Zimmermann, Manfredo / Felicitas von Schierstaedt

In C

Die Blockflötenschule für Erwachsene, Band 1, Sopran & Tenor

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Music-Ornaments, Ettlingen 2020
erschienen in: üben & musizieren 2/2021 , Seite 60

Das Posi­ti­ve zuerst: Die­se Block­flö­ten­schu­le, mit der erwach­se­ne Musik­freun­de – aus­drück­lich auch in Eigen­re­gie – das Spiel von C‑Blockflöten erler­nen kön­nen, ist gut auf­ge­baut, die AutorIn­nen wis­sen genau, wovon sie schrei­ben, und man muss sich nicht durch „lus­ti­ge“ Rah­men­ge­schich­ten quä­len, die sich in den meis­ten Instru­ment­al­lehr­wer­ken fin­den und selbst von Sie­ben­jäh­ri­gen schon mil­de belä­chelt werden.
Vor allem aber fin­det man sehr viel schö­nes Reper­toire von Renais­sance bis Tra­di­tio­nal; Pop und gra­fisch notier­te Wer­ke sind aus­ge­spart. Auch geht es ange­mes­sen schnell vor­an und man sieht sich als Ler­nen­der nicht genö­tigt, die Nach­bar­schaft fünf Wochen lang mit nur zwei Tönen zu foltern.
Sinn­voll gera­de für Erwach­se­ne ist auch, dass die wesent­li­chen Grund­la­gen zu Hal­tung, Atmung, Klang und Arti­ku­la­ti­on in einem eige­nen Kapi­tel zu Anfang zusam­men­ge­fasst sind. Dane­ben gibt es durch­aus bei ein­zel­nen Stü­cken noch spe­zi­el­le Hin­wei­se zu Tech­nik oder Into­na­ti­on, doch die tech­ni­schen Basics kann man sich bereits auf den ers­ten Sei­ten aneignen.
Weni­ger erfreu­lich ist bei die­sem Band die Druck­qua­li­tät, die an Aus­dru­cke aus einem betag­te­ren Tin­ten­strahl­dru­cker erin­nert. Und da es beim Flö­ten durch­aus ein­mal zum Aus­stoß von Spu­cke­tröpf­chen kom­men kann, dürf­te man an der Schu­le nicht all­zu lan­ge Freu­de haben, da der Druck schon ver­schmiert, wenn man nur mit leicht feuch­tem Fin­ger dar­über streicht. Möch­te man gar eine Ein­tra­gung aus­ra­die­ren, so wer­den die Noten mit weg­ra­diert. Auf ein­zel­nen Sei­ten zie­hen sich außer­dem wei­ße Strei­fen durch Text­rah­men. Der Ver­lag aller­dings bestä­tig­te auf Nach­fra­ge, dass in der aktu­el­len zwei­ten Auf­la­ge kei­ne opti­schen Feh­ler mehr zu fin­den sei­en. Die wei­ßen Strei­fen sei­en nun nicht mehr sicht­bar, auch die Druck­qua­li­tät sei ver­bes­sert worden.
Einen zwei­ten ent­täu­schen­den Punkt stel­len die Fol­ge­kos­ten dar, die man sich mit die­ser Schu­le ein­kauft. Denn fast alle Stü­cke sind zwei­stim­mig (wie in vie­len ande­ren Schu­len auch) und oft ein­stim­mig nicht sinn­voll zu spie­len. Erhält man jedoch nor­ma­ler­wei­se zu sei­nem Lehr­werk eine CD oder einen Down­load­link für kos­ten­lo­se PDF- und MP3-Datei­en mit­ge­lie­fert, so muss man hier die MP3-Datei­en für 15 Euro zum Son­der­preis (bzw. 20 Euro Nor­mal­preis), respek­ti­ve 12 Euro für die Beglei­tun­gen extra erwerben.
Das wirkt unse­ri­ös und erin­nert an Han­dy­spie­le mit Kos­ten­fal­len; vor allem, da ande­re, güns­ti­ge­re Lehr­wer­ke die Beglei­tun­gen und Play-along-Ver­sio­nen gleich mit­lie­fern. So krankt die­se inhalt­lich gute Schu­le lei­der an Spar­be­mü­hun­gen und zusätz­lichen Ver­dienst­in­ter­es­sen – und ist daher nur ein­ge­schränkt für den prak­ti­schen Ein­satz zu empfehlen.
Andrea Braun