Lugitsch, Michael

Kom­pe­ten­zen von Instru­men­tal- und Gesangs­leh­ren­den im heu­ti­gen Berufsfeld

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Waxmann, Münster 2021
erschienen in: üben & musizieren 1/2022 , Seite 59

Vor­mit­tags Lei­tung einer Strei­cher­klas­se in einer Grund­schu­le, nach­mit­tags Ein­zel- und Grup­pen­un­ter­richt mit Jugend­li­chen, abends Unter­richt mit einem erwach­se­nen Schü­ler, am Wochen­en­de Pro­ben und Kon­zert mit dem eige­nen Ensem­ble. Sol­che und ähn­li­che viel­fäl­ti­ge Anfor­de­run­gen prä­gen den Berufs­all­tag von Instru­men­tal- und Gesangs­leh­ren­den. Doch wel­che Kom­pe­ten­zen sind not­wen­dig, um die­ses Auf­ga­ben­spek­trum erfolg­reich bewäl­ti­gen zu kön­nen? – Dazu gibt die Fach­li­te­ra­tur bis­lang kaum Auskunft.
Micha­el Lugitsch greift die­ses Desi­de­rat auf und explo­riert in sei­ner Dis­ser­ta­ti­on die Per­spek­ti­ven von Leh­ren­den in Bezug auf Kom­pe­ten­zen im heu­ti­gen Berufs­feld der Instru­men­tal- und Gesangs­leh­ren­den in Öster­reich. Sein Ziel ist es, die erfor­der­li­chen Kom­pe­ten­zen zu ermit­teln und den ent­spre­chen­den Kom­pe­tenz­er­werb zu untersuchen.
Lugitsch setzt sich mit dem Begriff der Kom­pe­tenz inten­siv aus­ein­an­der und beleuch­tet ver­schie­de­ne Defi­ni­tio­nen. Die Ana­ly­se des For­schungs­stands zeigt, dass sich die Musik­päd­ago­gik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der Kom­pe­tenz­ori­en­tie­rung ins­be­son­de­re im schu­li­schen Kon­text (auf­grund von Vor­ga­ben zur Stan­dar­di­sie­rung) nicht ent­zie­hen konn­te. Stu­di­en zu Kom­pe­ten­zen von Leh­ren­den sind aller­dings sel­ten. Lugitsch fasst den Stand der Fach­li­te­ra­tur nach­voll­zieh­bar zusam­men und stellt dabei den Bezug sei­nes The­mas zur Fach­li­te­ra­tur her, sodass der oder die Lesen­de den fach­li­chen Kon­text der fol­gen­den Stu­die gut ein­schät­zen kann.
In sei­ner Stu­die unter­sucht Lugitsch die Fra­ge­stel­lung nach den Kom­pe­ten­zen von Instru­men­tal- und Gesangs­leh­ren­den empi­risch mit­tels eines qualita­tiven Vor­ge­hens im Sin­ne der Groun­ded-Theo­ry-Metho­do­lo­gie. Ziel die­ser For­schung ist eine Theo­rie­bil­dung in Bezug auf einen bestimm­ten Gegen­stands­be­reich. Um dies zu errei­chen, führt Lugitsch neun Inter­views mit ver­schie­de­nen Per­so­nen, die beruf­lich im Bereich der Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik tätig sind. Die Aus­wer­tung der Gesprä­che mün­det in zwei Kern­ka­te­go­rien: „Musi­ka­li­sche Fas­zi­na­ti­on“ und „Bewusst­sein für die indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­se der Lernenden“.
Ins­ge­samt zei­gen die Studien­ergebnisse, dass von den Inter­view­ten beson­ders sozia­le Kom­pe­tenz als rele­vant ein­ge­schätzt wird und dass sowohl im künst­le­ri­schen als auch im päd­ago­gi­schen Bereich ein hoher Anspruch an die Kom­pe­ten­zen von Lehr­kräf­ten besteht.
Lugitschs Arbeit stellt einen wich­ti­gen Schritt dar, um die Kom­pe­ten­zen von Instru­men­tal- und Gesangs­leh­ren­den zu unter­su­chen und im Spie­gel von Berufs­aus­bil­dung sowie Berufs­praxis zu betrach­ten. Zu hof­fen ist, dass das The­ma auch zukünf­tig in musik­päd­ago­gi­scher For­schung unter­sucht wird, um Erkennt­nis­se abzu­si­chern bzw. aus­zu­bau­en und so auch zur wei­te­ren Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Instru­men­tal- und Gesangs­päd­ago­gik beizutragen.
Sil­via Müller