Steffen-Wittek, Marianne

It's more fun to com­pu­te!?

Computerspiele als Anregung für Improvisationen in Musik und Bewegung

Rubrik: Aufsatz
erschienen in: üben & musizieren 1/2008 , Seite 24
"It's more fun to compute" sangen Kraftwerk bereits 1981. Spliff hingegen behaupteten im selben Jahr "Computer sind doof". Beide Musik-Gruppen haben sich auf unterschiedliche Weise früh mit Computersounds kreativ auseinandergesetzt. Heute gehören Computer- und Videospiele, Computermusik und -sounds zum gängigen Unterhaltungsangebot, das von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen genutzt wird.

Arti­kel (unten zum Down­load)

It's more fun to compute

Text­aus­zug:

Neben der vir­tu­el­len Gewalt wer­den auch der Man­gel an Kör­per­lich­keit und der Ver­lust rea­ler Erleb­nis­se von Com­pu­ter­spiel-Kri­ti­kern beklagt. Die Fra­ge nach dem Ver­schwin­den des phy­si­schen Kör­pers, der redu­ziert auf Augen- und Fin­ger­be­we­gun­gen aus der rea­len Umge­bung in die Spiel­welt abwan­dert, stel­len auch Künst­le­rIn­nen der Art­Ga­mes selbst. Sie reflek­tie­ren die­se Vor­gän­ge und set­zen sich u. a. mit­tels Video­pro­jek­tio­nen und inter­ak­ti­ven Medi­en mit dem Spie­ler, sei­nem Kör­per und des­sen Ent­gren­zung aus­ein­an­der. Für die musik­päd­ago­gi­sche Arbeit kann es reiz­voll sein, den umge­kehr­ten Weg von der vir­tu­el­len Welt zum mate­ri­el­len Kör­per hin zu gehen. Die visu­el­le und audi­tive Ästhe­tik eines Com­pu­ter­spiels bie­tet Mate­ri­al für die fan­ta­sie­vol­le kör­per­sinn­li­che Aus­ein­an­der­set­zung im Bereich Musik und Bewe­gung, das u. a. auf fol­gen­den Ebe­nen ange­sie­delt sein kann: Musik und Geräu­sche, Raum und Zeit, Bewe­gun­gen von Com­pu­ter­spiel­fi­gu­ren, Rol­len­spiel, Erzäh­lung, Inter­ak­ti­on.

Ich sit­ze am Com­pu­ter

Das Lied "Ich sit­ze am Com­pu­ter" (NB 1 ) bie­tet neben der Mög­lich­keit des Sin­gens und Musi­zie­rens Anlass zu Gesprä­chen über Computerwelt/ rea­le Welt, Spiel­ge­wohn­hei­ten der Kin­der, visu­el­le und audi­tive Hör­ein­drü­cke etc. Es lädt ein, Com­pu­ter­ge­räu­sche zu sam­meln, zu kate­go­ri­sie­ren, mit Stim­me und auf Instru­men­ten zu imi­tie­ren, impro­vi­sa­to­risch und gestal­te­risch zu ver­ar­bei­ten.

  • Lie­dein­füh­rung: Kin­der sit­zen am Boden im Kreis. Leh­re­rIn singt das Lied und bewegt eine aus­ran­gier­te Com­pu­ter-Maus von Kind zu Kind. Leh­re­rIn berührt dabei jedes Kind im Grund­schlag des Lie­des. In Takt 4 ste­hen Leh­re­rIn und Kin­der auf und ver­wan­deln sich in Takt 10 in ver­schie­de­ne „Com­pu­ter­spiel — figu­ren“, die sich im Raum bewe­gen.
  • Die gefun­de­nen Bewe­gun­gen sam­meln. Wei­te­re Bewe­gungs­mög­lich­kei­ten von Com­pu­ter­spiel­fi­gu­ren sam­meln und ord­nen (gehen, lau­fen, sprin­gen, flie­gen, schwe­ben, glei ten, flat­tern, schwim­men, stop­pen, Rich­tung ändern; raumgreifend/am Platz, ganzkörperlich/ teil­kör­per­lich, fließend/ruckhaft, plötzlich/allmählich, kraftvoll/kraftlos). Bewe­gun­gen bewusst machen und in den Kate­go­ri­en Zeit, Raum, Kraft dif­fe­ren­zie­ren.
  • Bewe­gungs­im­pro­vi­sa­ti­on: Ein Rei­fen liegt in der Mit­te des Raums. Leh­re­rIn spielt eine Musik, zu der sich die Kin­der tan­zend im Raum bewe­gen kön­nen. Wenn die Musik stoppt, springt ein Kind in den Rei­fen und bewegt sich am Platz wie eine Com­pu­ter­spiel — figur. Die Grup­pe imi­tiert die­se Bewe­gun­gen, Leh­re­rIn beglei­tet die Bewe­gun­gen am Inst rument. Aus den Bewe­gungs­ide­en der Kin­der Mate­ri­al für einen Tanz ent­wi­ckeln. (Anre­gen­des Bewe­gungs­ma­te­ri­al kann z. B. von Tanz­for­men wie Locking und Popping26 gewon­nen wer­den.)
  • Kin­der beglei­ten die Com­pu­ter­spiel­fi­gu­ren eines Spiels mit der Stim­me (Ton am Gerät aus­schal­ten).
  • Kin­der erfin­den mit Stim­me, auf akus­ti­schen und elek­tro­ni­schen Instru­men­ten Musik und Geräu­sche für ein ima­gi­nä­res Com­pu­ter­spiel.
  • Elek­tro­ni­sche Gerä­te und Com­pu­ter­spie­le (Han­dy, Game­boy, elek­tro­ni­sches Spiel­zeug, Taschen­rech­ner etc.) wer­den auf ihre Klän­ge hin unter­sucht. Klän­ge und Geräu­sche auf­ma­len. Wel­che Klän­ge las­sen sich wie in Bewe­gung umset­zen? Wel­che Bewe­gungs­kont — ras­te wer­den zu den Klän­gen gefun­den?