Voss, Rebecca

Inter­ge­ne­ra­ti­ves Sin­gen

Eine empirische Untersuchung mit didaktischem Entwurf

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Waxmann, Münster 2020
erschienen in: üben & musizieren 6/2020 , Seite 57

Inter­ge­ne­ra­ti­ve Bil­dungs­an­ge­bo­te gewin­nen in Zei­ten demo­gra­fi­schen Wan­dels und gesell­schaft­li­cher Ver­än­de­run­gen an Bedeu­tung und sind doch bis­lang nur in ver­gleichs­wei­se weni­gen Publi­ka­tio­nen the­ma­ti­siert wor­den. Des­halb ist erfreu­lich, dass sich Rebec­ca Voss in ihrer Dis­ser­ta­ti­on dem inter­ge­ne­ra­ti­ven Sin­gen wid­met, das sie im Schnitt­feld der drei Dis­zi­pli­nen Geron­to­lo­gie, Gerago­gik und Musik(pädagogik) ver­or­tet.
Vor der eigent­li­chen Stu­die stellt die Autorin ver­schie­de­ne Facet­ten des The­mas sowie sei­ne Ein­bet­tung in benach­bar­te The­men­be­rei­che ein­ge­hend dar (z. B. die Aspek­te „Alter und Altern“, „Sin­gen“, „inter­ge­ne­ra­ti­ve Bil­dung“). Auch die Stu­die selbst ist aus­führ­lich beschrie­ben; sie fand in Form von Leit­fa­den­in­ter­views mit Lei­tern inter­ge­ne­ra­ti­ver Sing­an­ge­bo­te und anhand einer Teil­neh­mer­be­fra­gung statt, sodass ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven bei der Inter­pre­ta­ti­on der Daten kom­bi­niert wer­den konn­ten.
Voss dif­fe­ren­ziert die inter­ge­ne­ra­ti­ven Sing­an­ge­bo­te in „neu­tra­le Pro­jek­te“, „Jung-zu-Alt“ und „Alt-zu-Jung“. Damit wer­den die jewei­li­gen, vor allem ört­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen bezeich­net, die durch­aus Aus­wir­kun­gen auf den Teil­neh­mer­kreis und die Gestal­tung des Ange­bots haben; so sind bei­spiels­wei­se „Alt-zu-Jung“-Angebote in der Regel nur mit mobi­len Senio­ren, die einen Kin­der­gar­ten besu­chen kön­nen, rea­li­sier­bar.
Auch im Rah­men der Ergeb­nis­dis­kus­si­on am Ende der Stu­die dif­fe­ren­ziert die Autorin immer wie­der anhand der drei genann­ten For­men; so wird bei­spiels­wei­se deut­lich, dass sich die Zie­le der Ange­bo­te dahin­ge­hend unter­schei­den, ob musi­ka­li­sche Zie­le (z. B. eine Prä­sen­ta­ti­on) oder außer­mu­si­ka­li­sche Zie­le (z. B. der gegen­sei­ti­ge Respekt zwi­schen den Genera­tio­nen) im Vor­der­grund ste­hen.
Die Ergeb­nis­se zei­gen zudem, dass Pro­ble­me und Her­aus­for­de­run­gen (z. B. Lite­ra­tur­aus­wahl für bei­de Genera­tio­nen, insti­tu­tio­nel­le Pro­ble­me, alters­ge­mä­ßes Sin­gen) vor allem durch gute Infor­ma­ti­on, Kom­mu­ni­ka­ti­on und nicht zuletzt durch eine fach­lich fun­dier­te, umfas­sen­de Aus­bil­dung der Lei­te­rIn­nen gemeis­tert wer­den kön­nen. Ent­spre­chend plä­diert Voss für die Erwei­te­rung von Aus­bil­dungs­mög­lich­kei­ten spe­zi­ell für den Bereich des inter­ge­ne­ra­ti­ven Sin­gens.
Im letz­ten Kapi­tel mit dem Titel „Didak­ti­sches Kon­zept“ fasst Voss die Erkennt­nis­se aus ihrer Stu­die zusam­men und spitzt sie aus pra­xis­ori­en­tier­ter Per­spek­ti­ve zu, sodass die­se Essenz im Sin­ne von „Emp­feh­lun­gen für die Umset­zung von inter­ge­ne­ra­ti­ven Sing­an­ge­bo­ten“ gele­sen wer­den kann. Zwar erge­ben sich durch die­se zusätz­li­che Zusam­men­fas­sung sowie auf­grund zahl­rei­cher Quer­be­zü­ge inner­halb der Publi­ka­ti­on Red­un­dan­zen, durch das wie­der­hol­te Auf­grei­fen bestimm­ter Aspek­te blei­ben Voss’ Gedan­ken­gän­ge aber zugleich gut nach­voll­zieh­bar. Ins­ge­samt zeigt die Publi­ka­ti­on ver­schie­de­ne Aspek­te auf, um inter­ge­ne­ra­ti­ves Sin­gen zu reflek­tie­ren und so Anhalts­punk­te für eine gelin­gen­de Pra­xis zu erhal­ten.
Sil­via Mül­ler