, z. B. als Musik­schul­kol­le­gi­um oder Lai­en­or­ches­ter. Für den Grup­pen­ver­trag wird eine Inven­tar­lis­te auf­ge­stellt. Kommt ein Instru­ment zur Grup­pe hin­zu, wird es auto­ma­tisch mit­ver­si­chert, auch ohne aus­drück­lich in der Poli­ce genannt wor­den zu sein. Besteht noch kei­ne Grup­pen­ver­si­che­rung an einer Musik­schu­le, so soll­te man ver­schie­de­ne Ange­bo­te ein­ho­len. Auch bei bereits bestehen­den Grup­pen­ver­trä­gen kann sich ein Anbie­ter­wech­sel loh­nen. Sofern die Grup­pe groß genug ist, kann es sinn­voll sein, auch bei Anbie­tern anzu­fra­gen, die bis­her nicht für Instru­men­ten­ver­si­che­run­gen bekannt sind.

Mit wel­chen Kos­ten muss man rech­nen?

Die Kos­ten einer Instru­men­ten­ver­si­che­rung sind von vie­len Fak­to­ren abhän­gig. Der Pro­zent­satz hängt von der Instru­men­ten­gat­tung, aber auch vom Wert des Inst­ruments ab. Die Kos­ten wer­den übli­cher­wei­se in Pro­zent des Instru­men­ten­werts für einen Jah­res­bei­trag ange­ge­ben. Dabei rei­chen die Pro­zent­sät­ze je nach Ver­si­che­rung und Instru­ment von 0,3% bis etwa 4%. Sehr teu­re Streich­in­stru­men­te wer­den in der Regel zu deut­lich nied­ri­ge­ren Pro­zent­sät­zen ver­si­chert als preis­wer­te Schü­ler­instru­men­te. Offen­sicht­lich gehen die Ver­si­che­rer davon aus, dass die Besit­ze­rin eines Stra­di­va­ri-Cel­los mit ihrem Inst­rument beson­ders pfleg­lich umgeht. Meist gibt es einen Min­dest­bei­trag in der Grö­ßen­ord­nung von 30 bis 100 Euro pro Jahr.

Zeit­wert oder Neu­wert?

Ob es sich bei der Ver­si­che­rung um eine Neu- oder Zeit­wert­ver­si­che­rung han­deln soll­te, hängt meist vom Instru­ment ab. „Neu­wert“ bedeu­tet im Fall eines Total­scha­dens die Aus­zah­lung der Sum­me, die ein neu­es Instru­ment glei­cher Qua­li­tät kos­ten wür­de (also der Neu­be­schaf­fungs­wert). Eine Ver­si­che­rung des Zeit­werts ­bedeu­tet im Fall eines Total­scha­dens die Aus­zah­lung der Ver­si­che­rungs­sum­me, die das Instru­ment zum Zeit­punkt des Ein­tritts des Scha­dens­falls wert war. Bei his­to­ri­schen, wert­vol­len Streich­in­stru­men­ten kommt nur eine Zeit­wert­ver­si­che­rung, die die Wert­ent­wick­lung des Instru­ments nach­voll­zieht, in Fra­ge. Bei einem Key­board hin­ge­gen ist nur eine Ver­si­che­rung zum Neu­wert sinn­voll.

Was muss man außer­dem beach­ten?

Grund­sätz­lich besteht die Mög­lich­keit, sein Instru­ment deutsch­land­weit, euro­pa­weit oder welt­weit ver­si­chern zu las­sen. Je nach­dem, in wel­chen Län­dern und Regio­nen man sein Instru­ment mit sich füh­ren möch­te, ist zu beach­ten, dass der Ver­si­che­rungs­schutz sich auch tat­säch­lich auf die­se Regio­nen erstreckt. Bei eini­gen Ver­trä­gen gilt der Ver­si­che­rungs­schutz nur inner­halb Deutsch­lands.
Wie bei allen Ver­si­che­run­gen müs­sen die Bedin­gun­gen genau stu­diert wer­den, denn es gibt durch­aus auch Schä­den, die selbst bei einer All­ge­fah­ren­ver­si­che­rung nicht ver­si­chert sind. So kön­nen etwa Trock­nungs­ris­se, die bei Streich­in­stru­men­ten durch zu nied­ri­ge Luft­feuch­tig­keit in der kal­ten Jah­res­zeit ent­ste­hen, vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­nom­men sein.
Bereits beim Abschluss der Ver­si­che­rung soll­te man dar­auf ach­ten, dass der Wert des Instru­ments mög­lichst genau stimmt, da die Ver­si­che­rung häu­fig erst im Scha­dens­fall prüft, ob die Anga­ben plau­si­bel sind. Ist die Ver­si­che­rung dann der Mei­nung, dass der ange­ge­be­ne Wert höher als der tat­säch­li­che Wert ist, wird nur der zum Zeit­punkt des Scha­dens von der Ver­si­che­rung fest­ge­stell­te Wert des Instru­ments aus­ge­zahlt und die zu viel bezahl­ten Bei­trä­ge sind ver­lo­ren. Nicht weni­ger pro­ble­ma­tisch ist ein zu gerin­ger Ver­si­che­rungs­wert. In die­sem Fall greift die soge­nann­te Unter­ver­si­che­rungs­klau­sel. Bei­spiel: Ein Instru­ment, das für 1000 Euro ver­si­chert ist, muss auf­grund eines ver­si­cher­ten Scha­dens für 200 Euro repa­riert wer­den. Nun stellt die Ver­si­che­rung fest, dass das Instru­ment tat­säch­lich aber 2000 Euro Wert ist, mit­hin also nur zur Hälf­te ver­si­chert ist. In die­sem Fall wird sie auch die erfor­der­li­che Repa­ra­tur nur zur Hälf­te bezah­len, sodass der Ver­si­cher­te nur 100 Euro von der Ver­si­che­rung erstat­tet bekommt.
Auch nach Abschluss der Ver­si­che­rung soll­te man regel­mä­ßig prü­fen, ob die Ver­si­che­rungs­sum­me noch dem tat­säch­li­chen Wert des Instru­ments ent­spricht. Insbeson­dere bei his­to­ri­schen Instru­men­ten kann sich der Wert im Lau­fe der Zeit erheb­lich ändern und so eine Anpas­sung der Ver­si­che­rungs­sum­me erfor­der­lich wer­den.