Schlimp, Karen / Peter Jarchow

Impro-Mosa­ik

Das verrückte Klappbuch mit unbegrenzten Ideen zum Improvisieren allein oder in der Gruppe

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Nepomuk, Basel 2010
erschienen in: üben & musizieren 6/2010 , Seite 59

Impro-Mosa­ik ist ein klei­nes Buch mit Impro­vi­sa­ti­ons­ideen, das es in sich hat. Es passt in jede Tasche, besteht aus fünf Samm­lun­gen klei­ner „Ereig­nis­kar­ten“, die so gehef­tet sind, dass sie in jeder erdenk­li­chen Wei­se mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den kön­nen. Sie sind in fünf Kate­go­rien geglie­dert: eine Rei­he Start­kar­ten, zwei Rei­hen Fort­set­zungs­kar­ten, eine instru­men­ten­spe­zi­fi­sche Kate­go­rie und eine „Ziel“ genann­te Kate­go­rie. Man kann nun eine Kar­te auf­schla­gen, z. B. die Start­kar­te „Spie­le eine auf­stei­gen­de Linie“. Sie kann ergänzt wer­den durch die Fort­set­zungs­kar­te „Locke­re mit Stac­ca­to­t­ö­nen auf“; eine wei­te­re Fort­set­zungs­kar­te, auf­ge­schla­gen in der drit­ten Rei­he, fügt z. B. die Anwei­sung „Brin­ge gros­se Inter­val­le ins Spiel“ hin­zu. Die­se drei Vor­schlä­ge kön­nen ergänzt wer­den durch die instru­men­ten­spe­zi­fi­sche Kar­te für Strei­cher „Nutz ver­schie­de­ne Strich­stel­len“. Als Ziel wird „Spie­le drei Stü­cke: sehr rasch – noch schnel­ler – Lang­sam, lei­se, zart“ vor­ge­schla­gen. Unschwer ist zu erken­nen, dass sich dar­aus ein Mate­ri­al­fundus fürs Impro­vi­sie­ren ergibt. Er kann suk­zes­siv genutzt wer­den, indem die Spie­le­rIn­nen sich zunächst mit klei­nen Stü­cken mit auf­stei­gen­den Lini­en beschäf­ti­gen, dann die­se mit Stac­ca­to­t­ö­nen ergän­zen und spä­ter mit Inter­val­len erwei­tern. Jedes der dadurch ent­ste­hen­den Impro­vi­sa­ti­ons­stück­chen soll nicht bloß Übung auf dem Weg zu einer „rich­ti­gen“ Impro­vi­sa­ti­on sein, son­dern „als in sich selbst geschlos­se­nes funk­tio­nie­ren­des Kunst­werk“ gel­ten. Die Fort­set­zungs­vor­schlä­ge brin­gen die Fan­ta­sie in Gang, die sich an einer blo­ßen auf­stei­gen­den Linie nicht sehr ent­zün­det, und die Anwei­sung für Strei­cher bringt far­bi­ge Klän­ge ins Spiel. Die Ziel­kar­te regt zu groß­for­ma­len Zusam­men­hän­gen an: drei Stü­cke (mit allen Mög­lich­kei­ten der ande­ren Kar­ten) in jeweils ver­schie­de­nen Tempi.
Schü­le­rIn­nen wer­den mit gro­ßem Inter­es­se das Buch auf­schla­gen und sich Kom­bi­na­tio­nen von Spiel­an­wei­sun­gen selbst zusam­men­stel­len. Ein Pro­ben­lei­ter oder eine Instru­ment­al­leh­re­rin kön­nen eine Kom­bi­na­ti­on für die jewei­li­ge Stun­de nach Ein­schät­zung der Mög­lich­kei­ten der Mit­spie­le­rIn­nen vor­be­rei­ten. Aber auch aleato­ri­sche Ver­fah­ren sind denk­bar, dabei kom­men aber manch­mal auch fast unspiel­ba­re Kom­bi­na­tio­nen zusam­men, die nur von fort­ge­schrit­te­nen Impro­vi­sa­to­rIn­nen bewäl­tigt werden.
Die vor­ge­schla­ge­nen Ideen basie­ren auf ele­men­ta­rem Mate­ri­al, das in ver­schie­de­ne Sti­le mün­den kann, und auf einer Auf­spal­tung musi­ka­li­scher Para­me­ter in neu zu kom­bi­nie­ren­des Mate­ri­al. Es ist ein Büch­lein für den instru­men­ta­len Ein­zel- und Grup­pen­un­ter­richt. Wie die­ses Buch für Ensem­bles zu nut­zen ist, bleibt ein wenig offen. Es bie­tet Anre­gungs­po­ten­zi­al für Anfän­ger wie Fort­ge­schrit­te­ne und ermun­tert zur Eigeninitiative.
Rein­hard Gagel