Mahlert, Ulrich

Instru­men­tal­päd­ago­gik in Stu­di­um und Beruf

Eine persönliche ­Bestandsaufnahme

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Schott, Mainz 2020
erschienen in: üben & musizieren 4/2021 , Seite 58

Im bis­lang per­sön­lichs­ten Buch von Ulrich Mah­lert setzt sich der lang­jäh­ri­ge Pro­fes­sor für Musik­päd­ago­gik an der Uni­ver­si­tät der Küns­te Ber­lin erneut mit sei­nen Erfah­run­gen im bun­ten Feld der Instru­men­tal­päd­ago­gik aus­ein­an­der. Aus­ge­hend von zahl­rei­chen Erleb­nis­sen in der eige­nen musi­ka­li­schen Bil­dungs­bio­gra­fie, in der Leh­re und im Aus­tausch mit Kol­le­gIn­nen, Stu­die­ren­den und Musik­schul­lehr­kräf­ten ent­fal­tet der Autor ein Kalei­do­skop von The­men­fel­dern, die die Arbeit im instru­men­tal­päd­ago­gi­schen Feld prä­gen und for­men: Die glei­cher­ma­ßen diver­sen und beschränk­ten indi­vi­du­el­len Lern­we­ge von Leh­ren­den und Ler­nen­den, die wirk­mäch­ti­gen und wider­sprüch­li­chen Auf­fas­sun­gen der Musik­päd­ago­gik in der Gesell­schaft, im Hoch­schul­all­tag und Fach­dis­kurs, die Höhen und Tie­fen des Berufs­felds der „außer­schu­li­schen Musik­erzie­hung“ und die Her­aus­for­de­run­gen der künst­le­risch-päd­ago­gi­schen Hoch­schul­aus­bil­dung wer­den plas­tisch, ver­ständ­lich und mit einer gro­ßen Offen­heit aus der Ich-Per­spek­ti­ve betrach­tet und erörtert.
Das Ergeb­nis ist ein gut les­ba­rer, sowohl für tief invol­vier­te Akteu­re als auch für Außen­ste­hen­de zugäng­li­cher und inter­es­san­ter Text. „Musi­ka­li­sche Bil­dung ist beson­ders im außer­schu­li­schen Bereich eine offe­ne Grö­ße“, kons­tatiert Mah­lert, und die Son­nen- und Schat­ten­sei­ten die­ser Offen­heit, ihre grund­sätz­li­che Ambi­va­lenz wer­den im Text reflek­tiert, aber auch mit Lösungs­an­sät­zen und Stra­te­gien ver­knüpft. In die­sem Sin­ne lädt das Buch nicht nur zum Nach­den­ken ein, son­dern bie­tet auch Leit­ideen und kon­kre­te Impul­se aus dem Erfah­rungs­schatz des Autors. Spür­bar wer­den dabei ein star­kes Berufs­ethos und eine gro­ße Hin­ga­be für „die Sache“ der Instru­men­tal­päd­ago­gik, aber auch die Ernüch­te­rung vor der Schwe­re der Her­aus­for­de­run­gen bzw. eine gewis­se Skep­sis gegen­über der eige­nen Wirk­sam­keit und den Bemü­hun­gen der Fachcommunity.
Wer in die­ser Publi­ka­ti­on eine ein­deu­ti­ge Ermu­ti­gung sucht, wird womög­lich ent­täuscht. Doch ver­strömt das Buch auch eine durch­aus ent­las­ten­de Gelas­sen­heit, die auf dem Glau­ben an Ver­än­de­rungs­fä­hig­keit beruht, auf dem Ver­trau­en auf das „dyna­mi­sche Poten­zi­al“, das dar­auf war­tet, „sich zu ent­fal­ten und ent­fal­tet zu werden“.
Am deut­lichs­ten zeigt sich die­se beson­de­re Hal­tung des Ver­fas­sers in zwei Reden, die die Publi­ka­ti­on umrah­men: eine Rede an Stu­di­en­ab­sol­ven­tIn­nen – mit der herz­er­wär­men­den Emp­feh­lung: „Las­sen Sie Ihr Stu­di­um gut sein“ – und eine an Musik­schul­lehr­kräf­te, in der Mah­lert eine Visi­on für den Musi­zier­un­ter­richt und für die Gestal­tung ihres Berufs­le­bens ent­wirft, die auf der Prä­mis­se der Lebens­kunst beruht. Mit die­ser glei­cher­ma­ßen ver­söhn­li­chen wie kri­ti­schen Schrift lie­fert Mah­lert Zünd­stoff für instru­men­tal­päd­ago­gi­sches Nach­den­ken. Als Instrumentalpä­dagogin neh­me ich die­sen Zünd­stoff dank­bar an und freue mich auf sei­ne Nachwirkungen.
Nata­lia Ardila-Mantilla