Rüdiger, Wolfgang

Klei­ne Kla­vier­stü­cke ganz groß

„Emiliana“ (Nr. II, IV, VI) von Sidney Corbett

Rubrik: Bericht
erschienen in: üben & musizieren 3/2021 , Seite 40

Die Emi­lia­na ent­stan­den als Geschenk für mei­ne Toch­ter Emi­ly zu ihrem 8. Geburts­tag. Auf­grund des 8. Geburts­tags sind es acht klei­ne Stü­cke, jeweils acht Tak­te lang. Jedes der Stü­cke stellt eine ande­re musi­ka­li­sche Fra­ge, oder bes­ser: hat einen unterschied­lichen Inhalt. Auch wenn über­schau­bar gehal­ten, reflek­tie­ren die Stü­cke mei­ne Art, musi­ka­lisch zu den­ken. Ich unter­schei­de nicht grund­sätz­lich zwi­schen Musik für jun­ge Pia­nis­tin­nen und Erwach­se­ne; nur sind die Wer­ke der Emi­lia­na über­schau­ba­rer und stel­len die typi­schen Merk­ma­le mei­ner Musik in redu­zier­ter Form vor, z. B. Zwei­er- und Drei­er­rhyth­men; auch die Har­mo­nik ist die mei­ni­ge, aber die Stim­men­dich­te ist reduziert.
Sid­ney Corbett

Haben Sie acht­jäh­ri­ge Kla­vier­schü­le­rIn­nen, die ger­ne Neu­es erkun­den? Dann bit­ten Sie sie doch mal, mit der lin­ken Hand eine belie­bi­ge schwar­ze Tas­te zu spie­len, zum Bei­spiel es, und dies mehr­mals: pia­no, for­te, mit und ohne Akzent… Die rech­te Hand könn­te dazu die bei­den wei­ßen Nach­bar­tas­ten spie­len, aber ein Stock­werk höher: d' und e' – welch schö­ner Klein­se­kund­klang, zusam­men oder nach­ein­an­der ange­schla­gen! Und wenn man bei­de Ele­men­te nun in rhyth­mi­sche Bewe­gung ver­setzt, als Vier­tel etwa, gefolgt von zwei repe­tier­ten Ach­teln, ergibt sich ein klei­nes Motiv, mit dem man auf ver­schie­dens­te Wei­se spie­len kann: z. B. drei­mal wie­der­ho­len, poco pres­to, rhyth­misch pul­sie­rend, laut, trot­zig, mit auf­müp­fi­gen Akzen­ten, ein klei­ner Wut­an­fall (sie­he Emi­lia­na II, T. 1–3).
So beginnt das zwei­te Stück aus Sid­ney Cor­betts Zyklus Emi­lia­na: Acht klei­ne Kla­vier­stü­cke von jeweils acht Tak­ten, die der Kom­po­nist sei­ner Toch­ter Emi­ly 2016 zu ihrem ach­ten Geburts­tag geschenkt hat.

Lesen Sie wei­ter in Aus­ga­be 3/2021.