Perepelita, Cleopatra Valentina

Ich kann spielen!

Kreative Klavierschule mit Begleit-CD, Improvisieren – Rhythmen, Tasten, Melodien und Begleitungen entdecken, Band 1-3

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Chromatic Edition, Köln 2008/09
erschienen in: üben & musizieren 3/2010 , Seite 60

Das Kon­zept ist sehr gut: „Erst Kla­vier spie­len, dann Noten ler­nen“. Die Autorin schreibt im Vor­wort: „Ich habe absicht­lich hier nicht eine kind­ge­rech­te Spra­che ver­wen­det, da die jün­ge­ren Anfän­ger oft noch nicht lesen kön­nen und auf Leh­rer und Eltern ange­wie­sen sind. Dar­um lesen Sie bit­te den Kin­dern beim Ler­nen und Üben vor.“ Außer den Titeln ihrer Kom­po­si­tio­nen zeu­gen Signal­bild­chen von Ein­sicht in die Kin­der­see­le: Ein Pin­gu­in steht für die Lehr­kraft, ein Teddy­kopf für das Kind, eine Libel­le soll auf­wärts, ein flie­gen­der Rei­her abwärts auf der Kla­via­tur anzeigen.
Lei­der begeg­net man Unge­reimt­hei­ten und Feh­lern: Ein Vir­gi­nal in Flü­gel­form gibt es nicht (Kapi­tel 1: Geschich­te der Tasteninst­rumente), bei der Flü­gel­ab­bil­dung ist der Ort für die Häm­mer falsch ange­ge­ben (Kapi­tel 2), in Kapi­tel 3 zeigt ein Foto zur Hal­tung am Kla­vier ein Mäd­chen, das die vagen Anwei­sun­gen des Tex­tes nicht erfüllt.
Im vier­ten Kapi­tel wer­den fast alle Prak­ti­ken und Anre­gun­gen zur Impro­vi­sa­ti­on aus ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten kurz ange­spro­chen. Kapi­tel 5 bringt Spiel­emp­feh­lun­gen zunächst für die schwar­zen Tas­ten mit ihren Zwil­lin­gen und Dril­lin­gen, dann auch für die wei­ßen. Kapi­tel 6 notiert acht Volks­lie­der im Fünf­ton­raum. Sie sol­len von der Lehr­kraft bzw. von der CD vor­ge­spielt und vom Kind nach­ge­spielt wer­den, außer­dem sind pas­sen­de Begleit­in­ter­val­le aus Vor­ga­ben zu fin­den. Eine schwie­ri­ge Auf­ga­be! Kapi­tel 7 erklärt die Begrif­fe Rhyth­mus, Takt etc. und lässt ent­spre­chen­de Auf­ga­ben dazu folgen.
Im ach­ten Kapi­tel dann das Spiel mit Noten. Beim mitt­le­ren c geht’s los. Nach und nach sind die angren­zen­den Quin­träu­me zu errei­chen. Per­e­pe­li­ta lässt bei jedem neu­en Ton­vor­rat auf ein Solo meh­re­re Stü­cke zu vier Hän­den fol­gen mit moti­vie­ren­den Eigen­kom­po­si­tio­nen, etwa Boo­gies oder Bear­bei­tun­gen von Volks­lie­dern oder klas­si­schen Wer­ken. Manch­mal pas­sie­ren der Autorin so unglück­li­che Defi­ni­tio­nen wie „Der Abstand von 2 Tönen = Sekun­de“, „Der Abstand von 3 Tönen = Terz“.
Über das gan­ze Heft 1 ver­teilt gibt es sechs Musik­rät­sel, die den zuvor ver­mit­tel­ten Stoff abfra­gen. Am Ende des Hefts wird das Kind zum Kom­po­nie­ren ermun­tert. Fünf Sei­ten ste­hen bereit mit der Über­schrift „Mei­ne Kom­po­si­tio­nen“. Vor­ge­ge­ben sind jeweils 16 Tak­te Notensys­tem und der Ton­vor­rat, anstei­gend von einem bis zu neun Tönen.
Die Kla­vier­schu­le ist mit Spi­ral­bin­dung ver­se­hen und lässt sich vor­züg­lich blät­tern. Dies und die deut­li­che Typo­gra­fie gestat­ten ein ange­neh­mes Arbei­ten. Für fol­gen­de Auf­la­gen braucht der Ver­lag drin­gend einen Lek­tor, der z. B. die feh­len­de Stac­ca­to­for­de­rung bei Das klei­ne Pony ein­trägt und die For­mu­lie­rung „Stac­ca­to-Anschlag = kur­ze, abge­hack­te Töne“ so nicht ste­hen lässt. „Stac­ca­re“ heißt tren­nen. Laut Har­non­court gibt es 100 Arten, stac­ca­to zu spielen…
Rein­hold Schmidt