Hofmann-Wagner, Helmut

Kla­vier­lust

Aller Anfang ist leicht, spielerisch – klassisch

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Blattlaus Verlag, Saarbrücken 2017/21
erschienen in: üben & musizieren 5/2021 , Seite 62

Eine neue Kla­vier­schu­le muss sich schon durch ein eige­nes Pro­fil von den zahl­rei­chen zum Teil aus­ge­zeich­ne­ten Anfän­ger-Schu­len unter­schei­den, um auf dem Noten­markt bestehen zu kön­nen. Dem seit Jahr­zehn­ten an der Musik­schu­le Zwei­brü­cken die Fächer Kla­vier, Gesang, Musi­ka­li­sche Früh­erzie­hung und Musik­theo­rie leh­ren­den Hel­mut Hof­mann-Wag­ner ist das gelun­gen. Das Beson­de­re an sei­nem Kon­zept Kla­vier­lust ist zum einen die Ver­wen­dung zahl­rei­cher Volks­lie­der, dar­un­ter auch eini­ge, die in Kla­vier­schu­len eher sel­ten vor­kom­men, wie Wer hat die schöns­ten Schäf­chen?, Müde bin ich, geh’ zur Ruh, Bunt sind schon die Wäl­der oder Him­mel und Erde müs­sen vergeh’n. Zum ande­ren wird von Beginn an das Vier­hän­dig-Spiel ein­ge­setzt, sodass selbst ein­fachs­te Übungs­stü­cke mit zumeist rhyth­misch beweg­ter Begleit­stim­me attrak­tiv klingen.
Auch die lin­ke Hand wird von Anfang an gut mit­trai­niert. Und am Ende die­ses ers­ten Ban­des kann die­se bei der Euro­vi­si­ons­me­lo­die schon mit flie­ßen­den Ach­teln und einer begin­nen­den Zwei­stim­mig­keit aufwarten.
Alle 83 Num­mern sind Ori­gi­nal­kom­po­si­tio­nen oder Arran­ge­ments des Autors. Die Lied­sät­ze klin­gen sehr gut und sind zum Teil mit fan­ta­sie­vol­len har­mo­ni­schen Wen­dun­gen aus­ge­setzt. Die ein­zel­nen Lern­schrit­te sind ver­ständ­lich erklärt und gut auf­ge­baut. Mit Aus­gangs­sper­re II gibt es zudem eine aktu­el­le Kom­po­si­ti­on zum Coro­na-Lock­down 2021. In die­ser über­nimmt die lin­ke Hand die Melo­die und die rech­te steu­ert eini­ge Akkor­de in a‑Moll und E‑Dur mit deren Umkeh­run­gen bei.
Fin­ger­sät­ze gibt es bei fast jeder Note. So lobens­wert das ist, könn­te es doch den einen oder ande­ren Schü­ler dazu ver­lei­ten, nicht nach Noten, son­dern nach Zah­len zu spie­len. Eini­ge bekann­te Stü­cke wie die Melo­die vom Enter­tai­ner oder das gut klin­gen­de Some­whe­re over the rain­bow run­den die aus­ge­zeich­ne­te Aus­wahl ab. Nicht alles müss­te in C‑Dur ste­hen: Das The­ma aus Mozarts A‑Dur-Sona­te ver­liert bei­spiels­wei­se so sei­ne Strahlkraft.
Hof­mann-Wag­ner legt gro­ßen Wert auf ein rhyth­misch genau­es Spiel. Dazu bie­tet er vie­ler­lei rhyth­mi­sche Vari­an­ten an, wel­che aus ein­fachs­ten Moti­ven ent­wi­ckelt wer­den. Im Übungs­stück „Arno Nym“ – Kom­po­si­ti­on ohne Namen… kommt das beson­ders gut zur Gel­tung. Hier wird aus einem Fünf­ton­mo­tiv eine rhyth­mi­sche Varia­ti­ons­fol­ge ent­wi­ckelt, wel­che Ach­tel, Trio­len und Sech­zehn­tel mit Punk­tier­ten geschickt kombiniert.
Am Ende des Hefts steht ein har­mo­nisch far­big aus­ge­setz­tes Arran­ge­ment von Green­s­lee­ves, lei­der ohne die cha­rak­te­ris­ti­sche dori­sche Sex­te, als Vor­ge­schmack auf den in Vor­be­rei­tung befind­lichen zwei­ten Band. Domi­nik Lang hat das Heft illus­triert mit Zeich­nun­gen, wel­che als Ziel­grup­pe Kin­der im Grund­schul­al­ter anspre­chen dürf­ten. Kla­vier­lust ist ein durch­weg gelun­ge­nes Heft, das für alle Kla­vier-Anfän­ge­rIn­nen etwas zu bie­ten hat.
Chris­toph J. Keller