Herbst, Sebastian

JeKits an För­der­schu­len

Kommentar

Rubrik: musikschule )) DIREKT
erschienen in: üben & musizieren 1/2018 , musikschule )) DIREKT, Seite 01

Mit dem Schul­jahr 2008/09 star­te­te JeKi an För­der­schu­len in Nord­rhein-West­fa­len – zunächst an drei För­der­schu­len als Pilot­pro­jekt. Nach Ein­bezug feh­len­der För­der­schwer­punk­te und vor allem einer wissenschaft­lichen Beglei­tung durch die Uni­ver­si­tät Dort­mund konn­ten Rahmen­bedingungen for­mu­liert wer­den, die eine chan­cen­glei­che Teil­ha­be von Schü­le­rIn­nen mit Behin­de­run­gen mög­lich mach­te. Im Unter­schied zu JeKi an Grund­schu­len wur­den unter ande­rem ein spä­te­rer Start (nicht schon in der ers­ten Klas­se), 60 Minu­ten pro Woche im ers­ten JeKi-Jahr mit ­klei­ne­ren Grup­pen von acht bis zehn Schü­le­rIn­nen sowie Grup­pen von maxi­mal drei Schü­le­rIn­nen im anschlie­ßen­den Instru­men­tal­un­ter­richt als wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen erach­tet.

Nach erfolg­rei­cher Imple­men­tie­rung und der Teil­nah­me von 25 För­der­schu­len im Schul­jahr 2014/15 ver­lie­ren die För­der­schu­len den Sta­tus als Pilot­pro­jekt im neu­en JeKits-Pro­gramm und wer­den den Grund­schu­len gleich­ge­stellt. Das ist erfreu­lich, da die Teil­nah­me von För­der­schu­len nun nicht mehr in Fra­ge steht. Doch auch die Rah­men­be­din­gun­gen soll­ten nun die glei­chen sein. Ist kul­tu­rel­le Teil­ha­be­ge­rech­tig­keit ein zen­tra­les ­JeKits-Ziel, also „mög­lichst vie­len Kin­dern in Nord­rhein-West­fa­len, unab­hän­gig von ihren per­sön­li­chen und sozio­öko­no­mi­schen Vor­aus­set­zun­gen, den Zugang zu musi­ka­li­scher bzw. tän­ze­ri­scher Bil­dung [zu] eröff­nen“ (zu lesen auf der Web­site), und ver­steht man „gleich“ rich­tig im Sin­ne von chan­cen­gleich, so müs­sen die Ergeb­nis­se der JeKi-Begleit­for­schung auch in JeKits Ver­wen­dung fin­den.

Nach Ver­ein­ba­rung eines Mora­to­ri­ums und einer Über­gangs­lö­sung im Schul­jahr 2016/17 star­te­ten die För­der­schu­len erst in die­sem Schul­jahr mit JeKits, sodass erneut aus­gie­big über geeig­ne­te Rah­men­be­din­gun­gen dis­ku­tiert wer­den konn­te und wur­de. Teil­wei­se ana­log zum Grund­schul­pro­gramm wur­den Fle­xi­bi­li­sie­run­gen in mehr­fa­cher Hin­sicht vor­ge­nom­men: Unter ande­rem wird die Klas­se einer För­der­schu­le unab­hän­gig von ihrer Grö­ße ­geför­dert, die Min­dest­teil­neh­mer­zahl im zwei­ten JeKits-Jahr kann unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen auf sechs Schü­le­rIn­nen herab­gesetzt wer­den, die zwei­te Orches­ter­stun­de wird ­bereits ab zehn Kin­dern geför­dert, die zusätz­li­chen Orches­ter­stun­den kön­nen zur Ver­klei­ne­rung der Grup­pen im Instru­men­tal­un­ter­richt fle­xi­bel ein­ge­setzt und JeKits-­Or­ches­ter auch in einem drit­ten Jahr durch­ge­führt wer­den.

Mit die­sen ange­pass­ten Rah­men­be­din­gun­gen ist eine chan­cen­glei­che Teil­nah­me der För­der­schu­len an JeKits denk­bar. Inwie­fern die­se aus­rei­chend sind, wer­den die Erfah­run­gen der nächs­ten Jah­re zei­gen. Eine Begleit­forschung, die nicht zuletzt Über­le­gun­gen zur Chan­cen­ge­rech­tig­keit bei JeKits im gemein­sa­men Unter­richt anstellt, ist auch hier rat­sam.