Pohl, Christian A.

Kla­vier­me­tho­dik

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Edition Peters, Leipzig 2022
erschienen in: üben & musizieren 5/2022 , Seite 58

Was Chris­ti­an A. Pohl, Pro­fes­sor für Kla­vier und Kla­vier­me­tho­dik an der Leip­zi­ger Musik­hoch­schu­le, mit jahr­zehn­te­lan­ger Arbeit und Unter­richts­er­fah­rung an Kla­vier­me­tho­dik-Wis­sen zusam­men­ge­tra­gen hat, ist beacht­lich. Es ist äußerst inspi­rie­rend, sich mit den 400 Sei­ten, inklu­si­ve zahl­rei­cher Abbil­dun­gen und Noten­bei­spie­le, zu beschäftigen.
Natür­lich ist das Wis­sen im Bereich der Kla­vier­me­tho­dik nicht alles neu und erfah­re­nen Päd­ago­gIn­nen wird eini­ges bekannt vor­kom­men. Neu ist zum einen aber die Viel­sei­tig­keit und Gründ­lich­keit, in wel­cher die ein­zel­nen musi­ka­li­schen Para­me­ter behan­delt wer­den, und der Ansatz, vie­les davon zu visua­li­sie­ren. Dazu erfin­det der Autor unter­schied­li­che Zei­chen, wel­che in ver­schie­de­nen Far­ben in den jewei­li­gen Noten­text oder auch unab­hän­gig davon geschrie­ben wer­den sol­len. Alles geht mit einer gründ­li­chen Ana­ly­se ein­her, wie wir dies zum Bei­spiel aus Den­ken und Spie­len von Rena­te Wie­land und Jür­gen Uhde kennen.
Chris­ti­an A. Pohl zeigt in sei­nem umfang­rei­chen Werk Wege zu einem freu­di­gen Musi­zie­ren auf, die das Selbst­ver­trau­en stär­ken und zudem Sicher­heit für die Vor­spiel- und Kon­zert­si­tua­ti­on geben. Dazu stellt er im Buch viel­sei­ti­ge Kon­zep­te, Metho­den und Model­le zum eige­nen Üben vor, alles sehr pra­xis­nah und ver­ständ­lich formuliert.
Um zu einem indi­vi­du­el­len Kla­vier­klang und einer eige­nen Inter­pre­ta­ti­on zu fin­den, wer­den zudem eini­ge gro­ße Pia­nis­tIn­nen in der beson­de­ren Art ihres Spiels beleuch­tet. Die Beschäf­tigung mit der Kom­po­si­ti­on und ein dazu not­wen­di­ger Gestal­tungs­plan sowie ein gut aus­ba­lan­cier­ter und viel­sei­ti­ger Klang berei­ten den Weg dazu. Eine leben­di­ge Bild­spra­che, wel­che die musi­ka­li­schen Phä­no­me­ne cha­rak­te­ri­siert, und ein Erken­nen und Arti­ku­lie­ren der emo­tio­na­len Bot­schaft hel­fen zudem, sich in die viel­fäl­ti­gen Facet­ten des musi­ka­li­schen Gesche­hens hin­ein zu vertiefen.
Kla­vier­päd­ago­gIn­nen und Pia­nis­tIn­nen wer­den eini­ges in die­sem, wäh­rend der ver­gan­ge­nen drei Jah­re in Zusam­men­ar­beit mit der Edi­ti­on Peters ent­stan­de­nen Werk ent­de­cken, was sie zur Ver­tie­fung des eige­nen Kla­vier­spiels, der Kör­per­wahr­neh­mung und zum Gelin­gen eines Vor­spiels oder Kon­zerts gut gebrau­chen können.
Scha­de ist nur, dass der Autor bei fast allem das Aus­wen­dig-Spiel vor­aus­setzt. Hier hat er zu sehr aus der Per­spek­ti­ve eines Hoch­schul­pro­fes­sors und dem damit ver­bun­de­nen Haupt­fach­un­ter­richt für Pia­nis­ten gedacht. Für die meis­ten ist aber ein dif­fe­ren­zier­tes Spiel nach Noten ein nicht uner­heb­li­ches Ziel. Kam­mer­mu­sik, Neue Musik und auch Kor­re­pe­ti­ti­on ist zudem für pro­fes­sio­nel­le Pia­nis­tIn­nen immer mit dem Spie­len nach Noten ver­bun­den. Hier wären Hin­wei­se hilf­reich gewe­sen, die zum Teil an das Aus­wen­dig-Spiel gekop­pel­ten Lern­mo­del­le zu modi­fi­zie­ren und den guten Ansatz zur Visua­li­sie­rung auch auf das Lesen von Kam­mer­mu­sik, Par­ti­tu­ren und kom­ple­xer gra­fi­scher Nota­ti­on zu erwei­tern. Die­se gründ­liche und fun­dier­te Abhand­lung über die Kla­vier­me­tho­dik ist ansons­ten aber abso­lut empfehlenswert.
Chris­toph J. Keller