Müller, Martin

Impres­si­ons of Mal­lor­ca

Suite für Flöte und Gitarre

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schell Music, Hamburg 2019
erschienen in: üben & musizieren 3/2019 , Seite 59

Schon immer haben Land­schaf­ten und Jah­res­zei­ten Kom­po­nis­tIn­nen und Musi­ke­rIn­nen zu schöp­fe­ri­scher Tätig­keit inspi­riert – wohl kaum ein künst­lerisch emp­find­sa­mer Mensch kann sich der sug­ges­ti­ven Wir­kung der Natur ent­zie­hen. Und doch kann die Musik natür­lich nicht den visu­el­len Aspekt einer Land­schaft selbst beschrei­ben, wohl aber das Gefühl, das ihr Anblick im Betrach­ter aus­löst, also gleich­sam die See­le die­ser Land­schaft durch den Fil­ter der sie wahr­neh­men­den Per­sön­lich­keit des Indi­vi­du­ums.
Dies­mal ist es der Charme der Mal­l­or­ci­ni­schen Natur, die den Gitar­ris­ten Mar­tin Mül­ler zu sei­ner Sui­te für Flö­te und Gitar­re Impres­si­ons of Mal­lor­ca inspi­rier­te, einer fünf­sät­zi­gen kam­mer­mu­si­ka­li­schen Rei­se durch wech­seln­de Land­schaf­ten unter musi­ka­lisch stets hei­te­rer Son­ne, die im teil­wei­se vir­tuo­sen Dia­log der Instru­men­ta­lis­tIn­nen eine Einig­keit im Bestä­ti­gen des Wahr­ge­nom­me­nen evo­ziert.
Mit einem vir­tuo­sen Start kön­nen bei­de Instru­men­ta­lis­tIn­nen im gut lie­gen­den Satz zwi­schen Erzähl­hal­tung und Klang­flim­mern sowohl ihr gutes Zusam­men­spiel als auch ihre rhyth­mi­sche Prä­zi­si­on tem­pe­ra­ment­voll demons­trie­ren, um dann im 2. Satz in anfangs ruhi­ge­ren Far­ben spa­ni­sches Flair auf­kom­men zu las­sen. Hier liegt im kon­flikt­ar­men Satz der ins­ge­samt tonal gebun­de­nen, melo­disch eher dem „modo dór­i­co“ ver­pflich­te­ten Musik der Haupt­reiz im gegen­sei­ti­gen Erzäh­len sich abwech­seln­der Rezi­ta­ti­ve – spe­zi­ell die Flö­tis­tin braucht in der auf mar­kan­te Idio­me des spa­ni­schen Akzents redu­zier­ten melo­di­schen Archi­tek­tur Gestal­tungs­fan­ta­sie, um weder einen etü­den­haf­ten noch all­zu folk­lo­ris­ti­schen Ein­druck zu erwe­cken: Genau genom­men ist jeder Satz für sich genom­men ein musi­ka­li­sches Klein­od, das mit einer gewis­sen Leich­tig­keit des Seins einen kon­zert­tech­nisch unpro­ble­ma­ti­schen, jedoch aus­ge­spro­chen wir­kungs­vol­len See­len­zu­stand mit spa­ni­schem Klang­kolorit zau­bert.
Spiel­tech­ni­ken aus dem wei­ten Fla­men­co-Idi­om, die schein­ba­re Leich­tig­keit des vir­tuo­sen Farb­wir­bels, rhyth­mi­sche Sat­tel­fes­tig­keit und pure Lebens­freu­de am rei­nen Musi­zie­ren sind Eck­pfei­ler die­ser Kon­zert­stü­cke, die auch in den nach­denk­li­che­ren Pas­sa­gen kei­ne schwe­ren See­len­kon­flik­te aus­tra­gen, son­dern in das unbe­las­te­te Luft­flim­mern balea­ri­scher Natur ent­füh­ren: Mar­tin Mül­ler eröff­net ein Kalei­do­skop musi­ka­li­scher Pre­tio­sen, das das Kon­zert­re­per­toire für das bewähr­te Duo Flöte/Gitarre sehr berei­chert.
Chris­ti­na Humen­ber­ger