Busch, Barbara / Silvia Müller

Im Kita-All­tag singen

Konzeption der Fortbildung "PrimacantaKita" für pädagogische Fachkräfte, im Auftrag von und in Zusammenarbeit mit der Crespo Foundation

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Helbling, Innsbruck 2014
erschienen in: üben & musizieren 6/2015 , Seite 52

Eltern sin­gen aus ver­schie­dens­ten Grün­den nicht mehr so häu­fig mit ihren Kin­dern. Sie gehen arbei­ten, wäh­rend das Kind fremd­be­treut ist, und kön­nen so nicht mehr selbst dem Kind den Weg zur Musik eröff­nen. Oder sie haben in ihrem bio­gra­fi­schen Wer­de­gang selbst den Zugang zur Musik verloren.
Auf die­se Situa­ti­on möch­te die Fort­bil­dung „Pri­ma­can­ta­Ki­ta“ rea­gieren. Sie hat zum Ziel, musik­be­zo­ge­ne Akti­vi­tä­ten dau­er­haft in den Kita-All­tag zu inte­grie­ren und päd­ago­gi­sche Fach­kräf­te dafür zu qua­li­fi­zie­ren. Die Erzie­he­rin­nen wer­den ange­lei­tet, mit Kin­dern zu sin­gen sowie Bewe­gung zur Musik und ele­men­ta­res Instru­men­tal­spiel anzu­re­gen. So soll den Kin­dern bereits vor dem Schul­kind­al­ter eine kontinuier­liche Aus­ein­an­der­set­zung mit Musik ermög­licht werden.
Die Fort­bil­dung umfasst zehn Tage und ist über einen Zeit­raum von zwei Jah­ren ange­legt. Im vor­lie­gen­den Buch beschrei­ben die Autorin­nen detail­liert, wie die Fort­bil­dung kon­zi­piert ist. Sie notie­ren Begrün­dun­gen zur Ent­ste­hung aus Per­spek­ti­ve der Kin­der, der Teil­neh­mer und der Kitas. Und sie infor­mie­ren über die Struk­tur der Fort­bil­dung, die Zie­le, Ziel­grup­pe und Aus­wahl­ver­fah­ren sowie die Fort­bil­dungs­in­hal­te. Zum Schluss lis­ten sie im Detail die ver­schie­de­nen Auf­ga­ben­be­rei­che der Teil­neh­mer, Fort­bild­ner oder Koope­ra­ti­ons­part­ner auf.
Spä­tes­tens hier wird klar, dass die­ses Buch eine Art Vor­la­ge sein soll, nach der die­se Fort­bil­dung viel­fach durch­ge­führt wer­den kann. Frag­lich ist jedoch, wer hier­für die Ziel­grup­pe sein soll. Schließ­lich muss sich zunächst stets ein Initia­tor fin­den, der die Gesamt­lei­tung über­nimmt. Zudem wird nicht klar, wie­so das Buch ver­öf­fent­licht wird, bevor die Kon­zep­ti­on der Fort­bil­dung als Gan­zes beleuch­tet wer­den kann und gege­be­nen­falls Män­gel beho­ben wer­den kön­nen. Immer­hin läuft die Pilot­pha­se noch bis Juli 2016 in Frank­furt am Main.
Was über­haupt nicht ein­leuch­tet, ist die Gestal­tung der soge­nann­ten Zer­ti­fi­zie­rung. Die­se besteht aus zwei Prü­fungs­leis­tun­gen. Die eine ist ein Port­fo­lio, das inhalt­lich acht Kate­go­rien abde­cken soll wie etwa Lie­dein­füh­rung, Stimmbildungsgeschich­te oder „Refle­xi­on über das Musik­heft der Kin­der“. Die zwei­te Prü­fungs­leis­tung gestal­tet sich als Kol­lo­qui­um. Hier soll der Prüf­ling sein Port­fo­lio prä­sen­tie­ren sowie sei­ne „per­sön­li­che fach­li­che Ent­wick­lung“ im Rah­men der Fort­bil­dung reflek­tie­ren. Gegen­stand des Kol­lo­qui­ums sind kei­ner­lei musik­prak­ti­schen Inhal­te. Weder wird abge­prüft, ob der Teil­neh­mer einen Noten­text selbst­stän­dig erschlie­ßen kann, noch, ob er über­haupt dazu in der Lage ist, eine Pas­sa­ge in einer für Kin­der ange­mes­se­nen Ton­hö­he zu singen.
Eine Fort­bil­dung wie die­se ist aus den dar­ge­stell­ten Grün­den wich­tig und not­wen­dig. Aber ob sie in der vor­lie­gen­den Gestalt sinn­voll und halt­bar ist, muss sich zeigen.
Patri­cia Tafel